DHA

Kagawa trifft bei Besiktas-Kantersieg mit erstem Ballkontakt

3.2.2019 18:55 Uhr, von Chris Ehrhardt

Die Hauptfragen vor dem Spiel Antalyaspor gegen Besiktas Istanbul in der türkischen Süper Lig waren, wie würde Senol Günes sein Team spielen lassen, welche Formation erhält den Vorzug und wann würde Neuzugang Shinji Kagawa kommen. Mit einem Sieg, das stand fest, würde sich Besiktas in der Tabelle an der Verfolgergruppe von Basaksehir und Galatasaray festsaugen können. Und es wurde der große Abend des Kagawa, der einen Einstand nach Maß feiern durfte.

Die erste Frage war schon beim Anpfiff beantwortet: Shinji Kagawa würde, wenn überhaupt, erst im Spielverlauf kommen. Spannender war es bei der Formation. Yalcin vorne drin, Caner und Lens auf den Außenbahnen, Ljajic in der offensiven Mitte. Und Besiktas stellte sich gleich zu Beginn recht gut auf, war sehr präsent. Doch immer wieder schaffte es auch Antalya durchzustechen und die Adler in Bedrängnis zu bringen. So wurde es in den ersten Minuten ein interessantes Spiel.

Viel Mittelfeldgeplänkel machte die Räume eng

Beide Teams nahmen sich aufgrund der dicht gestellten Mittelfeldreihen viel an Bewegungsfreiraum. Aufregung gab es dann in der 16. Minute. Cissokho mit dem hohen Ball nach innen, Özmert mit der Direktabnahme und direkt an den Kopf von Hutchinson. Der fiel um wie ein Sack, so gewaltig hatte ihn der Schuss getroffen. Die folgende Ecke bracht nichts ein, aber Antalyaspor zeigte seine Gefährlichkeit. Optisch konnte sich Antalya nach 20 Minuten ein leichtes Übergewicht erspielen. Hinten standen die Hausherren sehr ordentlich und ließen keinen Schuss der Gäste zu. Besiktas mühte sich redlich, etwas nach vorne zu bringen, aber oft fehlte die Präzision. In der 26. Minute flankte Lens von rechts nach innen, doch die Kugel zischte an Freund und Feind vorbei.

In der 32. Minute startete BJK einen Angriff, Lens mit dem Pass in die Box und Gönül lief auf den Keeper zu. Dabei war sofort klar, es käme am Ende zum Kontakt und er würde spektakulär fallen. Einzige Chance, denn große Gefahr bestand aus der Position nicht. Und es kam, wie es kommen musste. Zuerst verweigerte der Unparteiische noch den Elfer, dann kam der VAR ins Spiel und Bülent Yildirim entschied sich um. Elfer. Und dann wurde es ganz kurios. Ljajic scheiterte an Keeper Boffin, aber Yalcin netzte den Nachschuss ein. Das gab Proteste, denn Yalcin lief wohl zu früh los – alles wieder auf 0 und Wiederholung. Im zweiten Anlauf traf Ljajic besser und Besiktas führte – Spielstand 0:1 aus Sicht der Hausherren. Und das gab den Adlern Auftrieb, die weit befreiter aufspielten.

Furiose zweite Hälfte der ersten Halbzeit – der Bann schien gebrochen

BJK machte reichlich Dampf. Schöne Ballpassage in der 39. Minute. Adriano dann mit dem Pass in die Mitte und dort war Tokoz mitgelaufen – trocken ins Netz gelegt. Damit führte Besiktas mit 2:0 und Kagawa machte sich an der Seitenlinie warm. Zwei Treffer noch und man würde an Malatyaspor vorbeiziehen auf den dritten Rang. Und BJK nahm das wörtlich.

43. Minute und Freistoß. Ljajic nagelte satt einen raus, Boffin ließ abprallen und dann war Hutchinson da – die 3:0-Führung der Adler vor der Pause. Damit war man bei der Tordifferenz gleichauf mit Trabzonspor. Kagawa, der wieder gezeigt wurde, schien sehr zufrieden mit dem Spiel seiner Mannschaftskameraden zu sein. In der Folge spielte Besiktas wie im Rausch und versuchte, noch dem Pausentee das Ergebnis zu erhöhen. Kurz vor dem Pausenpfiff zeigte sich aber Antalya wieder. Doukara hämmerte brachial einen Ball in Richtung Tor, der aber knapp vorbei ging. Damit waren die ersten 45 Minuten rum.

