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Italien: Renommierter Gesundheitsforscher tritt zurück

2.1.2019 17:12 Uhr

Der Präsident des Istituto superiore die sanità (ISS) Walter Riccardi hat aus Protest gegen die italienische Regierung sein Amt niedergelegt. "Vertreter der Regierung haben in vielen Fragen unwissenschaftliche oder offen wissenschaftsfeindliche Positionen bezogen", sagte ISS-Chef Walter Ricciardi der Zeitung "Corriere della Sera".

Er warf der Koalition aus der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung und der Rechtsaußenpartei Lega vor, wissenschaftliche Erkenntnisse zu ignorieren, was ihn an die die Haltung von US-Präsident Donald Trump erinnere.

Ricciardi kritisierte Äußerungen von Innenminister Matteo Salvini, der zugleich stellvertretender Regierungschef ist. Wenn der Vize-Ministerpräsident die Einschätzung äußere, "dass es zu viele verpflichtende, nutzlose und gefährliche Impfungen gibt, dann ist das nicht nur unwissenschaftlich, sondern wissenschaftsfeindlich".

Populisten hätten Schwierigkeiten mit Wissenschaft

Auch die Warnung, dass Migranten Krankheiten einschleppten, sei "unbegründet", sagte Ricciardi. Durch solche Äußerungen werde sein Institut "zur Selbstzensur gezwungen, damit es nicht der politischen Linie widerspricht". Ein Gesetz, das die landwirtschaftliche Nutzung belasteter Börden erleichtert, sei verabschiedet worden, "ohne die Auswirkungen auf die Gesundheit zu untersuchen", beklagte Ricciardi.

"All das erinnert mich an die Empfehlung von Donald Trump an das nationale Gesundheitsinstitut der USA, nicht mehr den Begriff evidenzbasiert zu verwenden", sagte Ricciardi. Dies sei die "Denkweise von Populisten, die große Schwierigkeiten im Umgang mit der Wissenschaft haben". Im Dezember hatte die Koalition in Rom in der wissenschaftlichen Gemeinde für Empörung gesorgt, als sie die Mitglieder eines Expertenkomitees entließ, das die Regierung zur Gesundheitspolitik berät.

(Walter Ricciardi sitzend, Anm. d. Red.)

(an/afp)

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