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Karl Geiger nur Achter in Innsbruck

4.1.2020 23:57 Uhr

Karl Geiger schüttelte den Kopf, jegliches Lächeln war aus seinem Gesicht gewichen: Der 26 Jahre alte Skispringer hat bei der Vierschanzentournee einen herben Dämpfer im Kampf um den ersten deutschen Gesamtsieg seit Sven Hannawald 2002 hinnehmen müssen. Der 26-Jährige konnte in Innsbruck nicht an seine furiosen Auftritte von Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen anknüpfen und belegte in einem turbulenten Wettkampf nach Sprüngen auf 117,5 und 126 Meter nur den achten Platz. Den Sieg am Bergisel sicherte sich bei wechselnden und tückischen Wind- und Wetterbedingungen der Norweger Marius Lindvik vor Dawid Kubacki aus Polen und dem Norweger Daniel Andre Tande.

Vor 20 200 Zuschauern an der österreichischen Kult-Schanze war Stephan Leyhe auf Rang fünf der beste deutsche Springer, Dreifach-Weltmeister Markus Eisenbichler kam auf Platz 27. In der Gesamtwertung eroberte Kubacki die Führung. Zweiter ist nach dem zweiten Tagessieg Garmisch-Gewinner Lindvik, Geiger liegt mit gut sieben Metern Rückstand auf den Spitzenreiter Kubacki auf Rang drei.

Geiger mächtig angefressen auf sich selbst

"Es ärgert mich schon extrem", sagte der enttäuschte Geiger nach seinem zweiten Sprung. "Es hat heute einfach nicht sollen sein." Weil auch die anderen Sportler am Ende Probleme hatten, darf Geiger immer noch offen. Dafür müssen die Konkurrenten am Montag in Bischofshofen zum Abschluss aber schwächeln. Geiger hatte im ersten Durchgang extrem schlechte Windbedingungen, zudem war die Anlaufspur bei ihm langsamer als bei einigen Springern vor ihm. "Der Wind spielt eine große Rolle heute, das ist so bei uns im Sport", sagte Bundestrainer Stefan Horngacher im ZDF. Als alleinigen Grund für Geigers schwachen Sprung im ersten Durchgang wollte der Österreicher die Bedingungen aber nicht gelten lassen. "Der Sprung war nicht ganz optimal", sagte er.

Wie schon so häufig wurde die windanfällige und tückische Schanze am Berghang über Innsbruck einem deutschen Springer zum sportlichen Verhängnis. Im vergangenen Jahr hatten sich Eisenbichler und der Japaner Ryoyu Kobayashi ein packendes Duell geliefert, ehe "Eisei" im Föhnsturm alle Chancen einbüßte und der spätere Gesamtsieger aus Japan davonzog. Severin Freund im Januar 2016 und Richard Freitag im Januar 2018 erwischte es sogar noch bitterer: Sie stürzten an der berühmt-berüchtigten Schanze und konnten danach nicht mehr um den Titel mitspringen. Zuletzt war Geiger am Bergisel eigentlich gut klargekommen. Bei der Nordischen Ski-WM hatte er im vergangenen Februar dort Silber im Einzel und Gold mit der Mannschaft gewonnen.

Geiger bleibt größter Hoffnungsträger des DSV

Das deutsche Team von Horngacher hatte versucht, den Druck und Tournee-Trubel so gut es geht von Geiger fernzuhalten. Am Ruhetag zwischen dem Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen und der Qualifikation in Innsbruck hatte Geiger auf öffentliche Termine verzichtet und stattdessen in der Tiroler Bergidylle relaxt. Der Allgäuer ließ sich in den Tournee-Tagen nicht aus der Ruhe bringen, war fast schon auffallend entspannt. "Er verstellt sich nicht. Er ist so, wie er ist. Er ist ein super Mann. Es ist schön, mit ihm zu arbeiten", sagte Horngacher über seinen derzeit besten Sportler, mit dem er sich sehr gut versteht.

Schon bei der vorherigen Tournee war Geiger als größter deutscher Hoffnungsträger angereist. Im Gegensatz zu damals wurde er diesem Status nun in den ersten beiden Wettkämpfen auch gerecht und sorgte für ausgelassene Stimmung an den deutschen Schanzen. Mit dem ganz großen Triumph wird es nun aber extrem schwer. Aus dem Team von Bundestrainer Horngacher erreichte zudem Constantin Schmid den zweiten Durchgang und holten sich damit Weltcup-Punkte.

(ce/dpa)

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