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Historische Konsequenz des warmen Winters: Kein Eiswein

9.3.2020 15:51 Uhr

Für Genießer traurig, für Winzer bitter: In keinem einzigen deutschen Weinanbaugebiet wurde die für die Eisweinlese erforderliche Mindesttemperatur von minus sieben Grad Celsius erreicht. Die Konsequenz ist lt. den Angaben des Deutschen Weininstitutes (DWI) historisch: Der Weinjahrgang 2019 geht als erster Jahrgang ohne Eisweinlese in die Geschichte ein.

"Wenn sich die warmen Winter in den nächsten Jahren häufen, dürften Eisweine aus den deutschen Weinregionen bald eine noch kostbarere Rarität werden, als sie es sowieso schon sind", sagte Ernst Büschner vom DWI Anfang März. Schon seit 2017 ist die Eisweinernte rückläufig. Die Winter waren meist zu warm, und so konnten nur mancherorts gefrorene Trauben für den Eiswein geerntet werden. Lediglich sieben Erzeuger hatten dieses Glück im Jahr 2017.

Entdeckung und Herstellung des Eisweins

Anfang des 19. Jahrhundert (1830), während eines eher schlechten Weinjahres, lasen die Weinbauern viele Trauben wegen schlechter Qualität nicht. Nach einigen Frosteinbrüchen sollten die Früchte schließlich an das Vieh verfüttert werden. Dabei stellten die Weinbauern jedoch fest, dass die Trauben ungewöhnlich süß waren. Die Süße machten sie sich zunutze und stellten den ersten Eiswein her.

Hierbei wird die noch gefrorene Traube sofort unter hohem Druck mit speziellen Spindelpressen gekeltert. Durch die während der kalten Temperaturen erfolgten Trennung von Wasser und Fruchtsäure bleibt während des Pressens ein Großteil des Wassers als Eis in der Traube. Eine kleine Menge hochkonzentrierter, süßer Most wird gewonnen. Sie entspricht nur etwa zehn Prozent der ursprünglichen Fruchtmenge. Dies und die aufwändige Herstellung machen den Eiswein sündhaft teuer. Eine Flasche bekommt man ab 20 Euro. Qualitativ hochwertigere Weine kosten aber gut und gern um die 100 Euro.

Die edle Süße macht den Wein als Dessertwein beliebt. Deutsche Eisweine haben in der Regel einen natürlichen Zuckergehalt von ca. 100 Gramm pro Liter und dabei einen Alkoholgehalt von etwa sieben Prozent. Dafür bezahlt man lt. den Statistiken des DWI gern insbesondere in Japan, China, Skandinavien und den Vereinigten Staaten.

Die Problematik aus Sicht der Erzeuger

Aufgrund seiner internationalen Beliebtheit spielt der Eiswein vor allem für die Reputation der Winzer eine bedeutende Rolle. In Weinwettbewerben erzielen die deutschen Eisweine regelmäßig beste Bewertungen. Bei Auktionen werden sie häufig zu Rekordpreisen versteigert.

Die Trauben für die Eisweinernte stehenzulassen, ist vergleichbar mit einem Pokerspiel. Die Winzer setzen alles auf eine Karte und können nicht mehr tun als auf die erforderlichen, möglichst dauerhaften Minusgrade zu hoffen. Sie gehen dabei das Risiko des Totalverlustes ein, der sich für den Jahrgang 2019 als bedauernswerte Realität erwiesen hat.

(jk)

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