Quelle: DHA

Zweite Hälfte – Das Warten auf Kagawa

Antalyaspor stellte direkt zweimal zu Beginn der zweiten 45 Minuten um und bei Besiktas ging das Warten auf Kagawa los, denn der Japaner, der am Deadline Day von Borussia Dortmund an den Bosporus wechselte, blieb zum Start der der zweiten Hälfte zuerst noch draußen. Und die zweite Halbzeit startete denkbar schlecht für die Adler. Doukara, der kurz vor dem Pausenpfiff seine Gefährlichkeit aufblitzen ließ, ging über die linke Seite durch, blieb beim Schussversuch in der Hintermannschaft der Gäste hängen. Doch er erreicht den Abpraller, zog etwas mehr nach innen und nagelte die Kugel vorbei an Keeper Karius ins lange Eck – nur noch 1:3 in der 50. Minute. Da sah der deutsche Schlussmann nicht unbedingt so gut aus. Würde Besiktas das sicher geglaubte Ding mit drei Treffern Vorsprung noch aus der Hand geben? Antalya rannte nun wütend an und man merkte, Besiktas schwamm hinten. Jedem Ball setzte Antalyaspor nach. Bis zur 57. Minute war BJK nicht in der Lage für Entlastung zu sorgen.

In der 59. Minute musste Caner runter – und nein, es kam nicht Kagawa, sondern Cyle Larin. Aber Antalya marschierte weiter nach vorne. Freistoß in der 61. Minute. Langer Ball, Özmert kam aus ganz kurzer Distanz an die Kugel, doch Karius stand goldrichtig und verhinderte den Anschlusstreffer. Nur Sekunden später in der 62. Minute krachte der Ball ans Außennetz. BJK musste hier von einer Schreckenssekunde zur nächsten. Und Antalya wurde nicht müde weiter anzurennen, denn sie merkten, die Adler hingen in den Seilen.

Kagawa mit einem Rekordeinstand bei Besiktas - zwei Tore in drei Minuten

Besiktas agierte wie vollkommen paralysiert. Es fand keine aktive Gegenwehr statt, sondern war nur eine reine Abwehrschlacht. Und dann kippte das Spiel kurz. Konter in der 67. Minute. Besiktas mit einer drei zu vier Überzahl, Yalcin mit einem absolut schlechten Pass in die Mitte und dann war es Dursun, der den Ball ins eigene Netz nagelte – herrliches Eigentor und unhaltbar für Boffin. Besiktas, das nah dran war, sich das Anschlusstor zum 2:3 zu fangen, machte mit viel Fremdhilfe das 1:4. Yalcin musste dann runter und es kam – nein, wieder nicht Kagawa, sondern Medel. Besiktas dreht nun erneut auf. 71. Minute und Ljajic versuchte es mal mit einem Schuss – da musste sich Boffin mächtig strecken, den zur Ecke zu lenken. Antalya fand nun erst einmal nicht mehr statt. Zu tief saß der Schreck nach dem Eigentor in eine echte Drangphase des Heimteams.

Noch waren insgesamt fast 20 Minuten Zeit, einen weiteren Treffer zu markieren. Und die Adler mühten sich redlich. Zuerst scheiterte in der 76. Minute Larin und den Nachschuss aus dem Rückraum semmelte Medel daneben. Neuer Anlauf in der 78. Minute und wieder wurde ein schneller Angriff der Adler von Larin überhastet und schlecht abgeschlossen. Larin entwickelte sich in der Folge zum echten Chancentod, denn in der 80. Minute zog er erneut daneben und das aus aussichtsreicher Position. In der 81. Minute war Schluss für Ljajic und es kam Kagawa - endlich. Und der machte das Unmögliche wahr - Kagawa traf in der 82. Minute mit seinem allerersten Ballkontakt in der Süper Lig. Zwei, drei Schritte mit dem Ball, Maß nehmen und rein das Ding zum 5:1 für die Adler.

Das hat man noch nicht erlebt! Dachte man. Doch es kam noch besser! Kagawa traf direkt doppelt! In der 84. Minute nahm er erneut Maß und prügelte einen Freistoß aus mehr als 20 Metern in die Maschen zum 6:1 für Besiktas! Es war der helle Wahnsinn und hat man so sicher nicht erwartet. Damit war Besiktas auf dem dritten Platz hinter Basaksehir und Galatasaray. So einen Einstand hatte man sich für den sympatischen Japaner aus Dortmund gewünscht, dem die Spielfreude aus jeder Pore strahlte. Doch auch Antalya ließ sich nicht lumpen und nach einer Ecke fiel noch das 2:6 durch Chico in der 90. Minute, was aber reine Ergebniskosmetik blieb.

Es war der Abend von Kagawa und das ohne jeden Zweifel. Bei Besiktas wird man nun Hoffnung schöpfen, unter der Führung des Ex-Dortmunders ganz oben angreifen zu können.