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Italien zur "Sperrzone" erklärt - Hamsterkäufe und Einschränkungen

10.3.2020 8:46 Uhr

Versammlungsverbote, geschlossene Schulen und Kultureinrichtungen, abgesagte Sportveranstaltungen: Italiens Regierung schränkt wegen der Coronavirus-Epidemie die Reise- und Versammlungsfreiheit im ganzen Land ein.

Regierungschef Giuseppe Conte rief die Italiener am Montagabend dazu auf, landesweit auf Reisen zu verzichten. Er kündigte zudem ein Versammlungsverbot an, das am Dienstag durch ein Dekret in Kraft gesetzt werden soll. Die Schulen und Universitäten in ganz Italien bleiben auf Anordnung der Regierung bis zum 3. April geschlossen.

Von dem Versammlungsverbot sind auch Sportveranstaltungen betroffen. Die Regierung kündigte an, alle Sportwettbewerbe auszusetzen, darunter auch die höchste italienische Fußball-Liga Seria A. Es gebe "keinen Grund" dafür, warum Spiele und Sportveranstaltungen weiterhin stattfinden sollten, sagte Conte. Derzeit finden die Fußballspiele noch in leeren Stadien statt.

Erst Nord- dann ganz Italien

Am Wochenende hatte die italienische Regierung bereits große Teile Norditaliens abgeriegelt. Sie erließ am Sonntag ein Ein- und Ausreiseverbot für die mehr als 15 Millionen Einwohner der gesamten Lombardei, einen Teil der Region Venetien, den Norden der Emilia-Romagna und den Osten des Piemont. Ausnahmen sind nur aus dringenden beruflichen oder familiären Gründen und in gesundheitlichen Notfällen möglich.

Die italienische Regierung ordnete am Wochenende außerdem ein Verbot von kulturellen, sportlichen und religiösen Veranstaltungen an. Landesweit wurden bereits Museen, Kinos und Theater geschlossen. Die Schulen und Universitäten sind bereits seit Donnerstag in ganz Italien geschlossen.

Mit fast 9200 Ansteckungsfällen ist Italien das bei weitem am schlimmsten betroffene Land in Europa. Nach Angaben des Zivilschutzes erhöhte sich die Zahl der Todesopfer in Italien binnen 24 Stunden um 97 auf insgesamt 463.

Nächtliche Hamsterkäufe

Die drastischen Maßnahmen gegen die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus in Italien haben in Rom und Neapel zu nächtlichen Hamsterkäufen geführt. In Supermärkten, die auch nachts geöffnet haben, deckten sich Verbraucher mit Lebensmitteln und Hygieneartikeln ein, wie italienische Medien in der Nacht zum Dienstag berichteten.Die Kunden warteten demnach in Schlangen vor den Märkten, Mitarbeiter regelten den Einlass. Ein Verkäufer sagte der Nachrichtenagentur Ansa, dass Äpfel, Zwieback, Milch, Zucker, Mehl, aber auch Seife und Desinfektionsmittel zuerst vergriffen gewesen seien.

Die Regierung stellte aber noch am Montagabend klar, dass Supermärkte weiterhin geöffnet bleiben und "regelmäßig" beliefert werden sollen. Die Menschen sollten deshalb nicht in Panik verfallen und Lebensmittel einkaufen, "die auch in den nächsten Tagen noch gekauft werden können", hieß es.Italien ist das am schwersten von der Coronavirus-Epidemie betroffene Land in Europa. Dort gab es bislang mehr als 9000 Ansteckungsfälle, mehr als 460 Menschen starben.

(be/afp/dpa)

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