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Jugendlicher Trend zu Fitness und Nachhaltigkeit

7.6.2019 16:54 Uhr

In den letzten Jahren lässt sich ein besonderer Trend beobachten, der so gar nicht mit dem klischeehaften Bild der jugendlichen Generation als ungehorsam zusammenpasst: Themen wie Nachhaltigkeit, Fitness, Gesundheit und Ernährung sind im Zeitgeist unserer Jugend angekommen.

Was dies für die längerfristige Zukunft bedeutet muss sich noch zeigen, doch erste Auswirkungen der Tendenzen zeichnen sich bereits ab.

Fitnesstrend

Körperliche Gesundheit als aktives Hobby hat an in jüngster Vergangenheit an Bedeutung zugenommen. Neue Studios öffnen an jeder Ecke und sind fast allesamt gut gefüllt. Immer mehr junge Menschen betreiben Fitness oder sogar Bodybuilding als Hobby.

Sportliche Betätigung ist natürlich an sich nichts neues, aber die Ausmaße, die es in dieser Verbreitung annimmt, ist bemerkenswert. Spezialisierte Geräte werden mit exakt durchgeplanten Übungen zum gezielten Muskelaufbau genutzt und das fast täglich. Auch junge Frauen steigern sich in wachsenden Zahlen in die körperliche Fitness hinein.

Dabei gehen sogar schon 15-Jährige regelmäßig ins Studio, um ihren Körper mit Hanteln und Geräten zu stählen.

Ein Einfluss ist sicherlich die Vorbildfunktion, die viele Stars wie Schauspieler oder Musiker haben. Viele Darsteller in den beliebten Superhelden-Filmen sehen nicht nur fit aus, sondern regelrecht wie Anwärter auf den Mr. Universe Titel. Immer wieder kursieren Videos von Stars bei Trainingssessions zur Vorbereitung auf Dreharbeiten durch das Internet. Erst kürzlich wieder bei Brie Larson, die sich mit einem intensiven Fitnessprogramm auf ihre Rolle als Captain Marvel vorbereitet hatte.

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Auch Rapper in und um Deutschland, die bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen eine große Fangemeinde haben, neigen vermehrt dazu, Kraftsport zu betreiben und ihre Anhänger dazu zu motivieren.

Die Selbstdarstellung in den sozialen Medien, insbesondere beim Training, spielt dabei möglicherweise auch eine große Rolle. Dadurch wird die Motivation gegenseitig angeheizt. Auch Fitness-Apps wie Runtastic, mit denen man die Daten eines absolvierten Laufs mit seinen Freunden teilen kann, erfreuen sich großer Beliebtheit.

So gehen zwölf Prozent der Jugendlichen und sogar 22 Prozent aller jungen Erwachsenen mindestens einmal im Monat ins Fitnessstudio. Dabei sind Männer den Frauen noch ein wenig voraus (21 Prozent), aber eine klare Männerdomäne ist es nicht, mit immerhin 14 Prozent ist das Verhältnis fast ausgeglichen.

Doch beim Sport hört es noch nicht auf. Es ist kein Geheimnis, dass schon alleine zur Fitness mehr, als nur die körperliche Betätigung gehört. Ein insgesamt gesunder Lebensstil ist ebenso wichtig, auch was Schlaf, Ernährung und Gesundheit angeht. Auch in diesen Aspekten lassen sich viele junge Menschen zurzeit nichts entgehen.

Gesünderer Lebensstil – weniger Raucher

Ein gesünderes Leben zu führen und darüber nachzudenken galt vor einigen Jahren vielleicht noch als uncool, doch dies scheint sich deutlich zu ändern. Ein spürbarer Umbruch ist in den letzten Jahren beim Rauchen eingetreten. Zum Teil hängt dies natürlich mit allen anderen Faktoren zusammen: Wer Kraftsport betreibt, schadet mit solchen Lastern nur dem körperlichen Fortschritt.

Der Anteil von Rauchern ist seit knapp zwanzig Jahren schon ein rückläufiger Trend zu verzeichnen. Vor allem bei Jugendlichen sind die Veränderungen mehr als bemerkenswert:

  • Im Jahr 1993 waren noch jeder fünfte Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren Raucher (20 Prozent)
  • Bei jungen Erwachsenen (18 bis 25 Jahre) lag diese Zahl bei 47 Prozent
  • Beide Kennzahlen sind in gut zwanzig Jahren auf zehn respektive 30 Prozent geschrumpft

Etwas mehr Aufklärung, Werbeverbote, durch Steuern erhöhte Preise und weitere Maßnahmen, scheinen auch ihren Teil zu tun. Im gleichen Zuge ist der Coolness-Faktor der Zigarette gesunken. Dieser hat erst durch den entstehenden Gruppenzwang viele junge Raucher zum Anfangen motiviert.

Allerdings gibt es ein Tabakprodukt, das diese Lücke gefüllt hat. Die E-Zigarette erfreut sich, auch international, großer Beliebtheit. Dabei werden die so genannten Liquids verdampft, die entweder Nikotinhaltig oder -frei sein können. Der Vorteil dabei: Laut den letzten Studien scheinen bei E-Zigaretten die gesundheitsschädlichen Effekte geringer auszufallen, als bei traditionellen Tabakprodukten.

Da keine tatsächliche Verbrennung stattfindet, gelangen somit deutlich weniger Gefahrenstoffe in den menschlichen Körper. Insbesondere die krebsrelevanten Stoffe werden deutlich reduziert.

