dpa

Iran weist Abschuss-Spekulation zurück - Ukraine hält sich Optionen offen

9.1.2020 18:37 Uhr

<strong>Kurz nach dem Flugzeugabsturz war für den Iran klar: Ursache war ein technischer Defekt und nicht etwa ein Abschuss des Flugzeugs, bei dem 176 Insassen ums Leben kamen. Die Ukraine ist sich da noch nicht so sicher. </strong>

Die iranischen Behörden bekräftigten am Donnerstag erneut, dass eine technische Ursache zu der Katastrophe geführt habe. "Wegen eines technischen Defekts hat die Maschine Feuer gefangen, und dies führte zum Absturz", sagte Verkehrs- und Transportminister Mohammed Eslami der Nachrichtenagentur Isna. Die Ukraine schließt hingegen einen Raketenangriff oder einen Terroranschlag als Ursache nicht aus.

Die Behörden im& Iran hatten bereits kurz nach dem Absturz am Mittwoch von einem technischen Defekt gesprochen, ohne aber zu erklären, worauf sie sich dabei beriefen. Irans Präsident Hassan Ruhani forderte vom Verkehrsministerium und der Luftfahrtbehörde eine lückenlose Aufklärung. Eslami sagte, die Spekulationen über einen "verdächtigen" Absturz und die Gerüchte über einen Abschuss der Boeing 737 oder über eine Terroroperation seien falsch.

Kiew schickt Experten in den Iran

Im Fokus der Untersuchungen steht die Frage, weshalb die Maschine der Ukraine International Airlines kurz nach dem Start auf ein offenes Feld nahe dem Teheraner Vorort Parand stürzte. Kiew schickte eigene Experten in den Iran. Das US-Außenministerium forderte eine "umfassende Zusammenarbeit" bei der Untersuchung zur Absturzursache.

Die Ermittler wollen nun den kurzen Flug von Teheran in die ukrainische Hauptstadt Kiew rekonstruieren. In einem am Donnerstag veröffentlichten vorläufigen Bericht der iranischen Luftfahrtbehörde heißt es, die Maschine habe versucht, zurück zum Flughafen zu fliegen. Augenzeugen hätten berichtet, die Maschine habe gebrannt. Als sie am Boden aufschlug, sei sie explodiert - wohl weil das Flugzeug große Mengen Kerosin getankt hatte.

Blackboxen beschädigt?

Die Experten erhoffen sich mehr Informationen durch die Auswertung der beiden Blackboxen mit den Flugdaten. Die Boxen enthalten die Flugdatenschreiber und einen Stimmenrekorder mit Aufnahmen der Gespräche im Cockpit. Diese sollten nach gründlichen Untersuchungen an die Ukraine übergeben werden, kündigte die Luftfahrtbehörde an. Die Geräte seien aber beschädigt worden. Kurz vor dem& Absturz habe auch kein Funkkontakt mehr zu den Piloten bestanden.

Kiew zieht momentan vier Versionen in Betracht: Alexej Danilow vom ukrainischen Sicherheitsrat schrieb auf Facebook, es sei möglich, dass die Maschine von einer Rakete des russischen Typs "Tor" getroffen worden sei. Deshalb seien Experten an der Untersuchung beteiligt, die bereits 2014 beim Abschuss des malaysischen Fluges MH17 durch eine Flugabwehrrakete über der Ostukraine ermittelt hätten. Geprüft werden auch ein Zusammenstoß mit einem Flugobjekt wie etwa einer Drohne, ein Triebwerksschaden und ein Terroranschlag.

Wirtschaftssanktionen statt Militärschlägen

Der Absturz der Maschine geschah in einer politisch aufgeheizte Zeit im& Nahen Osten. Der Konflikt des Iran mit den USA hatte sich zuletzt zugespitzt. US-Präsident Donald Trump schlug am Mittwochabend aber moderatere Töne an: Er kündigte zwar neue Wirtschaftssanktionen gegen den Iran an, aber keine Militärschläge.

Die Ukrainer gedachten am Donnerstag der 176 Todesopfer. Präsident Wolodymyr Selenskyj rief einen Tag der Trauer aus. Die Fahnen wehten auf halbmast. In den Fernsehprogrammen und im& Radio sollte auf Unterhaltungsformate verzichtet werden. Am Kiewer Flughafen Boryspil legten viele Menschen Blumen nieder. Dort hätte die Maschine eigentlich am Mittwochmorgen gegen 8.00 Uhr Ortszeit landen sollen.

(be/dpa)

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