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Im Schatten der Rezession

29.3.2019 17:29 Uhr

Am Sonntag sind Kommunalwahlen in der Türkei. Bei den Kommunal- und Bürgermeisterwahlen dürfen rund 56 Millionen Türken ihre Stimme abgeben. Dabei wird die wirtschaftliche Zukunft des Landes das alles beherrschende Thema sein. Denn die wirtschaftliche Lage in der Türkei ist alles andere als rosig.

Dabei ist die Wirtschaft eines der zentralen – und früher auch erfolgreichen – Themen der AKP. Seit ihrem Antritt 2002 wuchs die Wirtschaft im Durchschnitt um fünf Prozent, so „The Economist“ und holte so Millionen von Türken aus der Armut.

Doch die Zeit des türkischen Wirtschaftswunders scheint vorbei. Mit 13,5 Prozent erreicht die Arbeitslosigkeit den höchsten Stand seit 2010. So erzählt dem Deutschlandfunk ein Lastenträger in Diyarbakir, dass er seit Monaten keine richtige Arbeit findet.

Parallel dazu stürzt die Lira ab und die Regierung in Ankara ergriff scharfe Maßnahmen den Fall zu stoppen. Das Problem dabei ist, dass das türkische Finanzsystem nun ein anderes Problem hat. Nun befindet sich der Aktienmarkt im Sinkflug und die Zinskosten für den türkischen Staat schnellten dafür in die Höhe.

Streit mit Investmentbankern

Doch weil das noch nicht schlimm genug ist, gießt man zusätzlich Öl ins Feuer. Einlassungen der Regierung, inklusive der Andeutung, dass deutsche Touristen in der Türkei verhaftet werden könnten, sind nicht geneigt bei Investoren für Vertrauen zu sorgen.

Und dann ist da der Beef mit JPMorgen. Die Investmentbank aus den USA hat seinen Kunden empfohlen, ihre Lira-Positionen zu verkaufen. Analysten der Bank haben erkannt, dass die Devisenreserven des Landes erheblich geschrumpft sind. Die Bank fürchtet, dass dies eine versteckte Wahlkampfhilfe für die AKP ist und nach der Wahl eingestellt wird. Dann würde der Kurs der türkischen Lira wieder sinken. Und die Annahme ist nicht unbegründet. Die Zentralbank hatte ihre Dividende dieses Jahr drei Monate früher ausgeschüttet um die Bilanz etwas aufzuhübschen.

Die wilden Reaktionen auf die Empfehlung JPMorgans trug nicht zur Entspannung bei. Präsident Erdogan sagte, er wolle die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen und die türkische Aufsichtsbehörde nahm Ermittlungen gegen die Bank auf. Außerdem sollen türkische Banken kein Geld mehr an ausländische Investoren verleihen. Die Zeitung „Die Welt“ zitiert einen Analysten der BayernLB „Damit soll (ihnen) erschwert werden, Lira-Shortpositionen einzugehen.“

Grundprobleme der türkischen Wirtschaft

Um doch noch liquide zu bleiben fluteten ausländische Investoren den Aktienmarkt. Die Folge: Fallende Kurse. Denn eines der Grundprobleme der türkischen Wirtschaft ist, dass sie zu einem hohen Grad von ausländischem Kapital abhängig ist. Die Türkei gibt mehr aus als sie einnimmt und muss die Lücke mit fremdem Geld füllen. Außerdem muss die Regierung in Ankara in den nächsten zwölf Monaten ungefähr 177 Milliarden Dollar zurückzahlen. Ohne Investitionen aus dem Ausland wird dies eine Herkulesaufgabe.

Investoren-Bashing ist da wenig hilfreich, manche würden sogar sagen kontraproduktiv. Bloomberg zitiert einen Händler mit den Worten: „Aufgrund einer solchen Taktik wird jeder Händler hinterfragen, ob die (türkische) Lira noch investierbar ist.“ Kurz: Der Investor ist ein scheues Reh. Mit einem Stein nach ihm zu werfen und zuzusehen, wie es rennt, mag für einen Moment spaßig sein. Doch für ein langfristig idyllisches Bild für die Familie eher schädlich.