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Klassische Banken vs. Online-Zahlungsanbieter

31.5.2019 17:43 Uhr

Viele Verbraucher haben heute nicht nur ein Bankkonto, sondern auch einen Account für ePayment Dienstleister. Dahinter verbergen sich Bezahldienste, welche online Transaktionen abwickeln. Und inzwischen versuchen diverse Unternehmen auch in jenen Bereichen Fuß zu fassen, die bisher klar den Banken gehörten.

Der Kauf auf Rechnung ist nur ein Beispiel. Wagt ein Wallet den Schritt Richtung Banklizenz, kann es auch Kredit und Finanzierungen anbieten – was Kreditinstituten Konkurrenz macht. Eine Entwicklung, die langsam Fahrt aufnimmt. Doch welche Vorteile haben diese E-Wallets? Werden die Online-Zahlungsanbieter die klassischen Banken verdrängen?

Online-Zahlungen per Wallet werden heute immer beliebter – doch können Zahlungsanbieter aus dem Netz die klassischen Banken verdrängen? Quelle: @ Nattakorn – #250592891 / Fotolia.com

Wo liegen die Unterschiede?

Im Internet geht es schon lange nicht mehr darum, nur miteinander zu chatten oder Bilder und Nachrichten auszutauschen. Das Netz ist zu einem riesigen Marktplatz geworden. Wer Waren oder Dienstleistungen bestellt, muss diese natürlich auch bezahlen. Im Versandhandel gab es anfangs kaum Möglichkeiten, welche den neuen Herausforderungen gewachsen waren.

Kauf auf Rechnung bedeutete für den Händler ein Risiko. Und Verbraucher liefen Gefahr, in die Schuldenfalle zu tappen. Laut aktuellem Creditreform Schuldenatlas sind circa 10 Prozent der Erwachsenen ab 18 davon betroffen. Und die Nachnahme bedeutete zusätzlich Kosten. Zuerst in den USA, später weltweit, haben sich verschiedene Online-Bezahldienste entwickelt.

ePayment: Anfangs reine Techfirmen

Zu den Vorreitern der Online-Bezahldienste gehört das noch heute von vielen Usern benutzte PayPal. Ursprünglich sollte es Transaktionen im Rahmen einer Sicherheitssoftware abwickeln. In den 2000er Jahren veränderte sich das Profil des Unternehmens. Zahlungsverkehr wurde immer wichtiger. Mit der Übernahme durch eBay und dem Ausbau als Payment Service für die Plattform begann PayPal immer weiter zu wachsen.

Das Unternehmen entwickelte sich zunehmend weg vom Techsektor und hin zu einem vollwertigen Bezahldienst. Diese Entwicklung gipfelte letztlich darin, dass PayPal eine offizielle Banklizenz erhielt. Der Weg, hier komprimiert in wenigen Zeilen dargestellt, erstreckte sich über Jahrzehnte. Zeigt aber auch, wo die Wurzeln vieler heute bekannter Bezahldienste liegen: im FinTech-Bereich. Die Unternehmen sind ursprünglich als technische Dienstleister entstanden und werden anschließend zum ePayment-Service.

Beispiele hierfür sind:

  • Neteller
  • Skrill
  • PayPal
  • Trustly.

Deren Wesen liegt darin, dass Nutzer zwischen Konten Geld hin und her schicken können. Anders als eine Banküberweisung, die heute (zwar gegen Aufpreis) auch schon in Echtzeit abgewickelt werden kann – normalerweise aber 24 Stunden dauert – sind die Wallets viel schneller.

Ein Mausklick genügt und schon kann die Zahlung beim Empfänger gutgeschrieben werden. Diese Einfachheit hat einen Nachteil – oder besser ein Nadelöhr: In den Anfangsjahren war es nur möglich, vorher eingezahlte Guthaben zu verwalten. Inzwischen lassen sich aber bei verschiedenen Unternehmen Bankkonten und Kreditkarten mit dem Account verknüpfen. Auf den ersten Blick – so wirkt es für Laien – gibt es zwischen den Bezahldiensten und Banken keine Unterschiede mehr.

Filialberatung, Bankkonto und Kreditvergabe

Was Bezahldienste und Banken unterscheidet, ist das Filialgeschäft. Ein ePayment-Service ist vielleicht per Hotline oder Live Chat zu erreichen. In die Filiale gehen und sich am Schalter zu einem Produkt beraten lassen: (noch) undenkbar. Auf der anderen Seite ist das Produktportfolio der Banken immer noch wesentlich umfangreicher. Zu den Kernprodukten gehören:

  • Girokonto
  • Kreditvergabe
  • Depotführung.

Darüber hinaus kann eine Bank das Anlagegeschäft stemmen und bietet sehr oft auch Versicherungsprodukte an. Online Bezahldienste wickeln im Wesentlichen nur einen Geschäftsbereich ab: Zahlungen im Internet.

Wohin sich ein ePayment Service entwickeln kann, lässt sich an PayPal abschätzen. Heute bietet das Unternehmen nicht nur die Abwicklung der Transaktionen an. Auch Kauf auf Rechnung oder Finanzierungslösungen gehören zum Angebot. Aber: Solche Leistungen sind nur dann zu stemmen, wenn sich die Unternehmen den regulatorischen Rahmenbedingungen unterwerfen, was wiederum einen finanziellen Aufwand bedeutet.

