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In Deutschland hagelt es zum Schulstart Voll- und Teilschließungen wegen Corona

15.8.2020 21:02 Uhr

Der Schulbetrieb nach den Sommerferien läuft derzeit wieder an. Deutschland verzeichnet zunehmende Fallzahlen bei Neuinfektionen mit dem Coronavirus – nicht zuletzt auch durch Rückkehrer aus dem Urlaub. Nach wenigen Tagen Schule mussten nicht nur in Nordrhein-Westfalen bereits Schulschließungen – teilweise oder in Gänze – vorgenommen werden. Ist man vorschnell in den Normalbetrieb gegangen? In der Türkei, wo ähnliche oder geringere Tageszahlen bei den Neuinfektionen gemeldet werden, hat man den Neustart vorsichtshalber verschoben – um ganze drei Wochen. Das war möglich, weil in der Türkei Fernunterricht auf Grund des Netzausbaus problemlos möglich zu sein scheint.

Ganze drei Tage sind die Schulen im bevölkerungsstärksten Bundesland Deutschlands, in NRW, die Schulen nach den Sommerferien wieder im Regelschulbetrieb. Und schon nach der kurzen Zeit wurden zwölf Klassen und zwei ganze Schulen wegen positiver Tests auf das Coronavirus geschlossen, wie die " Westdeutsche Allgemeine Zeitung" meldet. Im sauerländischen Regierungsbezirk Arnsberg gab es 23 positive Testergebnisse im Zusammenhang mit Schulen. Trotz Maskenpflicht, die an den Schulen herrschen soll. Hier liegt der Verdacht nahe, dass es sich eventuell um "positive Urlaubs-Mitbringsel" handelt, die nun auffällig wurden.

Das Land Nordrhein-Westfalen übt sich aktuell noch darin, die Fälle herunterzuspielen. Man soll "ruhig" bleiben, professionell vorgehen, mit dem Virus ganz unaufgeregt umgehen und die Infektionsketten transparent machen, um sie effizient zu bekämpfen. Das ist sicher leichter gesagt als getan, wenn in Haushalten möglicherweise Risikopatientinnen und -patienten leben. Mathias Richter, Schulstaatssekretär des Landes, betonte, man habe als Land alle Vorkehrungen getroffen, um bei einem Infektionsgeschehen umgehend eingreifen zu können. Das Problem: Es wird nicht proaktiv gehandelt, sondern stets erst dann, "wenn das Kind bereits sichtbar in den Brunnen gefallen ist". Für Richter sei es wichtig, dass man "nicht sofort Schulen ganz schließe, wenn es im Umfeld zu Infektionen kam". Er rät an, dass "die Behörden mildere Maßnahmen ergreifen" sollten.

Drei Bundesländer starten am Montag in den Schulbetrieb

Gegen eine Maskenpflicht im Unterricht spricht sich beispielsweise die Bundesärztekammer aus. Gerade bei heißem Wetter sei die Maske "psychisch belastend". Zudem würde es "die Interaktion zwischen Lehrkräften und Kindern erschweren". Hier sei man "auf Mimik angewiesen". Zudem wird festgehalten, dass eine "schmutzige Maske andere Keime enthalte und sie möglicherweise schädlicher als nützlich sei". Wie sich das mit der Maskenpflicht und möglichen Bußgeldern wegen Maskenverweigerung ansonsten verträgt, blieb offen.

Doch NRW steht nicht allein auf weiter Flur. Berlin kehrte in den Regelschulbetrieb zurück – es gab vorübergehend Schulschließungen. Gleiches gilt für Mecklenburg-Vorpommern, wo ebenso Schulen für zwei Wochen geschlossen wurden. An sechs Schulen in Hamburg gab es ähnliche Szenarien. Ab Montag soll der Regelschulbetrieb auch im Saarland, in Rheinland-Pfalz und in Hessen wieder starten. In Hessen rutscht man in einigen Landkreisen schon jetzt nah an die 20er-Marke heran (Fälle pro 100.000 Einwohner in den letzten sieben Tagen). Da wird der Schulstart, zu dem die schwarz-grüne Landesregierung ab Montag bläst, sicher schon mit großer Spannung erwartet. Ob und welchen "Plan B" es gibt, wird man sicher Ende der nächsten Woche erfahren. Vielleicht wäre der "türkische Weg" - proaktiv handeln und nicht erst dann, wenn es zu spät ist - gar nicht so falsch gewesen. Außer man möchte vielleicht deckeln, dass die Probleme beim Netzausbau in Deutschland weitaus gravierender sind, als man zugeben möchte.

(ce)

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