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Kippt die Stimmung? Merz auch in Böblingen gefeiert

28.11.2018 9:54 Uhr

Der Wettstreit um den CDU-Parteivorsitz geht in die zweite Halbzeit. Nachdem sich die drei Kandidaten Friedrich Merz, Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn bereits auf vier von acht Regionalkonferenzen vorgestellt haben, fand nun im baden-württembergischen Böblingen die fünfte Veranstaltung statt. Dabei standen vor allem wirtschaftliche Themen auf dem Programm.

Es war einmal mehr der Abend von Friedrich Merz, der auch gleich den ersten Stich gegen seine Konkurrenten setzte. Er warnte die Union vor einer Sozialdemokratisierung: "Wir müssen doch nicht alle Positionen übernehmen, die die Sozialdemokraten richtig finden", sagte er. Tosender Applaus im Saal für den kleinen Seitenhieb auf Merkel, der immer wieder eine Sozialdemokratisierung der CDU vorgeworfen wird.

Merz von seiner Wahl überzeugt

Merz zog dann das nächste Ass aus dem Ärmel, erneuerte seine Forderung nach einer grundlegenden Vereinfachung des Steuersystems, die er früher auf die Formel gebracht hatte, man müsse seine Steuererklärung auf einem Bierdeckel machen können. "Wir sollten auch wieder über eine grundlegende Steuerreform reden in Deutschland. Wir sollten diejenigen belohnen, die fleißig sind." Wieder viel Applaus im Saal.

Überhaupt erntete Merz an diesem Abend wieder einmal die meiste Zustimmung der Delegierten. Kippt jetzt sogar die Stimmung? In den Umfragen liegt Annegret Kramp-Karrenbauer noch vorne. Aber Merz präsentiert sich selbstbewusst wie nie. Der 63-Jährige ist überzeugt, das Rennen um den Parteivorsitz für sich zu entscheiden.

"Ich habe nicht nur die Absicht, sondern auch die feste Überzeugung, dass ich zum CDU-Vorsitzenden gewählt werde", sagte Merz. Und er werde all diejenigen anschreiben, die in den vergangenen Jahren aus der CDU ausgetreten seien - "und sie bitten, wieder einzutreten", sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

AKK: CDU hat versagt

CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer thematisierte in ihrem Vortrag die AfD und sprach von einem "Versagen" ihrer Partei. Sie sagte, die Menschen und auch Mitglieder hätten das Gefühl gehabt, dass die Partei Sorgen und "berechtigte Ängste" nicht genug aufgegriffen habe. "Dann dürfen wir uns auch nicht wundern, wenn sich genau diese Menschen Parteien suchen, von denen sie zumindest den Eindruck haben, dass sie sich darum kümmern."

Ähnlich äußerte sich auch Jens Spahn. Die CDU müsse wieder breitere und kontroversere Debatten führen. Wirtschaftlich gehe es Deutschland so gut wie noch nie, dennoch gebe es viel Unsicherheit - auch darüber, ob die Politik genügend tue, um den Wohlstand zu sichern.

Heute geht es zur fünften Regionalkonferenz nach Düsseldorf - in den mitgliederstärksten CDU-Landesverband Nordrhein-Westfalen, aus dem sowohl Merz wie auch Spahn kommen. Dann folgen nur noch zwei Konferenzen in Bremen am Donnerstag und in Berlin am Freitag. Die Entscheidung über die Nachfolge der nicht wieder kandidierenden Angela Merkel an der Spitze der CDU fällt auf dem Bundesparteitag am 7. Dezember in Hamburg.

(bl/dpa)