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Imamoglu wirft Erdogans AKP schlechte Verwaltung Istanbuls vor

24.12.2019 10:25 Uhr

Der neue Oberbürgermeister von Istanbul hat die Regierungspartei AKP für ihre Arbeit in der Stadt vor seiner Zeit scharf angegriffen. In einer Pressekonferenz zu seinen ersten sechs Monaten im Amt sprach er am Montag von schlechtem Management und hohen Schulden. "Als wir am 26. Juni das Amt übernahmen, haben wir in der Gemeinde ein schwarzes Loch von insgesamt 14 Milliarden Lira (etwa 2,1 Milliarden Euro) übernommen", sagte er. Es sei nicht einmal genug Geld dagewesen, um die Gehälter der Mitarbeiter zu zahlen.

Am 23. Juni hatte Imamoglu, der der Oppositionspartei CHP angehört, in einer international aufmerksam verfolgten Wiederholung der Kommunalwahl den Bürgermeisterposten der größten Stadt der Türkei erobert - nach Jahrzehnten der AKP-Herrschaft in Istanbul. Sein Sieg machte ihn unter Erdogan-Kritikern im In- und im Ausland zum Hoffnungsträger. Vielen gilt er seitdem schon als nächster Präsident.

Zugleich scheint sich die Kontroverse zwischen Imamoglu und Erdogan in einer anderen, jüngst viel diskutierten Angelegenheit zu verschärfen. Zum geplanten milliardenteuren Projekt Istanbul-Kanal sagte Imamoglu an Erdogan gewandt: Nicht eine Handvoll Menschen werde die Entscheidung über das Projekt treffen, sondern die Bürger der Stadt. "Ihr könnt Istanbul nicht in ein Abenteuer stürzen", sagte er.

Der Kanal ist ein Lieblingsprojekt des Präsidenten und soll den Bosporus beim Schiffsverkehr entlasten. Türkische Medien hatten unter Berufung auf Experten über Umweltschäden und andere Gefährdungen berichtet. Erst vor wenigen Tagen hatte Erdogan angekündigt, dass bald die Ausschreibungen beginnen werden. Imamoglu kritisierte, dass es keinen richtigen Plan gebe und die Verantwortlichen zurzeit nicht einmal wüssten, wieviel der Kanal kosten werde.

(dpa)

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