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Kolumbien: Kritik wegen steigender Zahl von Morden an Menschenrechtlern

4.12.2018 19:00 Uhr

Zwischen Januar 2016 und Juni 2018 kam es zu 311 Morden an Menschenrechtsaktivisten in Kolumbien. Nun steht die Regierung in der internationalen Kritik.

Michel Forst, UN-Sonderberichterstatter für die Lage von Menschenrechtlern, forderte die Regierung in Bogotá am Montag zum Handeln auf. Sie müsse für den Schutz der Aktivisten sorgen. Für die Morde seien bewaffnete Gruppen verantwortlich, die sich nach dem Friedensabkommen mit der Farc-Guerilla ausgebreitet hätten, sagte Forst der Nachrichtenagentur AFP.

Bewaffnete Banden füllen Farc-"Lücke"

Infolge des Friedensabkommens mit den Farc vom Jahr 2016 hätten Drogenhändler, politisch Abtrünnige, kriminelle Banden und Paramilitärs teilweise die Lücke gefüllt, welche die Farc hinterlassen habe. Diese Gruppen seien die größte Gefahr für Menschenrechtsaktivisten.Übergriffe werden laut Forst aber auch von Mitgliedern der Sicherheitskräfte oder durch Unbekannte verübt. Diese würden sich durch den Umstand ermutigt fühlen, dass relativ viele Täter straffrei davonkämen. Auch Menschen mit afrikanischen Wurzeln und Nachfahren der Ureinwohner seien in Kolumbien Angriffen meist schutzlos ausgeliefert. Nach Regierungsangaben wurden zwischen Januar 2016 und Ende Juni dieses Jahres 311 Menschenrechtler getötet. Kolumbiens rechtsgerichteter Präsident Iván Duque betonte am Montagabend (Ortszeit) bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Forst die Bedeutung einer "Reaktion des Staats" auf die Entwicklung. Er kündigte Maßnahmen an, um die Morde künftig zu verhindern.

(be/afp)