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Kanadier sollen rassistische Kommentare unterlassen

20.7.2019 12:41 Uhr

Justin Trudeau, der kanadische Premierminister, hat an seine Landsleute appelliert, rassistische Äußerungen gegen Menschen anderer Hautfarbe zu unterlassen. Trudeau spielte damit auf Rassismus-Vorwürfe gegen US-Präsident Donald Trump an, nachdem dieser mehrere US-Demokratinnen aufgefordert hatte, in ihre vermeintlichen Heimatländer zurückzugehen.

Die vier Frauen, auf die Trump - ohne sie namentlich zu nennen - anspielte, sind US-Staatsbürgerinnen. Während einer Wahlkampfveranstaltung am Mittwoch skandierte er in die Menge: "Schickt sie zurück!". Gemeint war die Abgeordnete Ilhan Omar.

"Die Bemerkungen, die gemacht wurden, waren sehr verletzend, falsch und völlig inakzeptabel", sagte Trudeau am Donnerstag (Ortszeit) in Montreal. Jedermann in Kanada sollte wissen, dass solche Bemerkungen weder erlaubt noch unterstützt werden sollten.

"Werte wichtiger als Handel."

EU-Ratspräsident Donald Tusk sagte während der gemeinsamen Pressekonferenz mit Trudeau, er wolle interne Angelegenheiten der USA nicht kommentieren. Er sei seit vielen Jahren einer der meist proamerikanischen Politiker in Europa. Aber manchmal, wenn man das Gefühl habe, etwas sei völlig inakzeptabel, müsse man trotz aller Geschäfte und Interessen reagieren. "Für mich sind Werte wichtiger als Handel. Es tut mir leid. Vielleicht bin ich altmodisch."

Trump hatte nach der Wahlkampfveranstaltung im US-Bundesstaat North Carolina versucht, sich von den Tiraden, die er selbst angestachelt hatte, zu distanzieren. "Ich war nicht glücklich darüber", sagte er. "Ich fühlte mich ein bisschen schlecht deswegen." Er behauptete: "Ich stimme da übrigens nicht mit überein." Auf die Frage, warum er die Sprechchöre nicht gestoppt habe, sagte Trump, er habe genau das getan, indem er "sehr schnell" seine Rede fortgesetzt habe. Tatsächlich pausierte er kurz und trat einen Schritt von seinem Rednerpult weg, während die Menge "Schickt sie zurück!" skandierte.

Die Szene sorgte erneut für scharfe Kritik am Präsidenten. Der Chef der Demokraten im Senat, Chuck Schumer, nannte den Vorfall verabscheuungswürdig. Er warf Trump vor, die schlimmsten Instinkte in Menschen anzusprechen.

Die vier Politikerinnen, die Trump seit Tagen verbal attackiert, sind alle US-Bürgerinnen: Alexandria Ocasio-Cortez ist puerto-ricanischer Abstammung, geboren in New York; Rashida Tlaib ist Tochter palästinensischer Einwanderer, geboren in Detroit; Ayanna Pressley ist Afroamerikanerin, geboren in Chicago. Omar kam zwar in Somalia auf die Welt, wurde aber schon als Teenager in den USA eingebürgert.

(an/dpa)

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