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Imamoglu: "Die EU-Beitrittsgespräche sollten fortgesetzt werden"

7.6.2019 10:45 Uhr

Der Bürgermeisterkandidat der oppositionellen Partei CHP für Istanbul, Ekrem Imamoglu, sieht weiterhin eine Chance für den EU-Beitritt der Türkei.

"Die EU-Beitrittsgespräche sollten fortgesetzt werden", sagte Imamoglu gegenüber "Welt". Europa und die Türkei hätten "Beziehungen auf so vielen Ebenen". "Wir müssen das Europa nur wieder spüren lassen", bekräftigte der Politiker der Republikanischen Volkspartei (CHP). In dieser Hinsicht habe die derzeitige Führung der Türkei schwere Fehler gemacht.

Manfred Weber skeptisch

Der EVP-Spitzenkandidat bei der Europawahl, Manfred Weber (CSU), hatte sich im Wahlkampf gegen eine EU-Mitgliedschaft der Türkei ausgesprochen. Er denke nicht, dass die Türkei Mitglied der EU werden könne, sagte er im April. Die Europäische Volkspartei (EVP) stellt trotz Verlusten nach der EU-Wahl weiterhin die größte Fraktion im EU-Parlament. Ob Weber tatsächlich EU-Kommissionspräsident wird, ist jedoch noch unklar. Imamoglu versuchte Bedenken zu zerstreuen, die Türkei habe sich zu weit von europäischen Werten entfernt. "Europa sollte sich keine Sorgen um die Türkei machen. Dies ist kein nahöstliches Land", sagte er. Die Türkei habe ihre Verbundenheit mit der Demokratie unter Beweis gestellt. Wenn er die Wiederholung der Bürgermeisterwahl am 23. Juni gewinne, werde dies "einen großen Schub Richtung Demokratie auslösen".

Neuwahlen am 23. Juni

Der CHP-Politiker hatte die Bürgermeisterwahl mit 14.000 Stimmen Vorsprung vor dem Kandidaten der islamisch-konservativen AKP, Ex-Ministerpräsident Binali Yildirim, gewonnen. Auch nach der teilweisen Neuauszählung der Stimmen blieb es bei dem Vorsprung, so dass Imamoglu Mitte April offiziell in sein Amt als Bürgermeister eingeführt wurde. Nach massiver Kritik von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan an "Unregelmäßigkeiten" im Wahlablauf ordnete die Wahlkommission Anfang Mai jedoch Neuwahlen an.

(be/afp)