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Löws Team muss sich gegen die Niederlande beweisen

23.3.2019 13:31 Uhr

Was wird geschehen und wie wird sich möglicherweise der DFB verhalten, wenn das neue Team der "jungen Wilden" stolpert? Wird der Verband dem Bundestrainer eine Schonfrist beim Umbau der deutschen Nationalmannschaft einräumen oder muss der Coach mit seinem Team schnell abliefern? Es stehen viele Fragezeichen vor dem Spiel Deutschland gegen Niederlande in der EM-Qualifikation, das in Amsterdam stattfindet. Holland ist, das hat das Testspiel gegen Weißrussland bewiesen, gut für den Erzrivalen gerüstet.

Die deutschen Nationalspieler schrieben schnell noch ein paar Autogramme für die wartenden Fans, dann stiegen sie in Trainingskleidung in den Flieger Richtung Amsterdam. Leroy Sane und Serge Gnabry steckten im Flugzeug die Köpfe zusammen – vielleicht besprachen sie ja schon die Taktik für das wohl schwerste Länderspiel des Jahres. Am Sonntag (20.45 Uhr/RTL) hat die stark verjüngte DFB-Auswahl mit dem Auftakt in der EM-Qualifikation bei Erzrivale Niederlanden eine große Reifeprüfung vor der Brust.

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Es ist ein Showdown - und das gleich im zweiten Länderspiel der von Bundestrainer Joachim Löw ausgerufenen "neuen Zeitrechnung" nach dem sportlichen Horror-Jahr 2018 mit WM-Vorrunden-Aus und Nations-League-Abstieg. Beim Erzrivalen. Beim größten Konkurrenten in der EM-Qualifikation. Bei dem Gegner, der Deutschland vor etwas mehr als fünf Monaten mit 3:0 gedemütigt und Löw fast aus dem Amt geschossen hatte.

Es ist nicht mehr viel Luft nach unten für Löw und sein Betreuer-Team

"Alles ist ausgerichtet auf das Spiel am Sonntag gegen die Niederlande", sagte Löw. Der Bundestrainer weiß, dass eine erneute Blamage beim ungeliebten Nachbarn seine Position wieder schwächen würde. Wie brüchig die Aufbruchstimmung in der Nationalmannschaft ist, bekam Löw bei den lautstarken Halbzeitpfiffen beim 1:1 am Mittwoch in Wolfsburg gegen Serbien hautnah mit. Eine deutliche Pleite gegen Oranje – und Löw dürfte in den zweieinhalb Monaten bis zum nächsten Länderspiel wieder heftig im Gegenwind stehen.

Der Respekt vor den Niederländern, die nach dem souveränen 4:0 am Donnerstag gegen Weißrussland bereits drei Punkte auf dem Konto haben, ist groß. "Sie haben viele starke junge Spieler, aber auch ein paar erfahrene. Sie haben momentan eine sehr gute Mischung", sagte Marco Reus. Offensivspieler Serge Gnabry, der nach überstandener Erkältung für den gegen Serbien unglücklich agierenden Timo Werner in die Startelf rücken könnte, sieht die DFB-Auswahl allerdings "auf Augenhöhe mit Holland".

Wird das junge Team das Vertrauen des Bundestrainers honorieren?

Experten bezweifeln das. Die Elftal, die die WM 2018 in Russland und die EURO zwei Jahre zuvor in Frankreich sportlich verpasst hatte, ist dem deutschen Team in Sachen Umbruch unter Bondscoach Ronald Koeman einen großen Schritt voraus. "Koemans Kids" um Frenkie de Jong spielen begeisternden und erfolgreichen Fußball, Altstars wie Arjen Robben oder Wesley Sneijder werden längst nicht mehr vermisst. Die Hierarchie um Abwehrboss Virgil van Dijk ist gefestigt, der Teamgeist bringt die unbestrittene individuelle Qualität der Spieler zur Geltung.

Das Duell mit dem Erzrivalen wird daher auch zur großen Reifeprüfung für die "jungen Wilden", denen Löw ein paar gestandene Profis zur Seiten stellen wird. Klar ist, dass Reus und der gegen Serbien geschonte 2014-Weltmeister Toni Kroos in die Startelf rücken. Auch die erfahreneren Antonio Rüdiger und Matthias Ginter dürften beginnen. Außerdem legte sich Löw auf Manuel Neuer als Torhüter fest, Herausforderer Marc-Andre ter Stegen bleibt nur der Platz auf der Bank.

Alle Augen schauen auf Sane

Einen festen Platz in der Stammelf hat sich auch Sane erarbeitet. Der Offensivspieler von Manchester City, der vor der WM zur Verwunderung Vieler von Löw noch aussortiert worden war, ist zurzeit unersetzbar. Daher ist es eine gute Nachricht, dass Sane am Freitagabend beim letzten Training vor dem Abflug nach Amsterdam ganz normal mit übte. Er hat den üblen Tritt auf seinen linken Knöchel durch den Serben Milan Pavkov tatsächlich unbeschadet überstanden hat.

"Für einen Spieler wie ihn, mit dieser Schnelligkeit und Dribbelstärke, müssen wir dem lieben Gott danken", schwärmte der ehemalige Bundestrainer Berti Vogts in seiner Kolumne bei t-online.de von Sane. Die Aufregung um dessen extravagantes Auftreten kann Vogts nicht nachvollziehen: "Schaut euch doch einmal an, wie gut der Junge Fußball spielt. Er ist ein Ausnahmekönner."

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