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Lori Lightfoot erste schwarze und homosexuelle Bürgermeisterin

3.4.2019 11:48 Uhr

In einer Stichwahl gegen ihre ebenfalls schwarze Parteifreundin Toni Preckwinkle hat sich die Demokratin Lori Lightfoot klar durchgesetzt. Die 56-jährige Anwältin ist somit die erste schwarze Bürgermeisterin Chicagos sowie das erste offen homosexuelle Stadtoberhaupt der US-Metropole.

Lightfoot erhielt ersten Schätzungen zufolge rund 74 Prozent der Stimmen.

Lightfoot und Preckwinkle gehören beiden dem linken Flügel ihrer Partei an. Sie hatten sich im Februar in der ersten Wahlrunde überraschend gegen zwölf Konkurrenten durchgesetzt, von denen die meisten gemäßigt und Vertreter des politischen Establishments waren. Amtsinhaber Rahm Emanuel, der erste Stabschef von Ex-Präsident Barack Obama, hatte auf eine dritte Kandidatur verzichtet.

"Die Menschen hoffen, dass etwas anderes kommt"

Seit 1837 gab es in Chicago erst eine Frau als Bürgermeisterin sowie einen schwarzen Mann. Während Preckwinkle schon eine Reihe von politischen Ämtern innehatte, hatte Lightfoot ihren Wahlkampf bewusst als Außenseiterin bestritten.

"Die Menschen hoffen, dass etwas anderes kommt", sagte die langjährige Bundesstaatsanwältin am Dienstag. "Es ist überwältigend, dafür eine Hoffnungsträgerin zu sein."

Lightfoot will die Waffengewalt und die grassierende Korruption in der 2,7-Millionen-Einwohner-Stadt eindämmen. Gleichzeitig setzt sie sich für bessere Lebensbedingungen in den mehrheitlich von Schwarzen bewohnten, heruntergekommen Vierteln im Süden und Westen der Stadt ein. Die sozialen Ungleichheiten sind in der Metropole im Norden der USA ein riesiges Problem.

"Neue Ideen und eine saubere Regierung"

Lightfoot dürfte sich auch für Reformen bei der Polizei einsetzen. Die 56-Jährige hatte in der Vergangenheit unter anderem ein Gremium zur Reform der Polizei geleitet, nachdem ein schwarzer Jugendlicher von einem weißen Polizisten erschossen worden war.

Die Botschaft der Wahl sei deutlich, sagte der Politikwissenschaftler Evan McKenzie der Nachrichtenagentur AFP: Die Wähler wollten "neue Ideen und eine sauberere Regierung". In keiner anderen Großstadt der USA fallen so viele Menschen der Waffengewalt zum Opfer wie in Chicago. Allein im vergangenen Jahr wurden mehr als 550 Menschen in der Stadt ermordet - mehr als in New York und Los Angeles zusammen.

(sis/afp)