imago images/Jürgen Ritter

Islamische Beerdigung angesichts der Coronakrise

20.3.2020 18:04 Uhr

Das Coronavirus hat auch den Tod erreicht, denn das Bestatten während einer Pandemie folgt anderen Regeln als in ruhigen Zeiten. Dies muss auch der türkischstämmige Bestatter Arif Tokicin in Hamburg anerkennen.

Für viele Hinterbliebenen ist dies zunächst ein Schock. Eine normale Beerdigung ist in diesen Tagen nicht mehr möglich. Für viele Muslime ist dies eine weitere Tragödie, denn die Beerdigung im Islam folgt strengen Regeln.

Islam sieht schnelle Beerdigung vor

Es beginnt damit, dass die Augen des Toten geschlossen werden, bis auf eine Person müssen dann alle den Raum verlassen. Danach legt man den Leichnam auf den Rücken und dreht Kopf und Füße gen Mekka. Der Tote soll als Betender vor Allah treten. Es folgt die rituelle Waschung, die ähnlich verläuft wie vor dem Gebet. Ist der Körper gereinigt, wird er mit Kampferöl gesalbt. Danach wird der Leichnam eingekleidet oder mit einem einfachen Tuch verhüllt. Es folgt das Totengebet des Imams und der anschließende Leichengang zum Friedhof. Dort wird der Tote während eines Gottesdienstes schlicht beigesetzt.

All dies muss im Islam schnell geschehen. Ein Pluspunkt in diesen Tagen. Leider dürfen bei diesen Ritualen während der Pandemie wenig oder gar keine Angehörigen teilnehmen. Bei vielen Hinterbliebenen stößt dies auf Unverständnis. Gegenüber einem Reporter der "Zeit" berichtet Arif Tokicin von einem Muslim aus Afghanistan, der seinen Vater beerdigen wollte und dem das letzte Geleit verwehrt wurde. Für Tokicin eine traurige Situation. Aber das Virus trennt nicht nur die Lebenden, sondern auch die Lebenden von den Toten.

In normalen Zeiten bietet der 51-Jährige, der mit neun Jahren aus der Türkei nach Deutschland kam, einen kompletten Service an, von der Waschung, bis hin zum Transport des Toten in das Heimatland. Denn nun stirbt vor allem die erste Generation der Gastarbeiter. Diese Menschen sind noch immer stark mit ihrer Heimat verwurzelt und wollen dort auch ihre letzte Ruhe finden. "Leute mit starken Wurzeln in der Heimat", Menschen, die mit Deutschland nur Arbeit verbinden, aber weder Herkunft noch Bleibe, erst recht nicht für immer", so Arif Tukicin. Und er hofft, dass er diesen Menschen bald wieder ihre Würde im Tod geben kann.

(Andreas Neubrand)

0 Kommentare

Bitte geben Sie den Aktivierungscode ein, der an Ihre E-Mail-Adresse gesendet wurde.

Sie müssen angemeldet oder registriert sein, um mitzudiskutieren.

Sie müssen angemeldet oder registriert sein, um mitzudiskutieren.