imago images / CHROMORANGE

Keine Einbürgerung: Libanesischer Arzt verweigert Frauen das Händeschütteln

17.10.2020 15:48 Uhr

Wer wegen einer fundamentalistischen, salafistischen Wertvorstellung ablehnt, Frauen die Hand zu schütteln, darf nach einem Gerichtsurteil nicht eingebürgert werden. Der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg hat den Einbürgerungsantrag eines libanesischen Staatsangehörigen deshalb bereits in zweiter Instanz abgelehnt. Die Einstellung des Mannes gewährleiste nicht, dass er sich in die deutschen Lebensverhältnisse einordne, teilte das Gericht am Freitag in Mannheim mit. Zuvor hatte der Mann gegen die Ablehnung seines Antrags durch ein Landratsamt erfolglos vor dem Verwaltungsgericht Stuttgart geklagt.

Der Mann lehnt nach Darstellung des Gerichts das Händeschütteln mit jeder Frau ab, weil sie ein anderes Geschlecht hat und damit per se als eine dem Mann drohende Gefahr sexueller Versuchung beziehungsweise unmoralischen Handelns gelte. Der Mann lebt laut Gericht seit 2002 rechtmäßig in Deutschland und ist mittlerweile Oberarzt an einer Klinik. Auch die Anmerkung, der Arzt würde nun auch Männern nicht mehr die Hand schütteln, ging ins Leere und wurde gerichtlich als Vorwand gewertet.

Revision vor dem Bundesverwaltungsgericht ist möglich

Der Mann hatte sich bei der ursprünglich geplanten Übergabe der Einbürgerungsurkunde 2015 geweigert, der zuständigen Sachbearbeiterin die Hand zu schütteln. Er begründete dies damit, seiner Frau - einer Muslima deutscher Nationalität und syrischer Herkunft - versprochen zu haben, keiner anderen Frau die Hand zu geben.

Die mündliche Verhandlung war bereits im Sommer. Das Urteil (Aktenzeichen AZ.: 12 S 629/19) ist den Beteiligten erst jüngst bekanntgegeben worden. Der Verwaltungsgerichtshof hat Revision zugelassen und kann über das Bundesverwaltungsgericht erfolgen.

(ce/dpa)

0 Kommentare

Bitte geben Sie den Aktivierungscode ein, der an Ihre E-Mail-Adresse gesendet wurde.

Sie müssen angemeldet oder registriert sein, um mitzudiskutieren.

Sie müssen angemeldet oder registriert sein, um mitzudiskutieren.