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Israel sieht weltweite Zunahme antisemitischer Angriffe

27.1.2019 16:56 Uhr

Die israelische Regierung hat in einem veröffenlichten Bericht die Zahl der Angriffe auf Juden weltweit angeprangert. Diese sei so hoch wie seit den Neunzigern nicht mehr.

Bei drei Attacken in den USA und Frankreich seien im vergangenen Jahr insgesamt 13 Juden getötet worden, heißt es in einem am Sonntag veröffentlichten Bericht des israelischen Diaspora-Ministeriums. Die Zahl der ermordeten Juden lag demnach so hoch wie seit den Angriffen auf jüdische Gemeinden in Argentinien in den 90er Jahren nicht mehr.

Pittsburgh, Kalifornien und Frankreich

In der US-Stadt Pittsburgh hatte ein Mann bei einem Anschlag auf eine Synagoge elf Menschen erschossen. Die Tat sorgte weit über die Grenzen der USA hinaus für Entsetzen. In Kalifornien tötete ein Neonazi einen jüdischen Studenten. In Paris wurde im März die 85-jährige Holocaust-Überlebende Mireille Knoll ermordet.Auch die Zahl der sonstigen Übergriffe sei deutlich angestiegen. In Großbritannien habe die Zahl judenfeindlicher Taten einen neuen Höchststand erreicht. In Frankreich seien im vergangenen Jahr 69 Prozent mehr antisemitische Vorfälle verzeichnet worden. Vor diesem Hintergrund müsse Israel "den Millionen Juden in der Diaspora helfen, die immer mehr antisemitischen Verbrechen ausgesetzt sind", erklärte Diaspora-Minister Naftali Bennett.

Zahl durch Neonazis und weiße Rassisten hat zugenommen

Insbesondere die Zahl der Angriffe durch Neonazis und weiße Rassisten habe zugenommen. Rund 70 Prozent der Übergriffe seien "anti-israelisch" motiviert gewesen.Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu warnte vor "Antisemitismus der extremen Linken". Dieser habe sich jüngst etwa in Großbritannien und Irland als "Antizionismus" getarnt. Das Simon-Wiesenthal-Zentrum in Jerusalem begrüßte derweil das in den vergangenen Jahren intensivierte Vorgehen der Justiz gegen ehemalige Nazis. Seit 2001 seien 105 Ex-Nazis wegen der Beteiligung am Holocaust verurteilt worden, vier weitere Verfahren liefen noch. Dabei hob das Wiesenthal-Zentrum eine Gesetzesänderung in Deutschland hervor, die der Justiz auch die Verfolgung von Verdächtigen ermögliche, die in den NS-Todeslagern während des Zweiten Weltkriegs nicht direkt an der Ermordung von Juden beteiligt waren.

(be/afp)