Lira-Krise lässt internationale Banken schwitzen

12.11.2018 11:22 Uhr

In der Türkei drohen nachhaltige Kreditausfälle. Selbst Großkonzerne stellen Kreditrückzahlungen vor massive Probleme. Die Angst und das große Schwitzen geht jedoch nicht nur unter türkischen Bankhäusern um – auch europäische Großbanken zittern.


Es bricht für die UniCredit eine harte Woche an. Dem Vorstand der italienischen Großbank obliegt es seinen Investoren zu kommunizieren, dass für das dritte Quartal 2018 mehr als 840 Millionen Euro abgeschrieben werden müssen. Ursächlich dafür ist das Türkei-Engagement der Mailänder Großbank, die seit 2005 an der türkischen Bank Yapı Kredi beteiligt ist. Der Währungsverfall der Lira sorgte dafür, dass die Mailänder ihren Türkeiableger mit frischem Kapital versorgen mussten. Die wirtschaftlichen Probleme in der Türkei sorgten ebenso dafür, dass UniCredit hinsichtlich ihrer Ertragsziele für 2018 und 2019 nachhaltig zurückrudern musste.

UniCredit bekennt sich zu Engagement in der Türkei

Wer im Zuge der eher suboptimalen Nachrichten aus dem Türkeigeschäft damit rechnete, Jean Pierre Mustier würde als Bankchef die finanzielle Reißleine ziehen, der muss umdenken. Mustier gab ein glasklares Bekenntnis zum Türkei-Business der UniCredit ab. Doch damit nicht genug. Sofern es notwendig wird, will das Mailänder Bankhaus im Zweifelsfalle eher Gelder nachschießen, als sich vom Türkeimarkt zu verabschieden. "Weg mit Schaden" ist für die Italiener demnach kein Thema, sondern es wird auf die zyklischen Ups and Downs spekuliert. Eigentlich kein ganz so ungewöhnlicher Weg im Bankengeschäft.

Jean Pierre Mustier hat auch gute Nachrichten

Doch das angeschlagene Bankhaus UniCredit konnte gegenüber den Investoren auch mit positiven News aufwarten. So zeigt das Unternehmensergebnis, dass sowohl Ertrag als auch Gewinn im dritten Quartal angestiegen sind – sofern sie von den Sondereffekten unter anderem rund um die türkische Bank Yapı Kredi bereinigt werden.

Wie steht es um die Zukunft im Türkeigeschäft der Großbanken?

Investitionen in türkischen Banken wurden im Finanzbusiness lange als Selbstläufer gehandelt. Dem ist nicht mehr so. So sagen Analysten von Moody´s für das kommende Jahr 2019 beim Wirtschaftswachstum der Türkei tiefgreifende Rückgänge voraus, die zum Jahresbeginn gar Rezessionscharakter erreichen können. Derartige Turbulenzen in der Wirtschaft strahlen selbstverständlich auch auf das Banken-Business aus. Begeben sich Unternehmen in der Türkei auf wirtschaftliche Talfahrt, werden sicher geglaubte Kredite zu Wackelkandidaten. Ein Problem, das jedoch nicht nur UniCredit belastet. Auch andere Bankhäuser in Europa sehen die Entwicklung der türkischen Wirtschaft mit zunehmender Sorge. So zum Beispiel das spanische Bankhaus BBVA oder das französische Bankhaus BNP Paribas. Beides Großbanken, die ein starkes Türkei-Engagement mitbringen.

Das Kernproblem der Banken ist, dass die Streitigkeiten zwischen Washington und Ankara noch nicht völlig ausgesessen sind. Ein starker Dollar und eine schwache Lira stehen jedoch für eine Verteuerung der Kredite, die türkische Unternehmen für den Wachstumsanschub aufgenommen haben. In der Gesamtsumme heißt das, das Damoklesschwert von 240 Milliarden Dollar als Kreditsumme schwebt über den Köpfen der türkischen Unternehmen. Und das Bedienen dieser Kredite fällt vielen Unternehmen – auch Großkonzernen mit großen Kostenapparaten – zunehmend schwerer.

Banken wie UniCredit, BNP Paribas und BBVA müssen Kreditausfälle in der Türkei kompensieren

Kommt die Tochterbank in der Türkei durch Kreditausfälle in Finanznöte, müssen die europäischen Mutterbanken Gelder nachschießen. Im Jahr 2018 rechnet die Zentralbank der Türkei damit, dass Kredite in Höhe von rund 16 Milliarden US Dollar platzen könnten. Ein Anstieg zum Vorjahr von rund 35 Prozent. Darin sind nicht die Kreditsummen enthalten, welche Ausfälle über eine Insolvenz generieren. Doch was tun, wenn ein Kredit "faul" erscheint? Verkaufen!

Die DenizBank hat rund 13 Millionen Euro an "faulen Krediten" für eine ungenannte Kaufsumme abgestoßen, um den Schaden zu minimieren. Die ING Bank in der Türkei hat mit Stand Oktober Wackelkredite in der Größenordnung von circa 90 Millionen US Dollar veräußert – für rund 2 Millionen Dollar. Ein Kurs, der durchaus normal erscheint, wie die Şekerbank verdeutlicht. Bei der "Zuckerbank" wurden Kredite im Volumen von mehr als 90 Millionen TRY für 2 Millionen TRY "verramscht". Doch auch wenn die Zahlen Schlimmes vermuten lassen, ist die Lage nicht aussichtlos. Manche Dinge kann man – auch als Bankhaus – aussitzen. Warum? Der Verdienst der türkischen Banken ist unter dem Strich und in der dreizehnten Rechnung weiter stimmig. Im Mittelwert wurden die Gewinne der türkischen Kreditunternehmen um satte 13 Prozent gesteigert und die Einlagen der Sparer sind um mehr als 30 Prozent gestiegen. Gesunde Zahlen.

(ce)