DHA

Kommenden 15 Tage entscheidend für Coronavirus-Bekämpfung in der Türkei

21.4.2020 15:52 Uhr

Während sich einige Länder darauf vorbereiten, die Beschränkungen zu lockern, die eingeführt wurden, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, suchen die Menschen in der Türkei nach einer Antwort auf die Frage, wann sich das Leben am Bosporus wieder normalisieren könnte. Der Peak, darüber ist man sich einig, wurde in Anatolien noch nicht erreicht.

Mitglieder des Wissenschaftsrates der Türkei betonen, dass die Fallzahlen wahrscheinlich noch nicht ihren Höhepunkt erreicht haben und die nächsten 15 Tage im Kampf gegen den Ausbruch von entscheidender Bedeutung sein werden. Die Anzahl der bestätigten Fälle und Sterblichkeitsraten sei in der Türkei im Vergleich zu anderen Ländern relativ gesehen moderat ausgefallen. Das könne sich als Vorteil erweisen, sagte Professor Tevfik Özlü vom Vorstand des Wissenschaftsrates und fügte hinzu: "Wir befinden uns jedoch in einem sehr fragilen Moment. Wir haben die Pandemie noch nicht unter Kontrolle gebracht. “

Peak in der Türkei in circa zwei bis drei Wochen wahrscheinlich

Er stellte fest, dass die Virusfälle immer noch zunehmen. "Wir können nicht sagen, dass wir den Gipfel der Infektionen gesehen haben. Wir brauchen noch mindestens 15 Tage, um Schlussfolgerungen zu ziehen", sagte Özlü gegenüber Hürriyet. "Wenn der Rückgang der Fälle eine gewisse Konsistenz zeigt, können wir über das Plateau des Ausbruchs sprechen." Er mahnte jedoch dahingehend, dass die Beschränkungen auch nach dem Höhepunkt bestehen bleiben sollten. Özlü merkte an, dass einige europäische Länder, wie Deutschland und Norwegen, bereits eineinhalb Monate (46 Tage) vor der Türkei Sperren verhängt hätten und die Fälle dort möglicherweise ein Plateau erreicht hätten. Die Türkei befände sich aber erst in der fünften Woche im Kampf gegen das Coronavirus.

"Es wird erwartet, dass der Höhepunkt innerhalb von circa zwei Wochen erreicht wird. Dies ist keine definitive Frist, sondern eine Schätzung und Hochrechnung. Alles hängt davon ab, wie sich die Öffentlichkeit verhält. Wir müssen die Regeln strikt einhalten", fügte Özlü hinzu. Professor Serap Simsek vom Wissenschaftsrat stimmt zu, dass die Anzahl der bestätigten Virusfälle zwar leicht zurückgehen würde und dass dies nicht unbedingt bedeutet, dass der Ausbruch ein Plateau erreicht hat. Sie teilt auch die Ansicht, dass die nächsten zwei bis drei Wochen einen Wendepunkt im Kampf gegen Covid-19 sein werden, um die Verbreitung des Cornavirus unter Kontrolle zu bringen. "Jede Art von Selbstzufriedenheit auf der öffentlichen Seite wird die Ankunft des Infektions-Gipfels verzögern und seine Folgen könnten schwerwiegend sein. Risiken bleiben bestehen." Simsek bekräftigt die Bedeutung sozialer Distanzierung und Selbstisolation. Laut Simsek wird die Entscheidung der Regierung, diese Woche eine viertägige Ausgangssperre zu verhängen, definitiv bei diesen Bemühungen helfen. Je weniger Kontakt zwischen Menschen bestünde, desto früher käme der Höhepunkt, bemerkte sie.

Zwischen 100.000 und 150.000 Infektionsfälle bis Anfang Mai in der Türkei

Professor Recep Öztürk, ein weiterer Wissenschaftler aus dem Wissenschaftsrat, sagte, dass sich die Türkei dem Höhepunkt nähert, aber der Zeitpunkt davon abhänge, wie streng die Menschen die Regeln beachten, um die Ausbreitung des Coronavirus zu stoppen. "Wenn der aktuelle Prozess fortgesetzt wird, können wir diesen Punkt innerhalb von 15 bis 20 Tagen erreichen. Ich unterstreiche dies nachdrücklich: Ich sage dies anhand der aktuellen Daten", fügte Öztürk hinzu. Er warnte, dass die Pandemie nicht verschwinden werde, nachdem der Höhepunkt in der Türkei erreicht worden sei. "Wir werden nur dann tief aufatmen, wenn ein Impfstoff entwickelt wird und die Pandemie weltweit nicht mehr besteht."

Eine Studie der türkischen Stiftung für wirtschaftspolitische Forschung sagt voraus, dass der Ausbruch am 3. Mai mit etwas mehr als 100.000 Fällen seinen Höhepunkt erreichen könnte. Wobei die Aussage "etwas mehr als 100.000 Infektionsfälle" eher sehr relativ sein wird, da man aktuell bei rund 91.000 Infizierten steht. Rein rechnerisch und bei gleichbleibenden Infektionszahlen der letzten zehn Tage wäre die Türkei bis in 13 Tagen bei rund 146.000 Infizierten. Zu diesem Zeitpunkt könnte die Anzahl der Patienten, die auf Intensivstationen behandelt werden müssen, 3.600 betragen. Die Studie legt nahe, dass die Beschränkungen nach diesem Zeitpunkt schrittweise gelockert werden könnten und der Normalisierungsprozess Mitte Juni beginnen könnte.

(ce)

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