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Klimawandel reduziert Fischbestände

13.9.2019 15:07 Uhr

Mit dem Ende des Fischverbots warfen die Fischer erstmals in dieser Saison wieder ihre Netze aus - allerdings kehrten sie mit enttäuschenden Fängen wieder in die Häfen zurück. Der Temperaturanstieg der Meere und Veränderungen des Ökosystems beeinflussen die Vielfalt der Fische negativ.

In diesem Jahr dominierten Sardellen und Sardinen, Blaubarsche und Bonitos hingegen fehlten nach Angaben der Spezialisten.

Fischersaison am 1. September eröffnet

Am 1. September endete das seit dem 15. April andauernde Fischverbot, woraufhin die Fischer wieder in See stachen. Doch die Fänge seien verglichen mit dem letzten Jahr enttäuschend. Das wirke sich auch auf die Preise aus, wie manch froher Fischkäufer bemerkte – doch angesichts der geringen Ausbeute seien diese angemessen. Es wird erwartet, dass die Preise mit dem Fortlaufen der Saison noch etwas, allerdings nicht großartig sinken werden.

Ein Fischverkäufer in Istanbul (Bild: dha)

Störungen im Ökosystem

Innerhalb von 18 Jahren sei ein Rückgang von 200.000 Tonnen zu verzeichnen, so Prof. Dr. Saadet Karakulak von der Fakultät für Meereswissenschaften an der Istanbuler Universität. Das sei vor allem auf die Störung des Ökosystems zurückzuführen, deshalb würden in diesem Jahr Sardellen und Sardinen dominieren, Blaubarsche und Bonitos hingegen würden fehlen.

Temperaturanstieg schädlich für Fische

Prof. Dr. Karakulak gibt an, dass das Schwarze Meer für die Fischerei das wichtigste und ertragreichste sei. Etwa 70 Prozent der Fänge erfolgen aus dem Schwarzen Meer. Leider sei in den letzten Jahren ein ernsthafter Rückgang der Fischbestände zu verzeichnen. "Es gibt viele Gründe dafür. Zum einen die Überfischung, illegales Fischen und nichtregistriertes Fischen. Wobei Überfischen und der Klimawandel die Hauptrollen spielen. Höhere Temperaturen führen zu Veränderungen der Ströme, das wiederum hat Einfluss auf die Fortpflanzung und auch ihre Routen. Das ist alles schädlich", erklärt die Meeresforscherin.

Eindringlinge haben die Fischbestände reduziert

Zum anderen seien auch Eindringlinge - gemeint sind Fischarten, die normalerweise nicht in diesen Gewässern unterwegs sind - ausschlaggebend für die Minderung der Fischvielfalt. Prof. Karakulak erläutert: "Sie konkurrieren mit unseren Fischarten. Sie kommen im Kielwasser der Schiffe und vermehren sich stark, das beeinträchtigt die Population der heimischen Fische."

In den 1990ern habe eine ähnliche Situation vorgeherrscht, allerdings seien es damals fremde Fischarten aus dem Schwarzen Meer gewesen, die insbesondere den Nachwuchs der Sardellen vernichteten. Heute seien es aufgrund der Meereserwärmung Fischschwärme aus dem Roten Meer, welche die Gefahr mit sich bringen. Auch die Anzahl der Ballonfische sei enorm gestiegen, wodurch die Arbeit der Fischer erschwert wird und auch Mittelmeerfische gefährdet werden.

200.000 Tonnen weniger Fang

Ursprünglich betrage die jährliche Ausbeute etwa 500.000 – 600.000 Tonnen Fisch, allerdings habe es einen Wandel gegeben: "Seit den vergangenen 18 Jahren sinkt die Menge der Fischfänge stetig. Von 500.000 Tonnen sind wir mittlerweile bei 314.000 Tonnen." Das sei ein Negativ-Trend der Branche, bedauert die Professorin.

Viele Sardellen und Sardinen, keine Blaubarsche und Bonitos

Die Meeresforscherin Karakulak erläutert die ungleichen Zahlen: „Kleine Fischarten, können sich schnell vermehren. Sie regulieren das selbst, daher sind sie nicht tangiert. Große Fische hingegen haben Anpassungsschwierigkeiten, sie sind am stärksten von Veränderungen des Ökosystems betroffen. Auf den Märkten findet man kaum Blaubarsche und Bonitos.“

20 Lira in der Markthalle, 30 Lira im Handel

Die Händler warten noch in den späten Stunden der Nacht auf die einkehrenden Fischfänge in der Markthalle Gülpinar, auch sie blicken den Fängen sorgenvoll entgegen. "Wir hoffen darauf, dass es ab Mitte September besser wird. Wenn die Tage kühler werden, hilft das auch den Fischen. Letztes Jahr waren die Sardellen sehr schmächtig, jetzt sind sie kräftig. Die Preise sind in Ordnung, in der Markthalle bekommt man sie für 20 Lira das Kilo (ca. 3,20 Euro), auf dem Markt verkaufen sie ihn für 25-30 Lira (4 – 4,70 Euro). Trotzdem machen sie Verluste", erzählt ein betroffener Händler.

Mit der Zeit wird die Fischzahl steigen

Der Fischer Kenan Balci freut sich über den Beginn der Saison, die Sehnsucht der Verbraucher habe nun ein Ende, jedoch sei die Nachfrage höher als das Angebot.

Man dürfe sich nicht entmutigen lassen, auch wenn die Fischfänge geringer ausfielen. Balci empfiehlt, teuren Fisch zu meiden. Günstig wäre der Fisch, der häufiger vorkomme.

Man solle das nehmen, was angeboten wird. Die Preise könnten innerhalb kurzer Zeit stark schwanken. Seiner Meinung nach gebe es nicht weniger Fische. Er ist überzeugt, jeder Fisch habe seine Saison, mit der Zeit werde die Anzahl steigen.

Keine Fische im Bosporus

Auch die Angler, die traditionell an der Galatabrücke fischen, sind in diesem Jahr geknickt, weil sie immer wieder mit leeren Eimern nach Hause gehen. Im Bosporus seien keine Fische, beklagen sie. Aber auch hier könnten die kühleren Tage ein wenig Abhilfe schaffen.

Nichts zu holen für die Fischer an der Galatabrücke (Bild: dha)
(be)

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