epa/Abir Sultan

Könnte Netanjahu im März eine Regierung bilden?

31.12.2019 20:04 Uhr

Am Dienstag hat sich Israels Oberstes Gericht mit der Frage befasst, ob Regierungschef Benjamin Netanjahu im Falle eines Wahlsiegs im März trotz einer Korruptionsanklage mit der Regierungsbildung beauftragt werden könnte. Die oberste Richterin Esther Chajut sagte nach Medienberichten zu Beginn der Sitzung: "Es gibt keine Gesetzesvorschrift, die Netanjahu verbietet, als Parteivorsitzender bei der Wahl anzutreten."

Es sei noch unklar, wie die Wahl am 2. März ausgehen wird. Danach müsse der Staatspräsident entscheiden, wen er mit der Regierungsbildung beauftragt. Deshalb sei die Diskussion gegenwärtig verfrüht.

Klarstellung gefordert

67 Intellektuelle und High-Tech-Experten hatten von dem Höchsten Gericht eine Klarstellung gefordert, dass Netanjahu im Falle eines Wahlsiegs nicht mit der Regierungsbildung beauftragt werden dürfe.

Das Justizministerium hatte im November mitgeteilt, der 70-jährige Netanjahu solle wegen Betrugs und Untreue sowie Bestechlichkeit angeklagt werden. Es ist das erste Mal in der Geschichte Israels, dass ein amtierender Ministerpräsident angeklagt wird. Netanjahu sprach von einem Putschversuch und kritisierte Israels Justiz aufs Schärfste.

Bei den Vorwürfen gegen Netanjahu geht es um den Verdacht der Beeinflussung von Medien, angeblich krumme Deals mit Unternehmen und Luxusgeschenke befreundeter Geschäftsleute im Gegenzug für politische Gefälligkeiten. Netanjahu hat noch bis Mittwoch Zeit, beim Parlament Immunität gegen Strafverfolgung zu beantragen. Es ist allerdings unklar, wann eine Abstimmung über die Frage stattfinden würde.

Schon zweimal wurde in diesem Jahr in Israel ein neues Parlament gewählt, wegen eines Patts zwischen dem rechts-religiösen und dem Mitte-Links-Lager gelang jedoch keine Regierungsbildung. Bemühungen um die Bildung einer großen Koalition zwischen dem Mitte-Bündnis Blau-Weiß und dem rechtskonservativen Likud Netanjahus waren nach der Wahl am 17. September ebenfalls gescheitert. Daraufhin löste das Parlament sich vor gut zwei Wochen auf und legte eine Neuwahl am 2. März 2020 fest.

(an/dpa)

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