Foto: Valery Hache/AFP/dpa

Internationale Politik verurteilt Terrortat von Nizza

29.10.2020 15:36 Uhr

Nur zwei Wochen nach dem brutalen Anschlag auf den Lehrer Samuel Paty wird Frankreich wieder Ziel einer islamistisch motivierten Terrortat. Und es traf Nizza, wo es bereits 2016 eine schwere Attacke gab. Bei dem blutigen Terrorangriff in Nizza sind nach einer vorläufigen Bilanz drei Menschen getötet und sechs weitere verletzt worden. Das bestätigten Polizeikreise der Deutschen Presse-Agentur in Paris am Donnerstag auf Anfrage. Zuvor hatte die Pariser Anti-Terror-Staatsanwaltschaft die Ermittlungen zu der Attacke übernommen. Dabei gehe es unter anderem um den Vorwurf des Mords in Verbindung mit einem terroristischen Vorhaben, bestätigte die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft der dpa. Nach der blutigen Messerattacke mit drei Toten in Nizza gilt in Frankreich die höchste Terrorwarnstufe. Es sei die Stufe "Urgence Attentat" des Anti-Terror-Alarmplans "Vigipirate" ausgerufen worden, sagt Premierminister Castex in der Nationalversammlung in Paris.

Nach Angaben von Bürgermeister Christian Estrosi wollte Staatschef Emmanuel Macron nach Nizza kommen. Laut Estrosi wurde der mutmaßliche Angreifer festgenommen. Er habe "Allahu akbar" ("Gott ist groß") gerufen. Die Polizei riet weiter, den Bereich zu meiden. Innenminister Gerald Darmanin bestätigte einen Polizeieinsatz in der Innenstadt von Nizza. Im Ministerium gebe es eine Krisensitzung. Darmanin hatte mehrfach von einer hohen Terrorgefahr im Land gewarnt. Erst vor zwei Wochen war ein Lehrer in einem Vorort von Paris enthauptet worden. Das Verbrechen hatte im ganzen Land Entsetzen ausgelöst. Es waren Zehntausende auf die Straße gegangen, um sich solidarisch zu zeigen. Nizza wurde bereits 2016 von einem Terroranschlag erschüttert, dabei starben 86 Menschen.

Macron nach tödlicher Attacke in Nizza eingetroffen

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron ist nach der tödlichen Messerattacke in der südfranzösischen Metropole Nizza eingetroffen. Er werde unter anderem von Innenminister Gerald Darmanin, Justizminister Eric Dupond-Moretti und dem Anti-Terrorstaatsanwalt Jean-Francois Ricard begleitet, hieß es am Donnerstag aus Élyséekreisen.

Macron wollte vor Ort etwa mit Sicherheitskräften und dem Bürgermeister von Nizza, Christian Estrosi, sprechen.

EU-Spitzen solidarisch mit Frankreich

Nach der tödlichen Messerattacke in Nizza haben die Spitzen der EU-Institutionen Frankreich ihre Solidarität zugesichert. Ganz Europa sei solidarisch mit dem Land, schrieb EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen am Donnerstag auf Twitter. Man bleibe angesichts der Barbarei und des Fanatismus geschlossen und entschlossen. Sie verurteilte den "abscheulichen und brutalen Angriff". Auch der Präsident des Europaparlaments, David Sassoli, betonte: "Wir haben die Pflicht, zusammen gegen Gewalt und gegen diejenigen zu stehen, die aufhetzen wollen und Hass verbreiten", schrieb der Italiener auf Twitter. Er sei schockiert und traurig über die Nachrichten aus Nizza. "Dieser Schmerz wird von uns allen in Europa gefühlt."

EU-Ratschef Charles Michel versicherte Frankreich und den Franzosen ebenfalls seine Solidarität. Seine Gedanken seien bei den Opfern der "entsetzlichen Attacke" und ihren Angehörigen. "Ganz Europa ist bei euch", schrieb der Belgier auf Twitter.

