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Herzchirurg aus Karlsruhe tweetet homophoben Inhalt

30.4.2020 22:32 Uhr

Seit rund 20 Jahren arbeitet Dr. Metin Cakir, Funktionsoberarzt mit türkischen Wurzeln, am Helios Klinikum in Karlsruhe. Das könnte unter Umständen bald Geschichte sein, denn Dr. Cakir nutzte die Plattform Twitter dazu, unter seinem Privatnamen einen Tweet abzusetzen, der wegen seines homophoben Inhalts für reichlich Aufregung sorgte. Das drang zur Klinik-Leitung vor und dort wurde Dr. Cakir vorläufig beurlaubt. Doch was war geschehen?

Am Montag sah sich Dr. Metin Cakir offenbar genötigt, einen Tweet zu Homosexualität abzusetzen. Dazu bediente sich der Arzt, der bisher als anerkannter Kollege im Helios-Klinikum galt, der türkischen Sprache. Er tweetete sinngemäß übersetzt: "Als Doktor will ich erwähnen, dass es sich bei Homosexualität und Transsexualität um Krankheiten handelt.". Nach einer Welle der Entrüstung, aber auch jeder Menge an Zuspruch – der Tweet erfuhr bis kurz vor seiner Löschung (durch Twitter nach Meldungen oder durch Cakir selbst) knapp 60.000 Likes und fast 7000 Retweets – erreichte der Beitrag letztlich auch die Klinik-Leitung.

WHO: Homosexualität und Transsexualität sind keine Krankheiten

Die Klinik sah sich dann letztlich zu einer Stellungnahme genötigt, die wie folgt lautet, wie die Unternehmenskommunikation Hürriyet.de am Mittwoch mitteilte: "Der Mitarbeiter ist seit über 20 Jahren an unserem Standort als Herzchirurg tätig und im Team der Klinik als Kollege anerkannt. Wir haben gemeinsam mit ihm entschieden, ihn vorläufig zu beurlauben und prüfen derzeit die Möglichkeiten rechtlicher Konsequenzen. Wir werden den Sachverhalt unter Einbeziehung der zuständigen Ärztekammer prüfen und bewerten. Wir werden uns zudem mit dem LSVD in Verbindung setzen und ein Gespräch anbieten." Ob es für den Funktionsoberarzt nach seiner Beurlaubung am Klinikum beruflich weitergehen wird, erscheint eher unwahrscheinlich.

Screenshot Twitter

Das mögliche Ausscheiden von Dr. Metin Cakir wird möglicherweise auch daran liegen, dass seine persönliche Sichtweise – bei der er betonte, er habe sie als Arzt formuliert – nicht mit dem vereinbar ist, was als wissenschaftlich erwiesen anzusehen ist. Im Jahr 1991 wurde die Klassifikation zur Homosexualität – ICD-10 – gestrichen und Homosexualität nicht mehr als "psychische Störung" bei der WHO (Weltgesundheitsorganisation) gelistet. Fast 30 länger dauerte es bei der Transsexualität, bis die WHO entsprechend reagierte und sie vor knapp einem Jahr im Mai 2019 von der Liste (ICD-11) genommen hat. Aus deutscher Sicht wird die ganze Angelegenheit für den Oberarzt noch brisanter, denn ab Mai soll das sogenannte Konversionsverbot (man darf nicht mehr versuchen, homosexuelle Menschen zu "heilen") greifen. Damit wird dann auch gesetzlich manifestiert, Homosexualität ist keine Krankheit.

(ce)

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