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Khashoggi-Söhne verzeihen Mördern

22.5.2020 11:34 Uhr

Rund anderthalb Jahre nach der Ermordung des saudiarabischen Journalisten Jamal Khashoggi haben dessen Söhne erklärt, dass sie den Mördern "verzeihen" - und damit die Abwendung von deren Hinrichtung ermöglicht.

Anlässlich des islamischen Fastenmonats Ramadan schrieb Kashoggis Sohn Salah auf Twitter: "In dieser heiligen Nacht dieses gesegneten Monats (...) verkünden wir, die Söhne des Märtyrers Jamal Kashoggi, dass wir denjenigen, die unseren Vater getötet haben, vergeben und verzeihen".

Experten einig: Mörder entgehen Hinrichtung

Die Stellungnahme der Söhne habe zur Folge, "dass die Mörder der Todesstrafe entgehen werden", erklärte der saudiarabische Autor und Analyst Ali Schihabi, der der Regierung in Riad nahesteht, auf Twitter. Schließlich sei es nach islamischem Recht das Vorrecht der Opferangehörigen, den Tätern zu verzeihen. "Die anderen juristischen Verfahren des Staates werden fortgesetzt", fügte Schihabi hinzu.

Auch der Analyst Nabil Nowairah erklärte, die Initiative der Söhne bedeute de facto, dass "die Mörder nicht hingerichtet werden". Die saudiarabischen Behörden äußerten sich zunächst nicht zu den Folgen der Erklärung von Kashoggis Söhnen.

Erdogan: Mohammed bin Salman steckt hinter dem Mord

Khashoggi war im Oktober 2018 im Konsulat Saudi-Arabiens in Istanbul von einem entsandten Kommando aus 15 saudiarabischen Agenten ermordet worden. Seine Leiche wurde zerstückelt und bis heute nicht gefunden. Khashoggi, der in den USA lebte, war ein harter Kritiker des Kronprinzen Mohammed bin Salman, der quasi als Herrscher in den erzkonservativen Königreich gilt.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan ist überzeugt, dass der Mord von höchster saudi-arabischer Stelle angeordnet wurde. Ende März diesen Jahres war in Istanbul eine Anklage gegen 20 Verdächtige eingeleitet worden. Auch der US-Geheimdienst CIA und einige westliche Regierungen sind der Meinung, dass Mohammed hinter dem Mord steckt. Dieser beteuert seine Unschuld.

(bl/afp)

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