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Internationale Razzia gegen italienische Mafia - 14 Festnahmen in Deutschland

5.12.2018 7:29 Uhr
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Den Behörden in Deutschland, Italien und anderen Ländern ist ein Schlag gegen die italienische Mafiaorganisation 'Ndrangheta gelungen. Bei koordinierten Razzien wurden heute Morgen nach Angaben der italienischen Polizei rund 90 Verdächtige festgenommen.

Neben Deutschland und Italien gab es Einsätze in Belgien, den Niederlanden sowie in Lateinamerika. Schwerpunkte der Razzien in Deutschland waren nach Angaben des Bundeskriminalamtes (BKA) Nordrhein-Westfalen und Bayern.

Die Razzien richteten sich laut italienischen Medien gegen Schlüsselfiguren der süditalienischen Mafiaorganisation 'Ndrangheta. Den Festgenommenen würden "schwere Straftaten" vorgeworfen, teilte die italienische Polizei mit. Dazu zählten die Bildung einer kriminellen Vereinigung und internationaler Drogenhandel. Die in Italien Festgenommenen seien vor allem in der Gegend um die süditalienische Stadt Reggio Calabria aktiv gewesen

"Bedeutender Schlag"

Koordiniert wurde die internationale Aktion von der europäischen Justizbehörde Eurojust mit Sitz in Den Haag. Diese erklärte, den Verdächtigen werde "Kokainhandel, Geldwäsche, Bestechung und Gewalt" vorgeworfen. Die Operation "Pollino" gehe auf 2016 begonnene Ermittlungen zurück. Das BKA will am Nachmittag bei einer Pressekonferenz in Wiesbaden Einzelheiten zu den Ermittlungen bekannt geben.

Die europäische Polizeibehörde Europol sprach von einem "bedeutenden Schlag gegen eine der mächtigsten italienischen kriminellen Netzwerke weltweit". Der aus Italien stammende EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani gratulierte der italienischen Polizei und erklärte: "Europa kämpft gegen die kriminellen 'Ndangheta-Gruppen."

Auch GSG 9 im Einsatz

Nach "Spiegel"-Informationen sollte sich die Aktion in Deutschland gegen die Mitglieder zweier 'Ndrangheta-Familien richten, die hierzulande unter anderem Restaurants und Firmen betreiben und teils schon seit Jahrzehnten in der Bundesrepublik leben. Demnach geht es um Vorwürfe des Kokainhandels und der Geldwäsche. Mehrere hundert Polizisten waren demnach im Einsatz, darunter auch Spezialkräfte der GSG 9.

Laut "Spiegel" sollten mehr als 65 Adressen durchsucht und knapp 20 Haftbefehle vollstreckt werden, darunter auch in Berlin. Die "Bild"-Zeitung berichtete von mehr als hundert durchsuchten Objekten. Nach Informationen von MDR Thüringen gab es auch Einsätze in Gera und Altenburg.

Auch in Deutschland stark vertreten

Die 'Ndrangheta hat ihren Ursprung im süditalienischen Kalabrien, aber die Organisation hat ihre kriminellen Machenschaften längst auf ganz Italien und ins Ausland ausgeweitet. In Italien hat sie den Mafiaorganisationen Cosa Nostra aus Sizilien und Camorra aus Neapel den Rang abgelaufen, indem sie die Kontrolle über den Kokainhandel übernommen hat. Nach Angaben der italienischen Behörden ist die 'Ndrangheta die einzige Mafiaorganisation, die auf allen Kontinenten präsent ist.

Auch in Deutschland ist die 'Ndrangheta die stärkste Mafiaorganisation: Nach Zahlen des BKA von April dieses Jahres gehörten von insgesamt 585 bekannten Mafiamitgliedern in Deutschland 344 der kalabrischen Organisation an.

Der italienischen Polizei war erst am Dienstag ein Schlag gegen die sizilianische Mafiaorganisation Cosa Nostra gelungen: Sie nahm deren neuen Chef Settimino Mineo sowie mindestens 45 weitere Verdächtige fest.

14 Festnahmen in Deutschland

Bei der Großrazzia gegen die Mafiaorganisation 'Ndrangheta sind am Mittwoch in Deutschland 14 Verdächtige festgenommen worden. Es wurden zudem hohe Bargeldsummen und mehrere Autos, die mutmaßlich als Kurierfahrzeuge genutzt wurden, beschlagnahmt, wie das Bundeskriminalamt in Wiesbaden mitteilte. Die Razzia mit hunderten Einsatzkräften, die sich vor allem auf Nordrhein-Westfalen und Bayern erstreckte, war Teil einer großangelegten Polizeiaktion in mehreren europäischen Staaten und in Südamerika, bei der insgesamt etwa 90 Verdächtige festgenommen wurden.

</div>(be/dpa)