Symbolbild: imago/Steffen Schellhorn

Kentler-Experiment: Kinder an Pädophile vermittelt - Neue Aufarbeitung

14.3.2019 18:28 Uhr

Die Berliner Senatsverwaltung will ein dunkles Kapitel zu sexuellem Missbrauch weiter aufarbeiten lassen. Dabei handelt es sich um einen verstörenden Modellversuch des Berliner Sozialpädagogen Helmut Kentler (1928 bis 2008). Von Ende der 1960er Jahre an förderte er gezielt sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen, indem er sie als Pflegekinder an Pädophile vermittelte.

Kentler glaubte, dass sich diese Männer als Pflegeväter besser um ihre Schützlinge kümmern würden als andere Pflegeeltern. Dass sie dafür Sex wollen könnten, war für den Psychologen und Sexualforscher kein Hinderungsgrund. Medienberichten zufolge erhielten die Pädophilen sogar Pflegegeld. Von Seiten der Behörden blieben diese Vorgänge entweder unbemerkt, wurden bewusst ignoriert oder beschönigt und gefördert, wie die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie am Donnerstag mitteilte.

Kentler wurde für seine Experiment nicht strafrechtlich verfolgt

Ein erstes Gutachten zum sogenannten Kentler-Experiment hatte das Göttinger Institut für Demokratieforschung im Auftrag der Senatsverwaltung erstellt und 2016 veröffentlicht. Nun hat die Verwaltung 84.000 Euro für weitere Forschung an der Universität Hildesheim bewilligt. "Das sind wir den Betroffenen schuldig", sagte Senatorin Sandra Scheeres (SPD). Ein Zwischenbericht, für den auch Betroffene gehört werden sollen, soll nach acht Monaten vorliegen. Kentler wurde für sein Experiment später nicht strafrechtlich verfolgt, weil seine Taten verjährt waren.

(gi/dpa)