Spanien sichert Paris Beistand zu: "Vereint im Kampf gegen Terror"

Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez hat Frankreich nach der Messerattacke von Nizza Beistand zugesichert. "Wir sind vereint im Kampf gegen Terror und Hass", schrieb der sozialistische Politiker am Donnerstag auf Twitter. Sánchez betonte: "Wir werden weiterhin die Freiheit, unsere demokratischen Werte, den Frieden und die Sicherheit unserer Bürger verteidigen."

Auf Französisch postete er am Ende: "Nous Sommes Unis" (Wir sind vereint). Bei der Messerattacke in der südfranzösischen Küstenstadt Nizza waren mindestens drei Menschen getötet worden.

Türkei verurteilt tödliche Messerattacke in Nizza

Das türkische Außenministerium hat die Messerattacke im französischen Nizza scharf verurteilt. Es gebe nichts, das Gewalt und das Töten von Menschen rechtfertige, teilte das türkische Außenministerium am Donnerstag mit. Menschen, die derartig brutale Angriffe an einem solch heiligen Ort verübten, hätten keine religiösen, humanitären oder moralischen Werte. Man stehe solidarisch mit den Menschen in Frankreich gegen Terror und Gewalt, hieß es.

Italiens Regierung hat Frankreich nach der Messerattacke von Nizza ihr Beileid ausgedrückt. Zugleich versicherte Außenminister Luigi Di Maio am Donnerstag auf Twitter, Rom unterstütze Paris im Kampf gegen den Terror. "Wir stehen dem französischen Volk nahe und teilen den Schmerz der Familien der Opfer", schrieb der Minister aus der Fünf-Sterne-Bewegung. "Italien lehnt jeglichen Extremismus ab und bleibt im Kampf gegen Terrorismus und gewalttätigen Radikalismus an der Seite Frankreichs." Bei der Messerattacke in der südfranzösischen Küstenstadt Nizza waren mehrere Menschen getötet und weitere verletzt worden.

Bundesjustizministerin Lambrecht will mit europäischen Kollegen über Terrorismus beraten

Nach dem Terrorakt von Nizza will Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) mit europäischen Kollegen beraten. Sie kündigte ein Gespräch mit dem französischen Justizminister Éric Dupond-Moretti, weiteren europäischen Justizministern sowie der Brüsseler EU-Kommission für Freitag an. "Ich bin schockiert über die Nachricht von einem weiteren schrecklichen Verbrechen in Frankreich und verurteile diese Tat aufs Schärfste", erklärte Lambrecht am Donnerstag in Berlin. "All unsere Solidarität und Anteilnahme gilt unseren französischen Freunden."

Lambrecht verwies auf Einschätzungen der französischen Behörden, wonach es sich um eine islamistische Terrortat Tat handelt. Der Bürgermeister von Nizza, Christian Estrosi gab an, der inzwischen festgenommene Angreifer habe "Allahu akbar" ("Gott ist groß") gerufen. Lambrecht erklärte, wenn sich die Hinweise auf islamistischen Terrorismus bestätigten, sei dies "auch ein Anschlag auf unsere Lebensweise und unsere zentralen Werte". Diese akute Bedrohung müsse mit aller Kraft bekämpft werden. Darüber solle mit den anderen europäischen Ministern gesprochen werden.

Anschlag in Nizza: Papst Franziskus bekundet Nähe zu den Trauernden

Papst Franziskus hat nach dem Messerangriff in einer Kirche in Nizza seine Nähe und sein Mitgefühl mit den Trauernden bekundet. Das teilte der Vatikan am Donnerstag mit. «Es ist ein Moment des Schmerzes in einer Zeit der Verwirrung. Terrorismus und Gewalt können niemals akzeptiert werden», schrieb Vatikansprecher Matteo Bruni.

Das katholische Kirchenoberhaupt sei «informiert und steht der trauernden katholischen Gemeinschaft nahe», hieß es weiter. Franziskus bete für die Opfer und ihre Angehörigen, dass die Gewalt aufhöre.

(ce/dpa)

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