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Hessen prescht im Westen bei Schulöffnung voran

17.4.2020 16:36 Uhr

Die Landesregierung in Hessen hat ihr Votum gefällt: Die Schulen werden ab dem 27. April schrittweise wieder geöffnet. Es könnte ein gewagter Schritt sein, den Ministerpräsident Volker Bouffier und Kultusminister Alexander Lorz, beide von der CDU, sich da überlegt haben. Losgehen soll es für Abgangsjahrgänge in allen Schulformen – G8-Zwölftklässler an Gymnasien, Hauptschulen, Realschulen, Berufsschulen und das bis runter zu den Viertklässlern in den Grundschulen. Doch wie ist man Hygiene-Maßnahmen an den Schulen aufgestellt? Können gerade Viertklässler im Alter von zehn bis elf Jahren die Regeln der Distanzierung einhalten? Und wie ist es um die hygienischen Grundvoraussetzungen an den Schulen bestellt? Wie kommen die Kinder in die Schulen? Es stehen noch viele, viele Fragezeichen im Raum und harren in der verbleibenden Woche auf Klärung.

Wie der Pressesprecher des Kultusministeriums Hessen in Wiesbaden, Stefan Löwer, Hürriyet.de gegenüber mitteilte, sei man insgesamt gut aufgestellt. Es würde für alle Schulformen klare Maßgaben hinsichtlich der einzuhaltenden Hygienevorschriften und Distanzierungsregeln geben. Zudem habe man gerade für die Viertklässler – aber auch den Rest der Schulen – verkleinerte Klassen, verkürzten Präsenzunterricht und das Lernen der Hygieneregeln auf dem Radar. Ob es nach der kurzfristigen Ankündigung der Wiederaufnahme des Schulbetriebes in Hessen zu ähnlichen Boykott-Ankündigungen wie in Berlin, Hamburg und Nordrhein-Westfalen kommen wird, wagt Stefan Löwer zu bezweifeln. Letztlich habe sich auch bei den Abitur-Prüfungen gezeigt, dass man die Situation sehr gut im Griff habe.

Kultusminister Alexander Lorz betonte, es sei grundsätzlich der richtige Weg, mit den "größeren Schülern" zu starten, weil man dort voraussetzen könne, sie seien besser in der Lage, Hygiene- und Abstandsregeln umzusetzen. Eine Maximalgröße von 15 Schülerinnen und Schülern wäre Vorgabe, obwohl man maximal zehn Schülerinnen und Schüler in der Klasse als optimal ansehen würde. Dadurch würde es natürlich zu Klassenteilungen kommen und es könnte sich wohl auch die Situation ergeben, dass bisher unbekannte Lehrkräfte den Unterricht abhalten würden. Ob das der Sinn und Zweck in einer vierten Klasse sein sollte, in welcher der Weg vorgezeichnet wird, wie es schulisch weiterläuft, blieb unbeantwortet.

Begeisterung über Schulöffnung in Hessen hält sich in der Opposition in Grenzen

Kultusminister Lorz räumte ein, dass man habe abwägen müssen. Da stünde das Vermeiden der Weiterverbreitung der tödlichen Krankheit auf der einen Seite, aber auch die Notwendigkeit des Lernens auf der anderen Seite. Die Erhöhung des Ansteckungsrisikos ist Alexander Lorz nach eigenem Bekunden bekannt – aber man habe auch die Aufgabe, den Schülerinnen und Schülern die Bildungschancen nicht vorzuenthalten. Sein "Chef" – Ministerpräsident Volker Bouffier – nennt es einen Notbetrieb, in dem die Schulen fahren werden. Ob jedoch eine möglicherweise signifikante Risikoerhöhung es wert ist, einen schulischen Notbetrieb zu fahren, werden die Fallzahlen am Ende des Tages an die Öffentlichkeit bringen. Offen ist ebenso noch, wie der Transport der Schülerinnen und Schüler zu den Unterrichtsstätten ablaufen soll – unter den Geboten der Abstandsregeln. Dafür habe man ja aber noch eine Woche Zeit.

Nach dem Vorpreschen der hessischen Landesregierung bringt sich jedenfalls die Opposition schon einmal in Stellung. Hier wird mit Nachdruck gefordert, dass der Gesundheitsschutz einzuhalten ist. Desinfektionsmittel, warmes Wasser, Papierhandtücher und ausreichend Seife seien vorzuhalten. Weiter geht die Linksfraktion, die schon seit längerer Zeit forderte, es sollten alle Kinder am Ende des Schuljahres versetzt werden. Das hat sich nach Aussage von Tim Dreyer, stellvertretender Pressesprecher der Linksfraktion, gegenüber Hürriyet auch so durchgesetzt. Mit Boykottaufrufen, wie sie in Berlin, Hamburg und NRW derzeit stattfinden, rechnet allerdings auch die Linksfraktion in Hessen nicht, da sich schon der Schülerschaft der Ruf breitmachte, die Schuljahr zu beenden, so Tim Dreyer. Grundsätzlich zeigte sich jedoch auch die Linksfraktion im Landesparlament überrascht vom Vorstoß, vor dem von Bundeskanzlerin Angela Merkel vorgeschlagenen Datum am 4. Mai den Schulbetrieb in Hessen wieder aufzunehmen.

(ce)

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