dpa

Istanbul: Gedenkfeier für ermordeten Journalisten Khashoggi

3.10.2019 8:38 Uhr

Am Mittwoch wurde dem dort ermordeten Journalisten Jamal Khashoggi vor dem Konsulat Saudi-Arabiens in Istanbul mit einer Schweigeminute gedacht. Auch sein ehemaliger Chef, Inhaber der Washington Post und Amazon-Gründer Jeff Bezos, war vor Ort.

"Heute vor einem Jahr stand ich hier und wartete, dass mein Mann das Konsulat verlässt", sagte Khashoggis Verlobte Hatice Cengiz bei der Gedenkfeier am Mittwoch. Die UN-Berichterstatterin für außergerichtliche Tötungen, Agnès Callamard, mahnte: "Niemand darf mit einem Mord davonkommen".

Extra angereistes Agententeam

Der "Washington Post"-Kolumnist war am 2. Oktober 2018 im Konsulat seines Landes von einem extra angereisten Agententeam ermordet worden. Seine Leiche wurde anschließend zerteilt und beseitigt. In einer Untersuchung fand Callamard "glaubwürdige Beweise" für eine Verwicklung von Saudi-Arabiens mächtigem Kronprinzen Mohammed bin Salman. Dieser bestreitet jede Kenntnis von dem Plan zur Ermordung des Kritikers. "Der Gerechtigkeit muss Genüge getan werden", forderte Callamard bei der Gedenkfeier.

Schauprozess?

In Saudi-Arabien läuft seit Januar ein Prozess gegen elf Verdächtige, doch sprach der Amnesty-Vertreter Andrew Gardner von einem "Schauprozess" und einer "Verhöhnung der Gerechtigkeit". Es sei ohnehin "bedeutungslos", da Saudi-Arabien zugleich die Repressionen gegen Journalisten und Menschenrechtsaktivisten weiter verschärfe. Auch der "Washington Post"-Eigentümer und Amazon-Chef Bezos nahm an der Gedenkfeier in Istanbul teil. Dabei wurde in einem kleinen Park vor dem Konsulat ein Gedenkstein für Khashoggi enthüllt. Die türkische Zeitung "Haberturk" hatte kürzlich berichtet, Saudi-Arabien wolle das Konsulatsgebäude verkaufen. Demnach soll die diplomatische Vertretung in die Nähe des US-Konsulats im Stadtteil Sariyer verlegt werden.

Druck auf Saudi-Arabien hat nachgelassen

Der Mord an Khashoggi hatte vergangenes Jahr weltweit Schlagzeilen gemacht und das Ansehen von Saudi-Arabien und seinem ehrgeizigen Kronprinzen erheblich beschädigt. Ein Jahr nach dem Verbrechen hat jedoch der Druck auf das Königreich zur Aufklärung der Tat nachgelassen. Führende Unternehmen, die nach dem Mord einen Wirtschaftsgipfel in Saudi-Arabien boykottiert hatten, wollen dieses Jahr wieder teilnehmen. Die Menschenrechtsorganisation Human Rigths Watch (HRW) warf Saudi-Arabiens Regierung zum Jahrestag vor, bis heute keine echte Verantwortung übernommen zu haben. Kronprinz bin Salman müsse alles offenlegen, was er über die Planung und die Ausführung des Mordes wisse, forderte die HRW-Vertreterin Sarah Leah Whitson. Amnesty International forderte "sofortigen und uneingeschränkten Zugang" für unabhängige Beobachter zu dem Mordprozess.

(be/afp)

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