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Hitzewelle bringt Deutschland zum Schwitzen

27.6.2019 0:22 Uhr

Die Bundesrepublik schwitzt - und zwar gewaltig. Nach dem heißesten Tag aller Zeiten sah es am Mittwoch zunächst nicht aus, aber es fühlte sich an vielen Orten schon früh genau so an. Schon mittags um 12 Uhr wurden in Genthin in Sachsen-Anhalt 35,9 Grad gemessen.

Eine Stunde später fiel in Sachsen der Juni-Rekord für das Bundesland: 36,9 Grad. Die höchsten Temperaturen des Tages sollten da erst noch kommen: Der DWD erwartete an Rhein, Main, Saar und Nahe und Unterelbe knapp unter 40 Grad.

Hitzewelle aus der Sahara: Temperaturen bis zu 39 Grad

Die Hitzewelle aus der Sahara erreichte damit ihren vorläufigen Höhepunkt. An Rhein, Main, Saar und Nahe sowie an der Unterelbe erwartete der Deutsche Wetterdienst bis zu 39 Grad. Damit werde der Allzeit-Temperaturrekord in Deutschland voraussichtlich nicht gefährdet, sagt Meteorologe Sebastian Schappert. Der liegt bei 40,3 Grad, aufgestellt in Kitzingen im August 2015. Aber "Ulla" lässt Deutschland trotzdem mächtig schwitzen.

Auf dem Vorfeld des Frankfurter Flughafens beispielsweise strahlt die Hitze brutal vom Betonboden. "Da kann man noch mal zehn Grad zu den Thermometerwerten hinzurechnen", sagt Udo Schuh, Stellenleiter des Abfertigungsbereichs. Schlapp gemacht hat bisher keiner der Kollegen, die unter Extrembedingungen Schwerstarbeit leisten. "Aber man merkt schon, dass die Leute einfach langsamer machen müssen."

In Bad Doberan an der Ostsee verbog die Sommerhitze die Gleise einer Schmalspurbahn, die "Molli" stand stundenlang still. In Brandenburg stoppte die Polizei einen Mann, der nackt bis auf Helm und Sandalen mit dem Motorroller unterwegs war. Seine Reaktion, als er am Montag aus dem Verkehr gezogen wurde: "Et is halt warm, wa?" Der Mann musste seine Hose wieder anziehen, dann durfte er - bekleidet - den Fahrwind genießen.

Hessischer Landtag lockert Kleidungsvorschriften

Der hessische Landtag wiederum hatte ein Einsehen mit den Politikern und lockerte die Kleidungsvorschriften. Bedienstete und Abgeordnete durften statt Sakko oder Kostüm kurze Hose oder Sommerhemd tragen.

Auswirkungen auf die Natur

Die Hitze erhöhte auch die Waldbrandgefahr. In Sachsen etwa gilt laut Staatsbetrieb Sachsenforst teilweise die höchste Warnstufe 5. In der Lieberoser Heide in Brandenburg brennt es bereits auf 100 Hektar. Auch die Bäume leiden. Sie brauchen ihre Wasserreserven jetzt schneller auf, erklärt der Hauptgeschäftsführer des Bunds deutscher Baumschulen. Gerade Stadtbäume stünden bei dieser Hitze unter Stress.

Die extreme Hitze macht Obst- und Gemüsebauern ebenfalls das Leben schwer. Frisch gesetzte Pflanzen wie Salat müssten mehr gegossen werden, hieß es bei der der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz, das bedeute Zusatzkosten. Zudem bestehe das Risiko einer "Überernte". Die Bauern in Sachsen-Anhalt fahren sogar bereits die ersten Feldfrüchte ein. Früher als gewöhnlich habe auf den Äckern die Ernte von Gerste, Raps, Weizen und Roggen begonnen, teilte der Landesbauernverband mit.

In anderen Ländern ist es nicht besser

In Frankreich warnen die Behörden in dieser Woche vor Temperaturen um die 40 Grad. Wegen hoher Ozonbelastung wurde der Autoverkehr im Großraum Paris eingeschränkt rund 60 Prozent aller Fahrzeuge sind von den Fahrverboten betroffen. In Spanien werden in einigen Landesteilen am Wochenende bis zu 44 Grad erwartet. Auch die Urlauber den Balearen müssen bei Werten von rund 35 Grad schwitzen. Etwas angenehmer ist es auf den Kanaren und in Katalonien.

In Deutschland wird es am Donnerstag zumindest im Norden kühler, sagt der DWD. In Hamburg kühlt es auf knapp 30 Grad runter. Der Süden muss aber weiter schwitzen: Am Oberrhein bleibt es heiß bei 37 oder 38 Grad. Am Freitag geht´s noch mal weiter runter. Aber am Samstag kommt schon die nächste Welle heißer Sahara-Luft zu uns.

(gi/dpa)

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