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Künftiger CDU-Vorsitz: Kramp-Karrenbauer beliebter als Merz

3.12.2018 12:51 Uhr

Annegret Kramp-Karrenbauer ist bei den Bundesbürgern deutlich beliebter als ihr Kontrahent, Friedrich Merz. Das ergab eine Umfrage bezüglich der Kandidatschaft für den künftigen CDU-Vorsitz.

In einer Forsa-Erhebung für die Sender RTL und n-tv bezeichneten 42 Prozent der Befragten die CDU-Generalsekretärin als glaubwürdig, 41 Prozent als sympathisch und 41 Prozent als bodenständig. Der ehemalige Unionsfraktionschef kam in den drei Kategorien nur auf 15,9 und 10 Prozent. Nach dem dritten Bewerber Jens Spahn wurde nicht gefragt, weil diese als aussichtslos gelte, wie es hieß.

Kramp-Karrenbauer ist damit nach Einschätzung von Forsa-Chef Manfred Güllner die erfolgversprechendere Kandidatin für ihre Partei. "Wenn die CDU bei künftigen Wahlkämpfen ihre Erfolgsaussichten wahren oder verbessern will, kommt sie an Kramp-Karrenbauer als neuer Parteichefin kaum vorbei", sagte er. "Sie verkörpert Eigenschaften, die wahlentscheidend sind."

Jeder Dritte (31 Prozent) empfindet Merz als unangenehm - das sagten über Kramp-Karrenbauer nur 8 Prozent. Viele halten Merz außerdem für nicht zeitgemäß: Nur 8 Prozent halten ihn für modern (Kramp-Karrenbauer: 17 Prozent), jeder Vierte (25 Prozent) meint, Merz vertrete Werte von gestern (bei Kramp-Karrenbauer sind es nur noch 16 Prozent).

Mehr Vertrauen in Merz haben die Wähler allerdings in Sachen Führungsstärke (44 Prozent, Kramp-Karrenbauer: 21 Prozent) und Wirtschaftskompetenz (63 Prozent, Kramp-Karrenbauer: 7 Prozent). Könnten die Befragten ihren Kanzler direkt wählen, hätte jedoch Kramp-Karrenbauer die Nase vorn: Sie würde in einer Direktwahl sowohl SPD-Chefin Andrea Nahles als auch Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) schlagen. Merz hingegen würde gegen Scholz verlieren.

Bundesgesundheitsminister Spahn will sich von schlechten Umfragen zu seiner Kandidatur nicht entmutigen lassen. Aus den zurückliegenden acht Regionalkonferenzen der CDU mit den Vorstellungsrunden der Kandidaten habe er "jedenfalls den Eindruck, dass es deutlich breiter ist, als manche Umfrage es erscheinen lässt", sagte Spahn am Montag auf "bild.de". Weder Umfragen noch Journalisten würden entscheiden, sondern 1001 Delegierte auf dem Bundesparteitag an diesem Freitag. "Ich bin da guten Mutes, mit meinem Angebot da jetzt auch reinzugehen."

Die Frage, ob er enttäuscht sei, dass Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) offensichtlich seinen Gegenkandidaten Merz unterstütze, verneinte Spahn. Er habe ein gutes Verhältnis zu Schäuble, "ich kann sportlich damit umgehen". Dies gelte auch für JU-Chef Paul Ziemiak und den Vorsitzenden des Unions-Mittelstands, Carsten Linnemann, von denen es ebenfalls heißt, sie würden Merz unterstützen. "Eine gute Freundschaft hält auch mal eine unterschiedliche Richtung zwischen uns aus", sagte Spahn dazu.

Merz hatte in einem Interview für die WDR/ARD-Dokumentation "Der Machtkampf - wer folgt auf Merkel?" (ARD, 3.12.2018, 20.15 Uhr) gesagt, er habe mit Schäuble häufig darüber gesprochen, "wie die Lage in Berlin ist, auch vor zwei, drei Jahren bereits, als es schon einmal eine solche Serie von Landtagswahlen gab, die wir verloren haben". Dabei sei es auch um einen Wechsel Schäubles ins Kanzleramt gegangen: "Wir haben uns natürlich auch hin und wieder über die Frage unterhalten. Es stand ja die Frage im Raum, ob er möglicherweise die Kanzlerschaft noch einmal übernimmt oder nicht", sagte Merz. "Er hat mir dann gesagt: "Wenn das dann jemals dazu kommen könnte, muss ich mich auch auf Dich verlassen können". Aber dazu ist es halt nicht gekommen."

(sis/dpa)