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Japanisches Justizministerium: Ghosn müsse auf "illegale Methoden" zurückgegriffen haben

5.1.2020 10:33 Uhr

Japans Justizministerin Masako Mori hat die Flucht von Ex-Nissan-Chef Carlos Ghosn in den Libanon als "unvertretbar" bezeichnet. Ihr Ministerium gehe davon aus, dass Ghosn auf "illegale Methoden" zurückgegriffen habe, um Japan zu verlassen, sagte Mori in ihrer ersten offiziellen Stellungnahme zu der abenteuerlichen Ausreise Ghosns am Sonntag in Tokio.

Der frühere Automanager Ghosn war im November 2018 unter Vorwürfen, Firmenkapital zweckentfremdet zu haben, in Japan festgenommen worden.

Das japanische Strafverfolgungssystem verfüge über "angemessene Verfahren, um der Wahrheit" auf die Spur zu kommen. Dabei würden die "grundlegenden individuellen Menschenrechte respektiert", betonte Mori. "Die Flucht eines Verdächtigen auf Kaution ist unvertretbar", fügte sie hinzu.

"Extrem bedauerlich"

Es sei "klar", dass nicht dokumentiert worden sei, wie Ghosn Japan verlassen habe. Wahrscheinlich habe er sich aber "unrechtmäßiger Methoden" bedient. "Es ist extrem bedauerlich, dass es zu dieser Situation gekommen ist", sagte Mori weiter. Die Ministerin bestätigte, dass Japan eine Rote Notiz via Interpol erwirkt habe, welche die libanesische Justiz dazu verpflichtet, Ghosn vorzuladen.

Ghosn hatte Japan Ende Dezember verlassen. Er soll mit einem Privatjet vom Flughafen Kansai im Westen Japans nach Istanbul und von dort weiter nach Beirut geflogen sein. In der libanesischen Hauptstadt hieß es am Freitag, die Justiz werde Ghosn vorladen. Dazu seien die Behörden durch die Rote Notiz gezwungen. "Aber die Justiz kann entscheiden, ob sie ihn festnehmen will oder nicht", hieß es weiter. Zuvor hatte die libanesische Generalstaatsanwaltschaft erklärt, es gebe keinen Grund für eine juristische Verfolgung Ghosns im Libanon.

Drei Staatsangehörigkeiten

Ghosn besitzt die libanesische, die brasilianische und die französische Staatsangehörigkeit. Er war im November 2018 in Japan festgenommen worden. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm unter anderem vor, Firmenkapital zweckentfremdet und private Verluste auf Nissan übertragen zu haben. Er selbst sprach von einer Verschwörung bei Nissan, um ihn loszuwerden. Grund sei, dass er Nissan noch näher an den französischen Autobauer Renault heranführen wollte.

(be/afp)

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