Michael Bonvalot

Krawallnächte nun auch in Wien

26.6.2020 17:30 Uhr

Nun hat auch Wien, die Hauptstadt von Österreich, nach Stuttgart, eigene "Nächte der Schande". Es kam in Wien im Stadtteil Favoriten zu Auseinandersetzungen zwischen rechtsgerichteten Personen mit türkischem Migrationshintergrund und kurdischen sowie linksgerichteten Gruppen, die der Wiener Antifa zugeordnet wurden. Die Polizei beklagt verletzte Beamtinnen und Beamten sowie Sachbeschädigungen, wie die Landespolizeidirektion (LPD) Wien in einer Presseaussendung mitteilt.

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Die Landespolizeidirektion Wien meldet in ihrer Presseaussendung, dass es am Mittwoch zuerst während einer kurdischen Versammlung zu Störaktionen türkischer Passanten gekommen sei. Polizeikräfte hätten dafür gesorgt, dass die Gruppen nicht aufeinandertreffen. Einige der Personen aus der türkischen Gruppierung wurden von den zuständigen Behörden angezeigt und müssen sich möglicherweise vor Gericht verantworten oder Bußgelder wegen Verwaltungsvergehen bezahlen. Bei den Vergehen handelte es sich um Anstandsverletzung, aggressives Verhalten, und das Symbole-Gesetz, hier das Zeigen des in Österreich verbotenen Grußes der Grauen Wölfe.

Am Mittwoch gelang die Trennung der Gruppen

Am Mittwochnachmittag lösten sich die Spannungsfelder zunächst auf, um jedoch am Abend erneut in einer aufgeheizten und aggressiven Stimmung aufzuwallen. Gegen 19.30 Uhr am Mittwochabend trafen beide Gruppierungen erneut am Wiedplatz in Wien aufeinander. Die kurdischen Demonstranten seien daraufhin in ein Lokal geflüchtet, vor dem sich etliche dutzend türkischstämmige Personen sammelten. Die Polizei intervenierte laut Landespolizeidirektion Wien erneut und hielt die Gruppierungen auf Abstand. Auch hier mussten, wie bereits am Nachmittag, im Rahmen der Möglichkeiten Vergehen gegen die Symbol-Gesetze (Wolfsgruß) geahndet werden. Zu einer Festnahme kam es auf beiden Seiten: Jemand aus der türkischstämmigen Gruppe versuchte, gewaltsam Eintritt in das Vereinslokal zu verschaffen und eine Person aus der kurdischen Gruppe wurde ebenfalls festgenommen, nachdem von ihr im Zuge einer Schlägerei mit einem Messer gedroht wurde.

Die rechtsgerichtete Migranten-Gruppe wuchs laut Landespolizeidirektion Wien weiter an – es ist die Rede von "mehreren hundert Personen mit aggressiver Grundhaltung" – und es musste Verstärkung aus ganz Wien angefordert werden, die eine Vollsperrung des Bezirks durchsetzten. So konnte man beide Gruppen trennen und die aggressive Stimmung deeskalieren, woraufhin der Polizeieinsatz gegen Mitternacht beendet wurde. Die Landespolizei betonte gegenüber Hürriyet.de, dass es keine Massenschlägereien gegeben habe und die Polizei jederzeit "Herr der Lage gewesen wäre".

Eskalation der Gewalt am Donnerstag

Am Donnerstag spielten sich dann ähnliche Szenen in Wien ab. Die Polizei Wien meldet, dass es zu erneuten Auseinandersetzungen, Attacken und Störaktionen im Zuge einer Versammlung am Viktor-Adler-Markt gekommen sei. Unmittelbar nach einer genehmigten Kundgebung sei es zwischen rund 300 kurdischen Demonstrierenden und türkischen Gruppierungen zu Stein- und Flaschenwürfen sowie zu Würfen mit pyrotechnischen Gegenständen gekommen. Dadurch, dass die Polizei – basierend auf den Erkenntnissen des Mittwochabends – mit massiven Kräften Präsenz zeigte, konnte das direkte Aufeinandertreffen vorerst verhindert werden. Die Landespolizeidirektion berichtet allerdings, dass es bis zum Demoende gegen 19.30 Uhr MESZ zu wiederholten Gegenstandswürfen und Provokationen auf den Demonstrationszug kam. Abschließend wurden nach Polizeibericht die kurdischen Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Demo von den Polizeikräften noch zu den U-Bahnen geleitet und entfernten sich größtenteils vom Viktor-Adler-Markt.

Im Nachgang entwickelten sich im Stadtteil Wien-Favoriten jedoch immer wieder neue Konfliktherde. Es wird von den Behörden berichtet, dass sich vorwiegend junge, männliche türkische Jugendliche zusammenrotteten und dabei massiv Polizeikräfte mit pyrotechnischen Gegenständen, Pflastersteinen und Eisenstangen attackiert wurden. Zudem kam es laut Polizeibericht zu zahlreichen Sachbeschädigungen. Dazu gehörte nach offiziellen Angaben das Ernst-Kirchweger-Haus in der Wielandgasse, in dem sich ein kurdisches Vereinslokal befindet. Am Donnerstagabend gelang es der Polizei trotz hoher Personalstärke nicht sofort deeskalierend zu wirken und es kam zu drei Festnahmen. Ferner wurden zwölf Strafanzeigen gefertigt und 22 Verwaltungsanzeigen (verbotene Symbolik überwiegend).

Landespolizeidirektion Wien: "Gewaltsame Konflikte haben auf Österreichs Straßen nichts verloren"

Die Lage wurde später durch eintreffende Aktivistinnen und Aktivisten aus dem linken Lager ergänzt, die sich laut Polizei über die Social Media organisierten. In Blockformation zog die Wiener Antifa dann in Richtung Hauptbahnhof. Hier gelang es den Behörden, die Gruppen getrennt zu halten.

Die Bilanz an Verletzten der Polizei liest sich ernüchternd: Ein Beamter erlitt einen Handbruch und einen Bänderriss, ein weiterer Polizist wies Hämatome auf und wurde ärztlich behandelt. Auch ein Polizeihund wurde am Kopf verletzt, nachdem man das Tier mit einer Waschbetonplatte beworfen hatte. Die Polizei Wien rechnet damit, dass es auch in den kommenden Tagen zu Krawallen kommen wird, denn es seien weitere Kundgebung und Demonstrationen angemeldet worden. Dazu meldet die Landespolizeidirektion Wien: "Gewaltsame Konflikte haben auf Österreichs Straßen nichts verloren. Die Wiener Polizei wird mit mehreren hundert Beamten aktiv, entschieden und konsequent gegen Störaktionen und Provokationen von extremistischen Gruppen vorgehen und einschreiten. Der Schutz der Versammlungsfreiheit, der Schutz der Bürgerinnen und Bürger sowie der Einsatzkräfte genießen oberste Priorität."

(ce)

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