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Kritische Stimmen gegen Joachim Löw auch aus der eigenen Nationalmannschaft

9.3.2019 22:31 Uhr

Die "jungen Wilden" finden deutliche Worte, Andere halten sich lieber zurück, aber auch in der Nationalmannschaft stößt Trainer Löws umstrittene Entscheidung auf Kritik.

Der sonst so angriffslustige Uli Hoeneß erteilte sich selbst Redeverbot, Kapitän Manuel Neuer warb um einen Diplomatenpass, doch die junge Generation sprach Tacheles. Bundestrainer Joachim Löw erfährt nach der Ausbootung des Weltmeister-Trios Jerome Boateng, Mats Hummels und Thomas Müller starken Gegenwind aus "seiner" Nationalmannschaft, die Youngster Joshua Kimmich und Leon Goretzka äußerten sich kritisch.

"Nicht okay"

"Aus Spielersicht muss ich sagen: Die Art und Weise war nicht okay", sagte Nationalspieler Joshua Kimmich, Wortführer der jungen Wilden in der DFB-Elf, am Samstag nach dem 6:0 (2:0) mit Bayern München gegen den VfL Wolfsburg. Auch Teamkollege Leon Goretzka meinte: "Man kann mit Sicherheit über die Art und Weise streiten." Hoeneß dagegen sagte, er wolle sich zum Thema erst nach dem Achtelfinal-Rückspiel in der Champions League gegen den FC Liverpool am Mittwoch äußern.

Ein Trainer ist dazu da, Entscheidungen zu treffen

DFB-Kapitän Neuer berichtete, dass ihn Löw zuvor nicht über seinen Schritt informiert habe, "aber danach haben wir telefoniert". Über den Inhalt des Gesprächs machte der überaus zurückhaltende Bayern-Spielführer keine Angaben, sagte aber, auch er sei überrascht gewesen von der Entscheidung des Bundestrainers: "In der Woche hat nicht unbedingt jemand damit gerechnet, dass es passiert, dementsprechend waren die Spieler enttäuscht, das kann ich verstehen."

Aber andererseits, ergänzte Neuer, "ist ein Trainer dazu da, Entscheidungen zu treffen. Das muss man so hinnehmen. Der Trainer ist dafür verantwortlich, welche Spieler zur Nationalmannschaft berufen werden".

Auch Kimmich war "überrascht" - und alles andere als begeistert: "Ich kenne die Nationalmannschaft aus meiner Jugend nur mit den drei, sie haben das Team die letzten zehn Jahre geprägt, uns zum Weltmeister gemacht. Ich verstehe absolut, dass die Jungs enttäuscht sind, gerade wenn man sieht, wie alt sie sind. Keiner von ihnen ist zu alt, um Nationalmannschaft zu spielen. Sie hätten einen anderen Abgang verdient gehabt."

Unheimliche Dankbarkeit

Goretzka ergänzte: "Ich verspüre als Deutscher, nicht nur als Fußballer, unheimliche Dankbarkeit den drei gegenüber. Sie haben uns unheimlich schöne Stunden beschert. Wenn ich an den WM-Titel denke, bekomme ich heute noch Gänsehaut. Das sind drei große Persönlichkeiten, es entsteht eine Lücke, die gestopft werden möchte."

Goretzka ist wie Kimmich ein Kandidat für die mit dem Auftakt des Länderspieljahres am 20. März in Wolfsburg gegen Serbien neu zu vergebenen Anführer-Rollen. "Ich denke, dass jeder Einzelne, der dabei ist, mehr Verantwortung übernehmen muss", meinte Kimmich.

"Gute, richtige Antwort"

Das taten Boateng, Hummels und Müller selbst am Samstag - im Bayern-Trikot. Sportdirektor Hasan Salihamidzic meinte, das Trio habe gegen Wolfsburg "eine gute, richtige Antwort" auf die Ausbootung durch Löw am vergangenen Dienstag gegeben: "Das sind Profis, die damit umgehen können, aber denen das schon weh tut, klar. Wir haben mehrere Gespräche geführt, das sind gute Jungs, wir wissen, was sie können und das haben sie heute eindrucksvoll gezeigt."

Trainer Niko Kovac hatte alle drei in seine Startelf berufen - auch, weil Müller am Mittwoch gegen Liverpool gesperrt ist. "Mit der Leistung der drei war ich sehr zufrieden", sagte Kovac, "aber das hat nichts mit der Ausbootung zu tun. Das sind Profis, die wissen, was sie können - und sie haben das im Kollektiv mit den anderen acht Spielern sehr, sehr gut gemacht."

(be/afp)

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