imago images / Reiner Zensen

Keine Kooperation mehr mit der Ditib in Hessen

28.4.2020 22:01 Uhr

Für das Bundesland Hessen ist der Moscheeverband Ditib zu nah an der türkischen Religionsbehörde Diyanet und damit zu nah am türkischen Staat. Darum sei es nicht umsetzbar, dass der Moscheeverband auch im kommenden Schuljahr für den islamischen Religionsunterricht an hessischen Schulen verantwortlich sei.

Die hessische Landesregierung aus CDU und Bündnis90/Grüne hat sich dazu entschieden, beim Islam-Unterricht an Schulen in Hessen zumindest im kommenden Schuljahr 2020/2021 nicht mehr mit dem Moscheeverband Ditib zu kooperieren. Als Begründung nannte Hessen, der Verband sei zu nah am türkischen Staat beheimatet. Hessen zeigte auf, dass nach Erkenntnissen der Landesregierung der Landesverband dem Bundesverband der Ditib unterstehe und der wiederum von der Religionsbehörde in der Türkei, der Diyanet, kontrolliert würde, die wiederum in direkter Linie zum türkischen Staat steht, wie der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan am Montag noch in einem Interview betonte. Er sagte, als es um den Spitzenkleriker ging, die verbalen Angriffe auf ihn seien ein Angriff auf den Staat.

Zusammenarbeit zwischen Hessen und Ditib ausgesetzt

Der hessische Kultusminister Alexander Lorz, CDU, sprach zu der Religionsthematik am Dienstag in Wiesbaden. Dabei stellte er heraus, dass man sich für die Zukunft entschieden habe, mit der Ahmadiyya im Bereich des Islam-Unterrichts zusammenzuarbeiten und zumindest vorerst die Ditib nicht zu berücksichtigen. Zudem haben man, so Lorz, die Option, das Unterrichtsfach Islamkunde in Eigenregie zu unterrichten. Dazu laufen in Hessen bereits seit geraumer Zeit Modellversuche. Die Lehrer, die bisher mit der Ditib kooperierten und das nun nicht mehr tun werden, sollen weiter fortgebildet werden.

Die Partnerschaft mit dem Bundesland Hessen und der Ditib hatte seit rund zwölf Jahren Bestand. Das sei auch laut Kultusminister Lorz der Grund, warum man dem Moscheeverband nicht die Türen komplett geschlossen habe, sondern die Zusammenarbeit aussetzte. Eine Kündigung sei auch möglich gewesen. Lorz betonte, ausschlaggebend für die hessische Landesregierung aus CDU und Bündnis90/Grüne sei die politische Entwicklung in der Türkei selbst gewesen, die man seit Sommer 2016 habe beobachten können und müssen.

Ditib erwägt den Klageweg

Bereits im Vorfeld hatte die Ditib angekündigt, sollte sich das hessische Kultusministerium gegen eine Fortführung der Kooperation beim Islam-Unterricht entscheiden, würde man als Moscheeverband dagegen Klage einreichen. Die Drohung mit juristischen Schritten bestätigte Kultusminister Alexander Lorz und er räumte ein, dass es das Risiko geben würde, einer Klage gegenüberzustehen. Er hoffe jedoch darauf, dass die Ditib das Tischtuch nicht gänzlich zerschneiden wolle und die Option auf konstruktive Gespräche für die Zukunft offen halte. Lorz betonte, dass die Ditib weiterhin als Kooperationspartner für das Land Hessen eine Option sei, sofern es grundlegende Änderungen in politischer und struktureller Hinsicht geben würde.

Die Ditib selbst reagierte erwartungsgemäß mit scharfer Kritik auf den vorhersehbaren Schritt der hessischen Landesregierung. Dort hieß es seitens der Ditib aus Frankfurt wohl, damit würde das Kultusministerium ein völlig falsches Zeichen setzen und alle Vorwürfe seitens der Landesregierung seien unhaltbar. Zudem führte man aus Frankfurt an, den Kindern, die nun nicht mehr von der Ditib unterrichtet würde, fehle es in der nahen Zukunft an einer Glaubens- und Lebenswirklichkeit, durch die auch die Emotionen leiden würden. Trotzdem versicherte die Ditib, man werde das Gespräch aufnehmen, um den Religionsunterricht in der Form zu erhalten. Dafür sei man bereit, auch reichlich Mühen auf sich zu nehmen.

(ce)

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