imago images / AFLOSPORT

Kann Portugal seinen EM-Titel von 2016 verteidigen?

26.2.2020 9:28 Uhr

Portugals Fußball-Nationalmannschaft überrascht unzählige Fans, als 2016 der EM-Titel eingefahren wurde. Ausgerechnet in den Jahren nach der vermeintlich goldenen Generation um Luís Figo und Co. gelang unter Trainer Fernando Santos der Triumph gegen Gastgeber Frankreich im Stade de France. Vier Jahre später steht über den ganzen Kontinent verteilt die nächste Europameisterschaft an. Kann Portugal seinen Titel sogar verteidigen?

Favoritenstatus dank schwerer Gruppe nicht gegeben

Als großer Favorit ging Portugal 2016 bei Weitem nicht ins Rennen. Nach vielen Unentschieden zu Beginn des Turniers hatte niemand die Iberer auf dem Zettel, die schließlich einen Gegner nach dem anderen aus dem Weg räumten. Die Folge war die Finalteilnahme sowie der Sieg gegen Gastgeber Frankreich. Stürmer Éder entschied das Endspiel in der Verlängerung und versetzte seine Nation in einen Freudentaumel. Zwei Jahre später war bei der Weltmeisterschaft jedoch schon frühzeitig Schluss. Uruguay schoss den Europameister im Achtelfinale mit 2:1 aus dem Turnier. Jetzt steht also wieder die europäische Bühne im Fokus, mit der sich die Portugiesen so gut auskennen. Was ist 2020 drin?

Wieder einmal ist Portugal nicht der Favorit. Die mäßigen Leistungen bei der Weltmeisterschaft sowie der EM-Qualifikation taten für diese Einschätzung ihr Übriges. Bis kurz vor dem Ende musste Portugal zittern, um sich überhaupt für das Turnier zu qualifizieren. Insbesondere Serbien stellte in der Quali-Gruppe B eine große Herausforderung dar. Zudem landete die Ukraine ohne Niederlage deutlich vor der gesammelten Konkurrenz, was den Ansprüchen des Europameisters nicht genügen kann. Beim Endturnier 2020 landete Portugal in einer sehr starken Gruppe mit Deutschland, Frankreich sowie einem Playoff-Team. Frankreich gilt in den EM 2021 Wetten mit einer Quote von 7,00 (Stand 24.02.) momentan als einer der großen Favoriten und könnte so seinem Weltmeistertitel auch noch den des Europameisters hinzufügen. Geht es nach den Buchmachern, so haben jedoch ebenso Deutschland, Spanien und England ausgesprochen gute Karten. Damit ist Portugal auf den ersten Blick nur Außenseiter auf einen der ersten beiden Plätze in der Gruppe, kann aber dennoch das Achtelfinale mit Platz 3 erreichen. Und dann - so zeigte bereits 2016 - ist wieder alles möglich.

Letztes EM-Turnier für Cristiano Ronaldo

Bildquelle: imago images / HMB-Media

Für Stürmer Cristiano Ronaldo steht das wohl letzte EM-Turnier seiner Karriere an. Nachdem er seine Nationalelfkarriere 2016 endlich mit einem Titel krönen konnte, ist der große Druck weg. Ein befreit aufspielender Ronaldo könnte für die Konkurrenz allerdings schlechte Nachrichten bedeuten. Bei Juventus Turin schießt er nach wie vor viele Tore (20 Treffer in 20 Spielen), bekommt aber auch öfter Verschnaufpausen von seinem Trainer zugestanden. Ebenso steht der mittlerweile bei Lokomotive Moskau aktive Éder noch im Kader, könnte es aber schwer haben, ein Ticket zur EM 2020 zu lösen. Vier Tore in 13 Spielen sind keine Bilanz, die den Profi unverzichtbar machen wird. Vor allem offensiv hat Portugal neben Ronaldo ohnehin viel zu bieten.

Da ist zum Beispiel der bei Manchester City überragende Bernardo Silva, der seine Kollegen mit brillanten Vorarbeiten in Szene setzen kann. Die beiden Frankfurter André Silva und Gonçalo Paciência bewerben sich neben Éder um den zentralen Platz im Angriff. Rúben Neves (Wolverhampton Wanderers) und Bruno Fernandes (Manchester United) ziehen im Mittelfeld die Fäden und werden dabei vom Dortmunder Raphaël Guerreiro unterstützt, der sich unter Lucien Favre endlich vollständig durchgesetzt hat. Seine Vorstöße sind bei anderen Mannschaften gefürchtet und könnten auch Joachim Löw Sorgenfalten bereiten. Es ist davon auszugehen, dass Guerreiro als Linksverteidiger aufläuft.

Lediglich in der Abwehr ist Portugal nicht überragend besetzt. Rui Patrício (Wolves) hütet nach wie vor das Tor der Portugiesen. Er ist ein meist zuverlässiger Rückhalt, der seinen Wert in der Nationalmannschaft schon länger unter Beweis gestellt hat. Vor ihm soll Rúben Dias von Benfica Lissabon die Viererkette zusammenhalten. Er ist ein noch recht unerfahrener Spieler, der entsprechend seiner 22 Jahre Fehler begeht. Nebenmann José Fonte ist mit seinen 36 Jahren umso eingespielter, aber nicht mehr der schnellste Spieler.

Es wird spannend zu beobachten sein, wie sich Portugal bei der EM 2020 schlagen wird. Die Titelverteidigung ist nicht ausgeschlossen, scheint jedoch auch wegen der Gruppe unwahrscheinlich.

(Hürriyet.de)

0 Kommentare

Bitte geben Sie den Aktivierungscode ein, der an Ihre E-Mail-Adresse gesendet wurde.

Sie müssen angemeldet oder registriert sein, um mitzudiskutieren.

Sie müssen angemeldet oder registriert sein, um mitzudiskutieren.