dpa

Kasachstan "wählt" neuen Präsidenten

9.6.2019 10:53 Uhr

Nach der überraschenden Amtsniederlegung des ehemaligen Präsidenten Nursultan Nasarbajew will sich nun sein Nachfolger, Vertrauter und Interimspräsident Kassym-Schomart Tokajew im autoritär regierten Kasachstan in Zentralasien in seinem Amt bestätigen lassen. Landesweit öffneten am Sonntagmorgen die Wahllokale.

Der 66-Jährige hatte im März die Nachfolge von Nursultan Nasarbajew angetreten, der nach fast 30 Jahren an der Macht überraschend sein Amt niedergelegt hatte. Tokajew gilt als Vertrauter Nasarbajews und sein Wahlsieg gleich in der ersten Runde damit als sicher.

Die fast zwölf Millionen Wähler in der ölreichen Steppenrepublik können unter insgesamt sieben Bewerbern entscheiden. "Man kann das kaum eine Wahl nennen", sagte Asien-Experte Dijar Autal von der amerikanischen Eliteuniversität Harvard der Deutschen Presse-Agentur. Die wenigen Kandidaten stammten von politischen Parteien, die von der Regierung kontrolliert würden. "Unter Tokajew wird das Land wahrscheinlich genauso autoritär bleiben wie unter Nasarbajew."

Vereinzelte Proteste, zerschlagen von der Polizei

In Kasachstan gab es zuletzt immer wieder vereinzelt Proteste, gegen die die Polizei mit harter Hand vorging. Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) beklagte, dass vor der Wahl soziale Medien zeitweise blockiert wurden. Die Wahlbeobachter wollen am Montag eine Einschätzung zum Verlauf der Abstimmung abgeben. Die Wahllokale sollen um 16.00 Uhr (MESZ) schließen. Mit ersten Ergebnissen wird in der Nacht zu Montag gerechnet.

Tokajew kündigte bereits an, den Kurs seines Vorgängers fortzusetzen. Nasarbajew hatte wenige Wochen vor seinem Rücktritt die Regierung entlassen und sie für wirtschaftliche und soziale Probleme in dem zwischen Russland und China gelegenen Land verantwortlich gemacht. Er versprach Reformen, um die Lebensqualität der Menschen zu verbessern.

Kasachstan ist auch einer der größten Uranproduzenten der Welt. Für den Standort Deutschland sind vor allem die in der High-Tech-Industrie genutzten Seltenen Erden von Interesse.

(be/dpa)