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Jagdverband will ganze Wolfsrudel abschießen

1.2.2019 15:03 Uhr

Diese Aussagen dürfte die Diskussion um den Umgang mit Wölfen erneut anheizen. Der Deutsche Jagdverband hat den Abschuss ganzer Rudel ins Gespräch gebracht.

Den sehr anpassungsfähigen Raubtieren müsse beigebracht werden, sich von Menschen und Nutztieren fernzuhalten, sagte Verbandspräsident Hartwig Fischer der "Bild"-Zeitung. "Dazu kann es auch notwendig sein, ganze Rudel zu töten." Das Bundesumweltministerium erklärte, die bestehenden Instrumente Regelungen zum Umgang mit "Problemwölfen" reichten aus.

Strenger Artenschutz

Wölfe sind strengstens geschützt und dürfen überhaupt nicht gejagt werden. Ausnahmen werden nur in gesetzlich eng gefassten Grenzen erlaubt, wenn Wölfe ein problematisches Verhalten entwickeln.

So hatten am Donnerstag die Behörden in Schleswig-Holstein den Abschuss eines Wolfs genehmigt, der nachgewiesenermaßen mehrfach spezielle Wolfsschutzzäune überwand, um Schafe zu reißen. Sie wollen mit dem Abschuss auch verhindern, dass das Tier dieses Verhalten an etwaige Nachkommen weitergibt. Auch die Behörden in Niedersachsen genehmigten aus den gleichen Gründen den Abschuss eines sogenannten Problemwolfs.

Wölfe vermehren sich wieder

Das Bundesumweltministerium betonte, die Entscheidungen der Landesbehörden zeigten, dass diese im Fall von Problemen "rechtsicher handeln" könnten. "Die Abschussgenehmigung in Schleswig-Holstein zeigt, dass die bestehenden Ausnahmereglungen beim Artenschutz funktionieren", teilte eine Sprecherin des von Ministerin Svenja Schulze (SPD) geführten Hauses mit.

Die in Deutschland zwischenzeitlich ausgerotteten Wölfe breiten sich hierzulande seit knapp 20 Jahren wieder aus. Inzwischen sind bundesweit mehr als 70 Rudel sowie 30 Paare und drei Einzeltiere nachgewiesen. Die meisten leben im Osten Deutschlands. Gegen die Präsenz der Wölfe machen vor allem Nutztierhalter seit Jahren mobil.

Reichlich Zündstoff

Die Situation sorgt auch politisch für Konflikte über die richtige Reaktion. Während die einen auf Bejagung setzen und die strengen Schutzbestimmungen lockern möchten, wollen andere die Tierhalter besser dabei unterstützen, ihre Herden zu schützen. Maßgeblich für den Wolfsschutz sind unter anderem Vorgaben auf europäischer Ebene.

Der Streit reicht bis in die große Koalition. Die Unionsfraktion im Bundestag hatte kürzlich ein Positionspapier verabschiedet, in dem sie sich für eine Freigabe der Jagd auf Wölfe bei Erreichen von bestimmten Bestandsgrenzen ausspricht. Darüber hinaus werden darin wolfsfreie Zonen etwa in wirtschaftlich genutzten Gebieten gefordert.

SPD: Interessen der Jagdlobby werden bedient

Aus der SPD wurde das Papier als "Scheinlösung" kritisiert. Die Frage einer Bejagung von Wölfen in Deutschland stelle sich nicht. Die Union bediene Interessen der "Jagdlobby". Wichtiger zur Vermeidung von Problemen sei "effektiver Herdenschutz", hieß es.

Die Naturschutzorganisation Nabu in Niedersachsen äußerte sich skeptisch zu der Entscheidung, den dortigen "Problemwolf" abzuschießen. Ob die rechtlichen Vorgaben erfüllt seien, könne er aufgrund fehlender öffentlicher Informationen nicht abschließend beurteilten, erklärte der Landesverband in Hannover. Es sei aber in jedem Fall "fraglich", wie die beauftragten Jäger das Tier aus der Entfernung von anderen Wölfen seines Rudels unterscheiden könnten.

(bl/afp)