Gerade die Kreditvergabe ist eine Hürde, die kleinere Bezahldienste sicher vorerst nicht überwinden werden. Sobald ein ePayment Service in dieses Geschäft vordringen will, muss er schließlich alle dafür erforderlichen Regelungen erfüllen. Dazu gehört auch die nötige Eigenkapitalquote.

Ist Mobile Payment die Zukunft?

Online Bezahldienste haben für frischen Wind gesorgt, stehen inzwischen aber selbst unter einem gewissen Druck. Hintergrund: Seit einigen Jahren operieren junge FinTechs im Bereich des Mobile Payment. Und setzen hier auf eine große Zielgruppe. Laut einer BITKOM Studie ist der Smartphone-Markt mit 57 Millionen Geräten allein Deutschland riesig. Der Vorteil: Ein Handy hat heute jeder dabei. Und dank der meist eingebauten NFC-Technologie kann das Handy die Einfachheit der Zahlungen im Internet und das Bezahlen am POS (Point of Sale) miteinander verbinden.

Wo kann man durch Online-Zahlungsanbieter überall bezahlen?

Mittlerweile sind ePayment Dienstleister in vielen Bereichen zu finden. Besonders wichtig ist für die Branche natürlich das Thema Versandhandel. Mit wenigen Klicks sind die Artikel im Warenkorb bezahlt und das auch ohne, dass der Händler etwas von der Kreditkarte oder dem Bankkonto erfahren hat. Diese Stärke der Bezahldienste – eine Maskierung der persönlichen Zahlungsmittel – wollen Nutzer inzwischen auch in die reale Welt mitnehmen. Geht das?

Bleiben wir noch etwas bei den Zahlungen im Internet. Warenkörbe bezahlen ist eine Sache. ePayment funktioniert aber auch im iGaming-Sektor. Die bequeme Nutzung und Schnelligkeit gehört zu den Gründen, warum Buchmacher und Online Casinos E-Wallets in ihre Bezahlmöglichkeiten einbauen. Der Kunde kann einen bestimmten Betrag einzahlen, dem dieser binnen Sekunden gutgeschrieben wird.

Gleichzeitig werden die Bezahldienste auch für Mikrotransaktionen benutzt. Letztere sind beispielsweise im Computerspielsektor Dauerbrenner. Einmal hinterlegt, kann der Spieler immer wieder kleine Beträge für neue Items und Crafts abbuchen lassen. Aber auch in den App-Stores ist es inzwischen üblich, mit hinterlegten Wallets zu bezahlen.

ePayment auch offline

Lange unterschätzt wurden Online Bezahldienste und deren Rolle für Offlinezahlungen. Mit den Möglichkeiten, NFC-Technik in eine App einzubinden oder in Kartenformat zu pressen, hat sich diese Situation verändert. Inzwischen nutzt ein Teil der Anbieter den kombinierten Einsatz des E-Wallets mit einer an die Kreditkarte erinnernden Plastikkarte.

Guthaben wird auf den Account aufgeladen. An der Kasse hält der Nutzer die Karte einfach an den Scanner und der Betrag wird über das Wallet abgerechnet. Auf diese Weise kann die Grenze zwischen ePayment und klassischen Zahlungsmethoden mehr und mehr verschwimmen. Eine Entwicklung, welche das Bargeld womöglich noch stärker an den Rand drängt.

Wo liegen die besonderen Vorteile?

Online bezahlen – für viele Verbraucher ist so etwas selbstverständlich. Vor 15 Jahren hat ein großer Teil der Bevölkerung sich nicht träumen lassen, online das Portemonnaie zu zücken. Zu den Pluspunkten der Bezahldienste gehören:

  • Schnelligkeit
  • Einfachheit
  • Sicherheit.

Schnelligkeit bedeutet, dass Guthaben innerhalb von Minuten einmal um den Erdball wandern können. Wer Geld verschickt, kann dies auf Knopfdruck in die USA oder nach Australien tun. Auf der anderen Seite sind Wallets heute sehr einfach zu benutzen.

Da die Zahlungsdaten zu Bankkonto oder Kreditkarte immer beim Wallet liegen – und Händler oder Zahlungsempfänger diese Daten nicht erhalten, erhöht sich das Sicherheitsgefühl. Aber: Bei Unachtsamkeit wird dies zum Bumerang, da der Account gekapert werden kann.

Mobile Payment mittels NFC-Technologie breitet sich immer mehr aus. Quelle: @ rh2010 – #267781367 / Fotolia.com

Fazit: E-Wallets sind auf dem Vormarsch

Bis in die frühen 2000er Jahre wusste kaum ein Haushalt, was ein E-Wallet ist. Inzwischen nutzen Millionen Bezahldienste wie PayPal oder Skrill. Und es werden täglich mehr. Zu den Vorteilen, welche die Bezahldienste haben, gehört die simple Einrichtung des Accounts und eine bequeme Nutzung.

Aber: An dieser Stelle darf natürlich nicht vergessen werden, dass damit auch Risiken verbunden sind. Ein zu nachlässiger Umgang kann sehr schnell zum GAU führen. Wer auf Sicherheit achtet, wird ePayment sehr schnell nicht mehr missen wollen. Und durch NFC-Chips drängen die Bezahldienste auch in die klassischen Domänen der Banken vor.

(Hürriyet.de)