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Lehrerverband in Deutschland warnt vor islamistischer Einschüchterung

20.10.2020 11:55 Uhr

Der islamistische Terrorakt von Frankreich, bei dem ein 18-jähriger radikaler Islamist den Lehrer Samuel Paty enthauptet hat, schlägt seine Wellen auch bis nach Deutschland. Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes Heinz-Peter Meidinger sprach mit der Presse und warnte vor einer «Schere im Kopf» auch bei deutschen Pädagogen. Es scheint demnach auch in Deutschland schon zu Einschüchterungsversuchen von Lehrkörpern gekommen zu sein, wenn die Themen anfassten, die bei manchen Kulturkreisen aus wenig Gegenliebe stießen.

«Wir haben die tiefe Sorge, dass auch in Deutschland ein Klima der Einschüchterung entsteht», sagte er der «Passauer Neuen Presse» (Dienstag). Es gebe immer mehr Versuche, Lehrer bei ihrer Aufgabe, Werte und Demokratie zu vermitteln, zu beeinflussen und zu behindern. Meidinger sagte: «Der Druck ist vor allem in Brennpunktschulen mit einem hohen Anteil von Schülern mit einem entsprechenden Migrationshintergrund sehr hoch.» An manchen Schulen würden sich Lehrer nicht mehr trauen, einen Film wie «Schindlers Liste» zu zeigen. «Sie bekommen Druck von den Eltern, aber auch von Schülern. Da entsteht bei manch einem schon eine Schere im Kopf», sagte er. Im Gespräch mit dem Hessischen Rundfunk betonte er: «Der ein oder andere Lehrer überlegt sich, ob er schwierige Themen überhaupt noch ansprechen soll, um Anfeindungen zu entgehen.»

Angst vor Mohammed-Karikaturen auch bei deutschen Lehrern

Am Freitag war der 47 Jahre alte Geschichtslehrer Samuel Paty in einem Pariser Vorort ermordet worden. Zuvor hatte er im Unterricht zum Thema Meinungsfreiheit Mohammed-Karikaturen gezeigt. Der radikalisierte Islamist mit russisch-tschetschenischen Wurzeln hatte kurz nach der Tat geschrieben, der Pädagoge habe den Propheten Mohammed herabgesetzt. Viele Kollegen hätten wohl auch in Deutschland Angst, beispielsweise in einer Unterrichtsstunde über Meinungs- und Kunstfreiheit auf die Mohammed-Karikaturen zu verweisen. „Davon lassen diese dann lieber die Finger“, so Meidinger.

Wenn Lehrer zu politisch und geschichtlich sensiblen Themen Stellung nehmen, müssten sie damit rechnen, Druck zu bekommen. Zu den Problembereichen würden aber nicht nur Kinder und Eltern aus muslimischen Kulturkreisen gehören, sondern dazu zählten auch AfD-Meldeportale im Netz. Dort war dazu aufgerufen worden, angebliche Verstöße von Lehrerinnen und Lehrern gegen das Neutralitätsgebot zu melden.

(ce/dpa)

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