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Ikone der 20er Jahre: Vicki Baums Erinnerungen

2.1.2019 16:52 Uhr

1929 ist "Menschen im Hotel" erschienen. Obwohl Vicki Braun heute nicht mehr allzu bekannt ist, war sie in den 20er und 30er Jahren mit ihrem Roman allseits bekannt. Ihr Erfolg zog auch so manche Neider an, die sie damals als seichte Unterhaltungsautorin abqualifizierten. Dabei steckt in ihr viel mehr, als ihr zugetraut wurde.

Was damals eher ein Makel zu sein schien, macht sie heute immer noch zu einer lesenswerten Autorin. Für ihre Erinnerungen, die jetzt in einer Neuauflage vorliegen, gilt das allemal. Sie sind in einem flotten Stil geschrieben, der keine Patina angesetzt hat. Es macht Spaß, Vicki Baum durch das alte kaiserliche Wien zu folgen, wenn sie ihre schwierige Kindheit als Tochter eines absonderlichen Vaters und einer kranken Mutter beschreibt. Wahrscheinlich hat sie diese harte Schule gestählt für ihren ungewöhnlichen Weg zu einer so modernen Schriftstellerin, dass den Nazis schauderte.

Durch die Verfilmung ihres Romans "Menschen im Hotel" nach Hollywood gelockt, blieb Baum, eine Jüdin, klugerweise gleich dort. Wie ihre Memoiren zeigen, besaß sie die Gabe, mit einem gewissen ironischen Abstand auf sich und ihr Werk zu schauen.

- Vicki Baum: Es war alles ganz anders, Kiepenheuer und Witsch, Köln, 592 Seiten, 13,00 Euro, ISBN 978-3-462-05209-1.

(sis/dpa)