dpa

Koalition einig: Ärzte dürfen über Abtreibungen informieren

29.1.2019 7:24 Uhr

Nach zähem Ringen hat sich die Bundesregierung endgültig auf eine Reform des sogenannten Werbeverbots für Schwangerschaftsabbrüche geeinigt.

Der Paragraf 219a wird um einen Ausnahmetatbestand ergänzt, demzufolge Ärzte und Krankenhäuser künftig darüber informieren dürfen, dass sie Abtreibungen vornehmen, heißt es in dem Gesetzentwurf. Auf ihn hatten sich zuvor die zuständigen Bundesminister geeinigt.

Nahles: "Endlich Informationen für die Frauen"

Bereits im Dezember vergangenen Jahres war eine Einigung in diesem Sinne erzielt worden. Allerdings stand die genaue Formulierung des neuen Paragrafen 219a noch aus. Die Neuregelung geht nun in die Ressortabstimmung und soll am 6. Februar im Bundeskabinett beraten werden. Dann muss die Reform noch vom Bundestag beschlossen werden.

SPD-Partei- und Fraktionschefin Andrea Nahles begrüßte die Einigung. "Der Gesetzentwurf ist da", schrieb sie im Kurzbotschaftendienst Twitter. "Frauen bekommen endlich die Informationen, die sie brauchen. Wir schaffen Rechtssicherheit für Ärzte und verbessern die Fortbildungen, um Lücken in der Versorgung zu schließen."

An den Beratungen waren neben Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) die Ressortchefs für Gesundheit und Inneres, Jens Spahn (CDU) und Horst Seehofer (CSU) beteiligt. In der Koalition ist das Thema seit Monaten heftig umstritten. Die SPD habe "mit der Union hart gerungen", schrieb Nahles auf Twitter. In der SPD gibt es Forderungen, den Paragrafen abzuschaffen, wie es Frauenrechtlerinnen sowie Grüne und Linke fordern.

Zentral geführte Liste von Ärzten

Ärzte sollen dem Gesetzentwurf zufolge weitere Informationen über einen Schwangerschaftsabbruch durch Hinweise - insbesondere durch Verlinkung in ihrem Internetauftritt - auf entsprechende Informationsangebote neutraler Stellen zugänglich machen dürfen. Außerdem soll durch eine Änderung im Schwangerschaftskonfliktgesetz sichergestellt werden, dass es zukünftig eine von der Bundesärztekammer zentral geführte Liste mit Ärzten gibt, die Schwangerschaftsabbrüche vornehmen.

Damit Frauen einen leichten Zugang zu der Liste erhalten, soll sie auch der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und dem Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben zur Verfügung gestellt werden. Dort gibt es das Hilfetelefon "Schwangere in Not".

Altersgrenze wird angehoben

In der Liste soll auch über die verschiedenen Methoden informiert werden, die die jeweiligen Ärzte anbieten. Im Sozialgesetzbuch sollen zudem die Leistungen für junge Frauen verbessert werden. Die Altersgrenze für Frauen, die Anspruch auf eine kostenlose Versorgung mit Verhütungsmitteln haben, wird demnach von 20 auf 22 Jahre angehoben. Ergänzend soll die Qualifizierung von Ärzten zu Methoden des Schwangerschaftsabbruchs fortentwickelt und ausgeweitet werden.

(bl/afp)

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