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Interesse an Condor

7.5.2019 17:51 Uhr

Trotz Warnung ihrer Aktionäre hat die Lufthansa das nächste Übernahmeziel ins Visir genommen. Geplant ist, die eigene Billigflugtochter Eurowings durch den Zukauf von Condor stärken. Dem Reisekonzern Thomas Cook sei ein erstes unverbindliches Angebot zur Übernahme der Tochter Condor unterbreitet worden, sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr am Dienstag auf der Hauptversammlung in Bonn. Doch einige schwergewichtige Anleger stellen den rasanten Wachstumskurs der größten Airline-Gruppe Europas - die sich mit den Billigfliegern Ryanair und Easyjet einen harten Konkurrenzkampf liefert - bereits infrage. Investmentfonds fürchten um Rendite und Dividende. Klimaschützer wiederum fordern generell weniger Flüge. Beide Seiten drängten die Lufthansa beim Aktionärstreffen dazu, mehr für den Abbau von CO2-Emissionen zu tun.

"Dunkle CO2-Wolken ziehen am Lufthansa-Horizont auf", sagte Vanessa Golz vom Sparkassen-Fondshaus Deka Investment. "Wir sehen ein hohes Risiko, dass die Luftfahrtbranche die regulatorische Keule des Klimawandels zu spüren bekommt." Dadurch drohe der Lufthansa ein Nachteil gegenüber nicht-europäischen Fluggesellschaften - etwa den schon heute starken Konkurrenten aus der Golf-Region. Union Investment sorgt sich nach den Worten von Fondsmanager Michael Gierse angesichts der öffentlichen Debatte um den Klimaschutz, dass "Flugscham" um sich greift. "Die Lufthansa muss von innen heraus CO2-neutral werden - der Flugverkehr muss langfristig emissionsfrei unterwegs sein", forderte Gierse, womöglich mit Biosprit.

Stärkung des Premiumsegments gefordert

Statt ein Sammelsurium unrentabler Gesellschaften zusammenzukaufen, solle sich die Lufthansa lieber auf die Erneuerung ihrer Flotte konzentrieren und das Premiumsegment stärken, sagte Gierse. Im vergangenen Jahr war Eurowings durch die Übernahme eines Teils von Air Berlin stark gewachsen. Doch das hatte Nebenwirkungen: Die Integration drückte Eurowings in die Verlustzone, es kam zu Betriebsstörungen und hohen Entschädigungszahlungen an Kunden. Der Eurowingsausbau kurbelte zwar das Kapazitätswachstum an. Gleichwohl stiegen auch die CO2-Emissionen um sieben Prozent auf insgesamt 32,6 Millionen Tonnen im Jahr.

Nun lockt die nächste Gelegenheit: Thomas Cook will seine Airlines verkaufen, um mehr in den Ausbau eigener Hotels investieren zu können. Die Thomas-Cook-Flotte umfasst gut 100 Flugzeuge in Gesellschaften in Deutschland, Großbritannien, Skandinavien und Spanien. Condor ist mit etwa 58, größtenteils geleasten Fliegern und gut 4500 Mitarbeitern der größte Teil. Die deutsche Traditionsmarke gehörte früher schon zur Lufthansa.

Abheben mit Biosprit?

Der Dachverband Kritische Aktionäre rief dazu auf, dem Vorstand die Entlastung zu verweigern, weil er nicht genug für den Klimaschutz tue. "Sie sind mitverantwortlich für den Sturzflug unserer Erde", rief auch Maximilian Reimers, Vertreter der Schülerbewegung "Fridays for Future", den Lufthansa-Managern zu. Diese Kritik wollte Spohr nicht auf sich sitzen lassen. Ab 2021 werde die Lufthansa CO2-neutral wachsen, betonte er. Durch die Erneuerung der Flugzeugflotte soll der Kerosinverbrauch pro Maschine sinken. Für die übrigen Emissionen will die Lufthansa über das neue internationale System Corsia Kompensationszahlungen an Klimaschutzprojekte leisten. Alternative Kraftstoffe seien aber keine Option, stellte der Lufthansa-Chef klar. "Es gibt keinerlei realistische Optionen, Flugzeuge anders zu betreiben als mit dem heutigen Treibstoff." Der Preis wäre bis zu fünf Mal so hoch wie der von Kerosin. Um den Bedarf an Biosprit der Lufthansa zu decken, müsste auf einer Fläche von drei Bundesländern zum Beispiel Raps angebaut werden.

Eine Ursache des stark wachsenden Flugverkehrs sind die niedrigen Preise, die auch der Lufthansa als Premiumanbieter ein Dorn im Auge sind. Spohr griff deshalb vor allem Ryanair an. Tickets für gerade mal 4,99 Euro seien ökonomisch, ökologisch und politisch unverantwortlich. Das schaffe künstliche Nachfrage und verstopfe den Flugbetrieb. "Das bringt uns in die Ecke, wo nicht mehr von verantwortungsvollem Umgang ausgegangen wird."

(an/reuters)