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Immer mehr Frauen können vom eigenen Einkommen leben

6.3.2019 13:31 Uhr

Frauen können immer öfter vom eigenen Einkommen ihren Lebensunterhalt bestreiten, auch bei niedrigeren Gehältern - aber sehen sich häufiger mit Vorurteilen konfrontiert.

In manchen Branchen müssen sie aber insbesondere bei Teilzeitjobs immer noch mit geringeren Einkommen rechnen. Entlastung von der Hausarbeit gibt es kaum.

Das geht aus zwei am Mittwoch veröffentlichten Studien des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zum Internationalen Frauentag (8. März) hervor.

Nach einer Auswertung des Statistischen Bundesamtes bestritten im Jahr 2017 rund 72 Prozent der Frauen zwischen 25 und 54 Jahren ihren überwiegenden Lebensunterhalt aus eigener Erwerbstätigkeit. Zehn Jahre zuvor lag der Anteil noch bei 65 Prozent. Besonders deutlich sind die Veränderungen zudem bei den 55- bis 64-Jährigen. 2017 konnten rund 57 Prozent der Frauen in dieser Altersgruppe vom eigenen Einkommen leben. Zehn Jahre zuvor waren es nur 36 Prozent.

Signifikante Gehaltsunterschiede

Nach Untersuchungen der DIW-Forscherin Aline Zucco sind die Gehaltsunterschiede in den Branchen besonders groß, in denen jeweils ungefähr gleich viele Männer und Frauen arbeiten und zudem großer Wert auf längere Arbeitszeiten gelegt werde. Typische Beispiele seien Unternehmensberatung und Controlling. Dort bekämen diejenigen, die in Vollzeit arbeiten, nicht nur monatlich, sondern auch auf die Stunde gerechnet mehr Lohn als beispielsweise Teilzeitbeschäftigte.

Hilfreich gegen ungleiche Gehälter seien Tarifverträge sowie Führungspositionen, die zwischen mehreren Beschäftigten geteilt würden, erklärte das DIW. "Vor allem aber muss man sich von der Vorstellung befreien, dass nur jene, die viel und lange arbeiten, gute Arbeit leisten. Das erfordert ein großes Umdenken", meinte Zucco.

Frauen machen mehr Hausarbeit als Männer

Ungeachtet der zusätzlichen Erwerbsarbeit erledigen die in Paarhaushalten lebenden Frauen deutlich mehr Hausarbeit als Männer, wie aus der zweiten DIW-Studie hervorgeht. Obwohl Frauen seit Jahren immer häufiger erwerbstätig werden, kümmern sich Männer um Kinderbetreuung und Hausarbeiten vergleichsweise wenig.

Schon an Werktagen arbeiten Frauen mehr als doppelt so lang im Haushalt wie ihre männlichen Partner, heißt es auf der Grundlage des sozio-ökonomischen Panels, für das rund 30 000 Interviews geführt wurden. Das setzt sich auch am Sonntag fort. "In vielen Familien ist es offenbar fest verankert, dass für bestimmte Hausarbeiten die Frau zuständig ist, auch wenn sie erwerbstätig ist", erklärte die DIW-Soziologin Claire Samtleben.

Frauen fühlen sich im Berufsalltag deutlich häufiger mit Vorurteilen konfrontiert

Im Berufsalltag fühlen sich Frauen laut einer Umfrage deutlich häufiger mit Vorurteilen konfrontiert als Männer. Während dies mit 23,7 Prozent fast jede vierte Frau angibt, sagt weniger als jeder zehnte Mann (9,3 Prozent), dass er im Beruf Vorurteile aufgrund seines Geschlechts erlebt. Bei den Frauen stieg die Zahl zuletzt sogar an: Vor einem Jahr waren es noch 21,1 Prozent.

Für die repräsentative Umfrage im Auftrag der Initiative Chefsache befragte das Meinungsforschungsinstitut Civey im Februar online 5000 Bundesbürger. Die Initiative befragt alle sechs Monate Männer und Frauen in Deutschland zu ihren Karriereabsichten.

Weniger Lust auf Karriere?

Gesunken ist zuletzt die Zuversicht der Frauen, ihre Karrierewünsche verwirklichen zu können. Nur noch 33,5 Prozent der Frauen halten es für realistisch, in eine Führungsposition aufzusteigen. Vor einem Jahr waren es 38,2 Prozent. Bei Männern äußern sich 43,9 Prozent zuversichtlich, Anfang 2018 waren es 48,3 Prozent.

Allerdings haben die Beschäftigten in Deutschland der Umfrage zufolge auch grundsätzlich weniger Lust auf Karriere: 34,4 Prozent der Frauen und 41,6 Prozent der Männer streben derzeit in ihrem Berufsleben eine Führungsposition an. Vor einem Jahr lagen die Werte noch bei 36,6 Prozent bei den Frauen und 44,1 Prozent bei den Männern.

(be/dpa/afp)