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Homophobe und rassistische Angriffe gegen französischen ESC-Kandidaten - Hassani wehrt sich

4.2.2019 13:43 Uhr

Bilal Hassani vertritt Frankreich mit seinem Song "Roi" beim diesjährigen Eurovision Song Contest (ESC) in Tel Aviv. Die homophoben und rassistischen Angriffe gegen seine Person treffen ihn schwer - doch er wehrt sich.

"Es stört viele, dass meine Eltern in Marokko geboren wurden und dass ich schwul bin - das kann man nicht leugnen", sagte der 19-Jährige der französischen Zeitung "Le Parisien". "Ich bin stolz darauf, Frankreich zu vertreten. All das trifft mich, es tut mir weh, es betrübt mich, aber ich bin noch entschlossener, auf all diesen Hass zu reagieren." Hassani geht auch juristisch gegen Drohungen und Beleidigungen vor.

Forderungen nach Disqualifikation

Ein konservativer französischer Politiker fordert nun, den Franzosen mit marokkanischen Wurzeln vom Wettbewerb zu disqualifizieren, weil er in einem Video islamistische Attentate "verharmlost" habe. Auch ein Israel-kritischer Tweet macht Hassani zu schaffen. Israel richtet in diesem Jahr den ESC in Tel Aviv aus. Unter dem Motto "Nein zur Verharmlosung des Terrorismus" rief der französische Senator Henri Leroy die ESC-Jury auf, Hassani vom Wettbewerb auszuschließen. Er beruft sich auf ein Video, in dem der junge Mann auf der Straße tanzt und singt "Frankreich hat viel gelitten - Attentate hier, Attentate da".

Hassani sagte der Zeitung "Le Parisien" vom Montag, das Video sei in einem "verrückten Moment" nach dem Sieg Frankreichs bei der Fußball-Weltmeisterschaft im vergangenen Juli entstanden. Es drücke Erleichterung aus, nicht aber Unterstützung für die Islamisten, die seit 2015 in Frankreich mehr als 250 Menschen töteten. Zudem habe er einen Israel-kritischen Tweet aus dem Jahr 2014 nicht selbst verfasst, erklärte der Sänger weiter. Darin werden Israel "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" vorgeworfen. Dies sei nicht seine Meinung, betonte Hassani. Er sei zum fraglichen Zeitpunkt "jung und dumm" gewesen und habe das Passwort zu seinem Twitterkonto mit rund zehn anderen Menschen geteilt.

Conchita Wurst als Vorbild

Der Sänger tritt mit dem Lied "Roi" für Frankreich beim ESC-Finale im Mai in Israel an. Am 26. Januar qualifizierte er sich für den Musikwettbewerb. Danach habe es in sozialen Netzwerken eine "Lawine" des Hasses gegeben, sagte Hassanis Anwalt, Etienne Deshoulieres, der französischen Nachrichtenagentur AFP. Kurz darauf erstattete Hassani Anzeige wegen Beleidigung, Aufruf zu Hass und Gewalt und homophober Drohungen. "Lasst mich, lasst mich in Ruhe, lasst mich bitte leben", sagte Hassani nun im Interview.

Bilal tritt mit wasserstoffblonden schulterlangen Haaren und Make-up auf. Zu seinen großen Vorbildern zählt die bärtige Diva Conchita, die als Conchita Wurst mit der Ballade "Rise Like A Phoenix" 2014 für Österreich den ESC in Kopenhagen gewann. Die israelische Sängerin Netta hatte im vergangenen Mai mit ihrem Song "Toy" beim ESC in Portugal gesiegt. Deswegen ist Israel 2019 Austragungsort.

(sis/dpa)