Symbolbild: epa/Nabil Mounzer

Libanon: Generalstreik wegen schleppender Regierungsbildung

4.1.2019 21:06 Uhr

Im Libanon haben am Freitag die Mitarbeiter privater und öffentlicher Einrichtung die Arbeit niedergelegt. Damit protestieren sie gegen die seit Monaten blockierte Bildung einer Regierung.

Sie folgten dem Ruf der größten Gewerkschaft des Mittelmeerstaates zu einem friedlichen Generalstreik. Aus Angst vor Gewalt hatte sich die Gewerkschaft ausdrücklich gegen Straßenproteste ausgesprochen. Staatliche Behörden hatten Medienberichten zufolge Angestellte vor einer Teilnahme am Streik gewarnt. Zahlreiche Arbeitnehmer folgten dem landesweiten Streikaufruf nicht, wie Augenzeugen berichteten. Die Parlamentswahl hatte bereits im Mai stattgefunden.

"Dieser Streik soll die Politiker unter Druck setzen"

Mitarbeiter des staatlichen Elektrizitätsversorgers legten die Arbeit am Freitag nieder. In staatlichen Krankenhäusern und in Beiruts internationalem Flughafen unterbrachen Mitarbeiter für eine Stunde die Arbeit. "Dieser Streik soll die Politiker unter Druck setzten", sagte Gewerkschaftschef Beschara Asmar nach Medienberichten. Der Mittelmeerstaat braucht dringend eine neue Führung, um seine schweren wirtschaftlichen und politischen Probleme angehen zu können. Der Generalstreik sei ein erster Schritt, warnten Gewerkschafter.

Der sunnitische Regierungschef Saad Hariri hatte es in den vergangenen acht Monaten nicht geschafft, ein Kabinett für das multiethnische und multireligiöse Land aufzustellen. Im Libanon ringen die schiitischen, vom Iran unterstützten Kräfte mit den Sunniten um Einfluss. Hariri ist eng mit dem saudischen Königshaus verbündet. Schon vergangene Woche war es zu Straßenprotesten gekommen.

(an/dpa)