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Löw fürchtet EM-Verschiebung auf Dezember

15.3.2020 18:09 Uhr

Joachim Löw und das deutsche Nationalteam stehen vor einer langen Pause. Auch der Deutsche Fußball-Bund glaubt in einer sich weiterhin verschärfenden Coronavirus-Krise nicht mehr an die Austragung des großen paneuropäischen Turniers in diesem Sommer. "Ich gehe davon aus, dass wir Dienstag konkret Bescheid wissen, was mit der Europameisterschaft und den Länderspielen passiert", sagte DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius. Bei der Konferenz der 55 Mitgliedsverbände der Europäischen Fußball-Union geht es praktisch nur noch darum, ob das im Juni/Juli in zwölf Ländern vorgesehene Kontinental-Championat verschoben oder ganz abgesagt wird.

Die Auswirkungen der Pandemie sind auch für den Fußball nicht abzuschätzen. "Wir sammeln seit zwei Wochen täglich alle relevanten Informationen und sind mit den zuständigen nationalen und internationalen Institutionen fest verdrahtet, um ein valides Lagebild zum Treffen verantwortungsbewusster Entscheidungen zu erhalten", sagte Curtius am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur zum generellen DFB-Krisenmanagement. München ist für die drei Gruppenspiele der deutschen Mannschaft und ein Viertelfinale als Spielort ein wichtiger Bestandteil der Europameisterschaft.

Option 1: EM2021 statt EM2020

"Es macht überhaupt keinen Sinn, diese EM in zwölf Ländern zu spielen. Wir müssen endlich mal der Realität ins Auge schauen", sagte Bayern-Ehrenpräsident Uli Hoeneß am Sonntag im "Doppelpass" von Sport1. Erste Alternative ist die Verlegung der EM in den Sommer 2021. Das würde auch den DFB als Mitgastgeber in die Lage versetzen, die schon jetzt enormen personellen und wirtschaftlichen Aufwendungen nicht umsonst zu betreiben. Allerdings müsste die UEFA für den Fall bei der FIFA durchsetzen, dass die für 2021 angesetzte Club-WM zu einem anderen Termin stattfindet.

Die britische Zeitung "Telegraph" berichtet von einer UEFA-Option, dass die EM in den Winter 2020/21 verlegt werden könnte. Weiteres mögliches Resultat des UEFA-Videomeetings, an dem für den DFB Vizepräsident Rainer Koch und für die European Club Association BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke teilnehmen, ist die EM-Komplettabsage. Die Entscheidung ist äußerst schwierig, zumal die Länge und die Auswirkungen der Gefährdungslage in der ganzen Welt heute nicht seriös einzuschätzen sind. "Das, was heute gilt, kann morgen völlig überholt sein", erklärte Curtius.

Austragung der EM im Sommer eher unwahrscheinlich

Die für Ende März terminierten Länderspiele in Spanien und gegen Italien sind durch die Coronavirus-Pandemie unmöglich. Unter anderen stehen die Profis von Real Madrid derzeit unter Quarantäne, der Spielbetrieb ist auch in Spanien eingestellt, im ganzen Land gilt eine Ausgangssperre. Die für den 31. März terminierte Partie gegen Italien hat die Stadt Nürnberg bereits verboten. Die fränkische Metropole, in der gespielt werden sollte, hat wegen der Epidemie alle Veranstaltungen mit mehr als 100 Menschen untersagt.

"Ich gehe davon aus, dass die Spiele auf Basis der heutigen Faktenlage nicht stattfinden können", hat DFB-Präsident Fritz Keller bereits gesagt. "Am Montag blickt alles auf die DFL, welche Entscheidungen zum Spielbetrieb der obersten beiden Ligen getroffen werden. Zudem gibt es eine Besprechung über die 3. Liga. Und am Dienstag wird die UEFA entscheiden, was mit der EURO 2020 und den Nationalmannschafts-Terminen passiert", erklärte Curtius. Höchstwahrscheinlich wird Bundestrainer Löw mit seinen Stars um Serge Gnabry, Toni Kroos und Manuel Neuer erst am 3. September zum Start der neuen Nations League gegen Spanien wieder auftauchen. Zuletzt war die DFB-Elf am 19. November beim 6:1 gegen Nordirland aktiv.

Keine Abstellungspflicht zur Nationalelf

Dass der DFB die Partien gegen Spanien und Italien nicht schon selbst offiziell abgesagt hat, steht auch mit versicherungstechnischen Dingen in Zusammenhang. Ein Länderspiel beschert dem Verband allein TV-Einnahmen von bis zu zehn Millionen Euro. Für den DFB ist die Nationalmannschaft die mit weitem Abstand größte Einnahmequelle. Wenn die UEFA am Dienstag wegen der weltweiten Coronavirus-Krise die Generalabsage beschließt, könnte der Versicherungsfall greifen.

Die sonst gültige Abstellungspflicht für Profis für Ende März hob der Weltverband bereits auf. "Die FIFA ist sich bewusst, dass die Austragung von Spielen in der derzeitigen Lage ein Gesundheitsrisiko für die Spieler (und die Öffentlichkeit) darstellt und darüber hinaus sehr wahrscheinlich auch die sportliche Integrität dieser Spiele beeinträchtigt, da bestimmte Teams im Gegensatz zu anderen nicht mit ihren besten Spielern antreten können", erklärte die FIFA.

(ce/dpa)

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