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Loveparade: Wie geht der Strafprozess weiter?

16.1.2019 10:23 Uhr

Bei der Duisburger Loveparade kam es vor über acht Jahren zu einer grausamen Tragödie: 21 Menschen starben, mindestens 652 wurden verletzt. Nun kommt einer der umfangreichsten Strafprozesse der Nachkriegszeit in eine entscheidende Phase: Juristen sprechen heute darüber, ob das Verfahren bis zu einem Urteil fortgesetzt oder vorher ohne Urteil eingestellt werden soll.

Bei einem sogenannten Rechtsgespräch wollen Richter, Staatsanwälte, Verteidiger und Nebenklage-Anwälte erörtern, wie der Prozess aus ihrer Sicht bislang gelaufen ist und wie er weitergehen kann. Das Gericht will auch eine eigene Einschätzung abgeben.

Bei der Loveparade am 24. Juli 2010 in Duisburg waren am einzigen Zu- und Abgang des Veranstaltungsgeländes im Gedränge 21 Menschen erdrückt und mindestens 652 verletzt worden.

Landgericht für Einstellung des Prozesses

Im Strafprozess hat das Landgericht Duisburg eine Einstellung des Verfahrens gegen die zehn Angeklagten vorgeschlagen. Der Prozess würde damit ohne Urteil enden. Das wurde am Mittwoch aus einem Rechtsgespräch bekannt, zu dem das Gericht Verteidiger, Staatsanwälte und Nebenklage-Anwälte gebeten hatte.

Die Staatsanwaltschaft habe deutlich gemacht, dass für sie nur eine Einstellung mit Geldauflage gegen die Angeklagten in Frage komme, berichteten mehrere Anwälte. Dies wollten die Verteidiger nicht akzeptieren. Das Gericht habe dagegen angedeutet, dass einige Angeklagte aus seiner Sicht ohne und einige mit einer Geldauflage zu rechnen hätten.

Bekanntgabe am Donnerstag

Gericht und Staatsanwaltschaft wollten sich am Mittwoch zunächst nicht zu Inhalten des Rechtsgesprächs äußern. Am Donnerstagmittag will der Vorsitzende Richter die wesentlichen Inhalte des Gesprächs während der Hauptverhandlung wiedergeben.

Nebenklage-Anwalt Julius Reiter sagte, es gehe nun darum, mit dem Einstellungsbeschluss die Grundlage zu schaffen für Schadenersatzansprüche etwa gegen Stadt und Land. "Wir wissen, wie schwer es ist, die strafrechtliche Verantwortung eines Einzelnen zu bestimmen und zu sühnen", sagte Reiter.

Das Gespräch fand - wie üblich bei Rechtsgesprächen - unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Es nahmen nach Gerichtsangaben 24 Verteidiger, 26 Nebenklage-Vertreter, 3 Staatsanwälte und 3 Richter daran teil.

Alle müssen zustimmen

Grundsätzlich ging es in dem Rechtsgespräch um eine Bestandsaufnahme des bisherigen Verfahrens und darum, wie es weitergehen kann. Einer Einstellung des Verfahrens müssten Verteidiger und Staatsanwälte für jeden einzelnen der zehn Angeklagten zustimmen.

Bei der Loveparadeam 24. Juli 2010 in Duisburg gab es am einzigen Zu- und Abgang zum Veranstaltungsgelände ein so großes Gedränge, dass 21 Menschen erdrückt und mindestens 652 verletzt wurden. Angeklagt sind sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg und vier des Veranstalters Lopavent. Die Mitarbeiter des Veranstalters sollen ein ungeeignetes Zu- und Abgangssystem geplant haben. Mitarbeiter der Stadt sollen die Veranstaltung rechtswidrig genehmigt haben. Alle zehn Angeklagten sind wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung angeklagt.

Prozessbeginn 2017

Überlebende und Angehörige hatten lange auf einen Strafprozess gewartet, der schließlich im Dezember 2017 begann. Angeklagt sind sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg und vier Mitarbeiter des Loveparade-Veranstalters Lopavent. Wegen der Größe des Verfahrens verhandelt das Landgericht Duisburg in einer Kongresshalle im benachbarten Düsseldorf.

(sis/dpa)

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