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Irans Außenminister in den USA

15.7.2019 10:29 Uhr

Mohammed Dschawad Sarif, Außenminister des Iran, hält sich seit diesem Sonntag für mehrere Tage in den USA auf. Das sorgt anlässlich des schwelenden Atomkonflikts zwischen den USA und Teheran für Hoffnungen, es könne sich um einen Annäherungsversuch handeln. Termine, wann Mohammed Dschawad Sarif mit hochrangigen Politikern der USA zusammentreffen könnte, sind bisher nicht bekannt.

Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur IRNA will er am kommenden Mittwoch vor dem Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen eine Rede halten. Weitere Details über seine Termine in den USA wurden zunächst nicht bekannt. In Teheran kursieren Gerüchte, Sarif wolle in New York eventuell ein Treffen mit der amerikanischen Seite am Rande der UN-Vollversammlung im September vorbereiten. Offizielle Stellungnahmen gab es dazu nicht.

Gespräche mit den USA seitens Iran an Bedingungen gebunden

Parallel zu Sarifs Trip nach New York erklärte der iranische Präsident Hassan Ruhani erneut, seine Regierung sei - unter Bedingungen - gewillt, mit der US-Regierung zu reden. "Für Verhandlungen (mit den USA) sind wir immer bereit, auch diese Stunde, sogar jetzt gleich", sagte Ruhani am Sonntag. Er stellte laut seinem Webportal allerdings wie bereits zuvor Bedingungen: Vorher müssten die Amerikaner zur Vernunft kommen, den Druck beenden und die Sanktionen gegen den Iran aufheben.

Das internationale Atomabkommen mit dem Iran sieht vor, dass Teheran auf industrielle Aktivitäten verzichtet, die den Bau einer Atombombe ermöglichen könnten. Im Gegenzug wurde die Aufhebung von Sanktionen zugesagt. Die US-Regierung war im vergangenen Jahr aber im Alleingang aus dem Abkommen ausgestiegen. Sie versucht, Teheran seitdem mit massiven Wirtschaftssanktionen unter Druck zu setzen, um ein neues, strengeres und erweitertes Abkommen auszuhandeln. Der Iran lehnt das bislang ab.

Auch dem Außenminister drohen Sanktionen

Die Lage in dem Konflikt zwischen den USA und dem Iran ist extrem angespannt. Nach mehreren Zwischenfällen rund um die Schifffahrtswege im Persischen Golf und im Golf von Oman waren in den vergangenen Wochen Befürchtungen gewachsen, es könne zu einer militärischen Eskalation zwischen beiden Ländern kommen. Washington und Teheran überzogen einander mit Vorwürfen und Drohungen. Vertreter der US-Regierung betonten dennoch immer wieder, die USA wollten keinen Krieg mit dem Iran und seien um eine diplomatische Lösung bemüht. Sie machten aber zugleich klar, dass sie den Kurs wirtschaftlicher Sanktionen aufrechterhalten und eher noch verstärken wollen.

Im Juni hatte die US-Regierung angekündigt, dass auch Sarif mit Sanktionen belegt werden solle. Dies hätte de facto bedeutet, dass er nicht mehr in die USA hätte einreisen dürfen. Die Amerikaner nahmen von dem Vorhaben aber vorerst Abstand - was als Zeichen gewertet werden könnte, dass sie die Tür für diplomatische Bemühungen nicht zuschlagen wollten.

Trump will Gespräche ohne Vorbedingungen

US-Präsident Donald Trump hat dem Iran mehrfach Gespräche angeboten - ohne Vorbedingungen. Die iranische Regierung schlug das aber aus und knüpfte die Bereitschaft zu Verhandlungen - wie auch jetzt - an Bedingungen. Sarif wollte einen möglichen Kontakt mit der amerikanischen Seite mit Blick auf seinen Besuch weder bestätigen noch dementieren. "Derzeit sind nur Treffen im Rahmen der UN geplant", sagte Sarif iranischen Reportern nach seiner Ankunft in New York. Zum vierten Jahrestag des Atomabkommens verteidigte Sarif erneut den Deal. Er würde diesen auch heute wieder unterschreiben, sagte er. Das eventuelle Scheitern des Abkommens habe nichts mit dem Deal selbst zu tun, sondern mit dem "unrechtmäßigen Ausstieg" der USA.

Der Iran erklärt zwar, man wolle in dem Abkommen bleiben, argumentiert aber, solange der Deal nur von der iranischen Seite umgesetzt werde, könne man nicht alleine an der Vereinbarung festhalten. Mit dieser Begründung hat der Iran seine Verpflichtungen in zwei Phasen bereits reduziert und bereitet schon den nächsten Teilausstieg im September vor. Bereits jetzt hält sich das Land nicht mehr an die vorgeschriebene Menge der Uranvorräte und auch nicht an die 3,67 Prozent Obergrenze bei der Urananreicherung. Im September soll der Anreicherungsgrad sogar bis auf 20 Prozent erhöht werden.

(ce/dpa)

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