Ebenso ist ein großer Teil der Nutzer von E-Zigaretten ehemalige Raucher, die auf die Dampfer umgestiegen sind oder sich damit sogar langsam den Nikotinkonsum vollständig abgewöhnen wollen.

Besonders unter jungen Männern war das Rauchen von Zigaretten lange Jahre ein großes, beliebtes Laster. Die Reduktion der Raucherzahlen sollte einen großen Effekt zur Verbesserung der durchschnittlichen Gesundheit beitragen.

Auch sinkender Alkoholkonsum

Es gibt noch ein weiteres Laster, dem insbesondere Heranwachsende und unter 30-Jährige gerne verfallen sind. Der Alkohol, die Volksdroge schlechthin. Doch auch diese Kennzahlen sind bei jüngeren Deutschen stark gesunken.

Dabei hat der sinkende Alkoholkonsum sicherlich auch mit dem Trend zur körperlichen Fitness zu tun. Ein Bier oder Schnaps enthält große Mengen so genannter leerer Kalorien. Also Energieaufnahmen, die vom Körper nicht so verwendet werden können, dass sie zur Fitness oder zum Muskelaufbau förderlich sind.

Vor wenigen Jahren noch waren Themen wie Alkoholabhängigkeit in der Jugend oder Komasaufen regelmäßig in den Medien, doch nun trinkt weniger als jeder zehnte Jugendliche zwischen zwölf und 17 Jahren regelmäßig Alkohol. Zum Vergleich: Im Jahr 2005 lag die Zahl noch bei über 20 Prozent.

Zu einem Teil sollte man diese Entwicklung wahrscheinlich der Revolution der Unterhaltungsmedien zuschreiben. Abendliche Langeweile ist sicherlich mit ein Grund, warum junge Menschen zur Flasche greifen. Mit digitalen Möglichkeiten zur Unterhaltung, die exakt das gewünschte Programm auf Wunsch verfügbar machen, kommt es seltener zu diesen Einstiegsgründen.

Aber das Bewusstsein, dass dieser Verzicht auch gesund ist, ist bei Jugendlichen dank erhöhtem Fokus auf frühzeitige Aufklärung sicherlich ebenfalls gegeben.

Auf lange Sicht kann die Reduzierung von Tabak- und Alkoholkonsum in jüngeren Generationen zu großen Effekten auf die durchschnittliche Gesundheit führen. Beide Genussmittel haben trotz ihrer Legalität starke Auswirkungen auf unseren Körper und kosten das Gesundheitssystem so sehr viel Geld.

Bewusstere Ernährung

Dieser Punkt hängt in weiten Teilen mit anderen Faktoren zusammen, besonders mit dem Fitness-Wahn. Denn: Sportliche Leistungsfähigkeit und daraus folgend Muskelaufbau ist nur mit der dazu passenden Ernährung möglich.

Häufig wird ein Fokus auf Low-Carb gesetzt, was nichts anderes bedeutet, als dass nur ein geringer Anteil der täglichen Kalorien aus kohlenhydrathaltigen Speisen kommt. Höherer Proteinanteil ist für den Muskelaufbau förderlich und daher eine Voraussetzung für erfolgreiche Hobby-Bodybuilder.

Aber auch andere spezialisierte Art der Ernährung sind bei jungen Erwachsenen beliebt. Beispielsweise die ketogene Diät. Diese ist fettreicher als andere Diätformen, aber genau an den Energiebedarf einer Person angepasst. Dadurch ist sie auch zur Gewichtsabnahme geeignet.

Derartige Ernährungspläne sind genau berechnet und wissenschaftlich belegt - sind also von typischen Trenddiäten mit JoJo-Effekt weit entfernt. Die heutigen jüngeren Generationen sind also viel realitätsbewusster, wenn es um ihre Ernährung geht und beschäftigen sich aktiv damit.

Veggy-Trend

Eine ganz spezielle Entwicklung in Sachen Ernährung ist die vegetarische oder gar vegane Lebensweise. Auf Fleisch beziehungsweise alle tierischen Produkte wird dabei verzichtet. Zwischen sechs und acht Millionen Deutscher zählen mittlerweile zu dieser Gruppe.

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Der Hauptanreiz im Hinblick auf Gesundheit ist dabei, dass weniger industriell verarbeitete Lebensmittel – bei Fleisch und Wurst sehr häufig der Fall – konsumiert werden und somit eine natürlichere, sauberere Ernährung gewährleistet wird.

Aber es spielt nicht nur die Gesundheit eine Rolle. Ein weiterer Faktor ist die Nachhaltigkeit, auf die viele jüngere Menschen nun einen größeren Wert legen. So konnte man beispielsweise bei den kürzlich durchgeführten Wahlen fürs Europaparlament sehen, wie groß die Unterschiede zwischen den Altersgruppen wirklich sind.

33 Prozent der unter 30-Jährigen wählten beispielsweise die Grünen, die solche Themen aktiv zur Sprache bringt, während es in älteren Gruppen nur etwas über zehn Prozent waren. Umweltschutz, Fitness, Gesundheit, Nachhaltigkeit, eine bewusste Beschäftigung mit Ernährung. All das scheinen Themen zu sein, die unsere nächste Generation vermehrt beschäftigt.

Der Rückgang von ungesunden Gewohnheiten wie Rauchen oder Alkohol gehen im gleichen Zuge zurück. Wenn man dazu noch die politische Aktivität, beispielsweise im Rahmen der Klima-Demonstrationen "Fridays for Future" beachtet, scheint der junge Mensch von heute einen aktiven, handlungswilligen und umweltbewussten Zeitgeist an den Tag zu legen.

(Hürriyet.de)